Sterbehilfe: ein moralisch schwieriges Thema. Foto: Kitty Kleist-Heinrich / Tsp
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Sterbehilfe in den Niederlanden 13 Menschen pro Tag bitten um aktive Sterbehilfe

Die Niederlande sind das einzige Land weltweit, in der aktive Sterbehilfe möglich ist. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage stark angestiegen.

Das einzige niederländische Spezialzentrum für Sterbehilfe hat 2019 einen starken Anstieg der Anfragen registriert. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl um 22 Prozent auf 3122 gestiegen, teilte das Expertenzentrum für aktive Sterbehilfe in Den Haag am Freitag mit. Dies sei „weit mehr als erwartet“. In rund 900 Fällen sei dem Wunsch nach Sterbehilfe entsprochen worden. Einen Grund für den Anstieg nannte das Zentrum nicht.

Die Niederlande hatten 2002 als erstes Land weltweit Sterbehilfe legalisiert. Sie ist allerdings nur dann erlaubt, wenn der Patient den Antrag dafür bei vollem Bewusstsein stellt und unter einer unheilbaren Krankheit und unerträglichen Schmerzen leidet. Jeder Fall muss einzeln von einer Kommission geprüft und genehmigt werden.

„An jedem Werktag kommen 13 Menschen zu uns, die sagen, 'ich kann nicht mehr weitermachen'. Es besteht ein großer Bedarf“, erklärte Zentrumsleiter Steven Pleiter. 2017 und 2018 seien die Zahlen noch stabil gewesen. Das Zentrum habe Probleme, der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Es gebe sowohl bei Ärzten und Psychiatern als auch bei Krankenschwestern offene Stellen zu besetzen, erklärte Pleiter.

2018 wurde in den gesamten Niederlanden laut offiziellen Statistiken bei rund 6000 Menschen Sterbehilfe geleistet - davon 727 im Expertenzentrum in Den Haag. In Deutschland ist die Sterbehilfe weiterhin verboten, wenn sie „geschäftsmäßig“ ausgeführt werde. Einzelfälle müssen geprüft werden. Gesundheitsminister Spahn (CDU) war kürzlich in die Kritik geraten, als bekannt wurde, dass sein Ministerium 102 Einzelfallprüfungen abgelehnt hatte. (AFP, Tsp)

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