Kirchentürme in Vilnius

Kopernikus vor dem Rathaus von Thorn. Foto: Dagmar Krappe
Nostalgiezugreise Die Magie des Ostens

Normalerweise sollte unsere Zugreise in Sestokai in Litauen enden. Bis dort führt noch die europäische Normalspur von 1435 Millimetern. Zu Sowjetzeiten wurde Litauen auf die russische Breitspur umgerüstet, auf der der „Classic Courier“ jedoch nicht fahren kann. Aufgrund von Bauarbeiten steigen wir so bereits einige Kilometer vor der Grenze auf „Schienenersatzverkehr“ um. Der Bus hält noch kurz im litauischen Kurort Birstonas, das viel Sowjetcharme konserviert hat.

Kirchtürme prägen Vilnius’ Stadtsilhouette. „Den besten Überblick gibt es vom Gediminas-Berg direkt hinter dem Kathedralenplatz“, rät Stadtführerin Ramune, die seit einigen Jahren mit ihrem deutschen Mann in Trier lebt, aber während der Sommermonate immer noch gerne Besuchern ihre litauische Heimatstadt zeigt. Der Fluss Neris trennt die überwiegend barocke Altstadt von den modernen Glaspalästen am anderen Ufer. „Vilnius war einst das Zentrum des Ostjudentums. Heute gibt es nur noch eine Synagoge, aber zahlreiche orthodoxe und katholische Kirchen“, informiert Ramune.

Wir beschränken uns auf die weiße klassizistische Kathedrale Sankt Stanislaus, die gotische Backsteinkirche Sankt Anna und das Tor zur Morgenröte mit einem Madonnenbildnis. Am Nachmittag erkunden wir das Lieblingsziel der Hauptstädter, die gotische Inselburg Trakai im Galve-See. „Sie wurde zur Zeit des Krieges gegen den Deutschen Orden errichtet“, sagt Ramune. „Im 16. Jahrhundert stark zerstört und erst in der Sowjetzeit wieder aufgebaut.“

Wieder an der Weichsel angekommen

Über Kaunas, wo die Neris in die Memel mündet, bringt uns der Bus zurück nach Suwalki in Polen. Der „Classic Courier“ wartet. Endlich windet sich der Zug auch mal durch ein paar Kurven zwischen den sanften Hügeln. Blaues Wasser schimmert zwischen Bäumen hindurch. Masuren – das Land der dunklen Wälder und glasklaren Seen ist erreicht.

Das Küchenteam serviert ostpreußischen Betenbartsch (Rote-Bete-Suppe mit Fleischklößchen), Johannisburger Wildgulasch und Charlotka (Bisquittörtchen mit Waldbeergrütze). Hinter Olsztyn (Allenstein) weiht Köchin Marzena Wesolowska im Bar-Speisewagen in die Zubereitung polnischer Piroggen ein. Dies sind mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen in Speck- Zwiebel-Schmelze.

Wieder an der Weichsel angekommen. In der ehemaligen Hansestadt Torun (Thorn). Geburtsort von Nikolaus Kopernikus, der die Sonne anhielt und die Erde in Bewegung setzte. Der tiefblaue, klare Himmel und die vielfarbige Beleuchtung der Gebäude hüllen die Stadt in ein magisches Licht.

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