Das Berliner Model El Fox. Foto: Anna Kosiura
p

Model El Fox über Diskriminierung in der Mode "Viele Models verschwinden, weil sie Übergriffe erleben"

Eva Tepest
14 Kommentare

El Fox ist Model und Fotografin in Berlin – und queer. Was das in einem Business bedeutet, in dem ältere weiße Männer den Ton angeben, erklärt sie im Gespräch.

Sie schreiben, modeln, fotografieren, zeichnen. Was verbindet das alles für Sie?

Ich mache Kunst, weil ich nicht klarkomme. Durch meine Arbeit komme ich mit Leuten ins Gespräch, mit denen ich anders nicht reden kann: mit Familienmitgliedern, mit Freund*innen, die gestorben sind, oder Ex-Partner*innen.

Bestimmte Menschen tauchen immer wieder in Ihren Fotos und Zeichnungen auf. Welche Rolle spielt Community für Sie?

Bei meinen Projekten arbeite ich oft mit Freund*innen zusammen: Wenn andere etwas trinken gehen, machen wir Fotos! Ich versuche, queerfeministische und linke Personen um mich zu versammeln. Im Bereich des Aktzeichnens gibt es Versuche, die Arbeit horizontal zu gestalten. Mit dem Maler David Hedderman und der Zeichnerin Yuka Tanaka biete ich Workshops an, bei denen wir nicht nur Modell stehen, sondern auch anleiten und selber zeichnen. Bei den Model-Jobs ist das schwieriger.

Gab es dabei schlechte Erfahrungen?

Leider gibt es in der Modelbranche kaum Diversität. Die Fotografen sind meistens ältere weiße Männer mit teurem Equipment. Innerhalb einer losen Gruppe von Models nutzen wir eine „Safety List”, auf der Personen vermerkt sind, die negativ aufgefallen sind: Indem sie sexuell übergriffig wurden oder sich nicht an Absprachen über den Aufnahmebereich gehalten haben. Es ist erschreckend zu sehen, dass immer wieder neue, unerfahrene Models in der Szene auftauchen und dann verschwinden, weil ihnen etwas Schlimmes widerfahren ist.

Wie verbreiten Sie Ihre Arbeit?

Ich nutze hauptsächlich Instagram. Daran gefällt mir, dass es einer Masse von Leuten eine demokratische Plattform für ihre Kunst bietet. Andererseits gibt es ein Monopol der großen Konzerne. Und damit geht eine – gegenderte  – Zensur einher: Männer dürfen ihre Nippel zeigen, Frauen nicht. Ich kenne Künstlerinnen, deren Accounts von einem Tag auf den anderen komplett gelöscht wurden. Ich wurde bisher noch größtenteils verschont. Vielleicht liegt es daran, dass meine Bilder eher künstlerisch sind – auch wenn viele User*innen sie als pornografisch lesen. Für mich sind sie, wenn überhaupt, sinnlich. Ich will Verbindungen zwischen Menschen spürbar machen.

+++ Das ist eine Leseprobe aus dem Queerspiegel-Newsletter des Tagesspiegel - hier geht es zur Anmeldung +++

Zur Startseite