Die Regenbogenfahne vor der Siegessäule. Foto: DPA
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Magnus-Hirschfeld-Preis Berliner Queer-Aktivist*innen geehrt

Mit dem diesjährigen Magnus-Hirschfeld-Preis ehrt SPDqueer die Aktivistin Constanze Körner sowie den Sonntags-Club, der von Schließung bedroht ist.

Der Magnus-Hirschfeld-Preis wurde am Montagabend von der Arbeitsgemeinschaft der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung (kurz: SPDqueer) verliehen. Und zwar gleich zweifach: an eine Einzelperson und an eine Institution. Der Preis ist jeweils mit 500 Euro dotiert. Mit der Verleihung sollen herausragende Lebensleistungen und langjähriges Engagement für die Rechte queerer Menschen gewürdigt werden.

Die diesjährige Preisträgerin Constanze Körner leitete von 2013 bis 2018 das Regenbogenfamilienzentrum in Schöneberg. Das Zentrum unterstützt queere Menschen bei der Gründung von Familien, die nicht dem Klischee der heterosexuellen Kleinfamilie entsprechen.

Die Preise gehen an Constanze Körner und den Sonntags-Club

Doch im vergangenen Jahr kündigte Körner. Ihrem ehemaligen Arbeitgeber, dem Lesben- und Schwulenverband Berlin Brandenburg, warf sie seinerzeit vor, Angestellte unter prekären Arbeitsbedingungen zu beschäftigen. Constanze Körner arbeitet weiter mit Regenbogenfamilien, jetzt in der SozDia-Stiftung.

Der Preis für Institutionen ging in diesem Jahr an den Sonntags-Club. Dieser Anlaufpunkt für Homosexuelle und Transpersonen wurde bereits 1973 gegründet – im damaligen Ostberlin. Das Projekt hat die DDR überlebt, doch inzwischen ist es bedroht. Der Vermieter hat die Miete für das Café des Vereins in der Greifenhagener Straße erhöht – um 1000 Euro im Monat.

Ähnlich geht es der Traditionskneipe Hafen in Schöneberg, die ebenfalls in diesem Jahr für den Preis nominiert war. Auch diese bekannte Szene-Institution ist durch eine Mieterhöhung in ihrer Existenz gefährdet. Außerdem nominiert waren unter anderem die ehemalige HU-Professorin Ulrike Auga und die CDU-Politikerin Rita Süßmuth.

In der Jury saß neben dem Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert auch die letztjährige Preisträgerin, die Queer-Aktivistin Annet Audehm. Die Preisverleihung wurde von den Entertainerinnen Margot Schlönzke und Tilly Creutzfeldt-Jakob moderiert.

Hirschfeld war auch als "Tante Magnesia" bekannt

Der Preis ist nach dem Sexualforscher Magnus Hirschfeld benannt, der als Vordenker und Vorkämpfer der ersten Homosexuellen-Bewegung gilt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gründete Hirschfeld mit einigen Mitstreitern im Berliner Stadtteil Charlottenburg das „Wissenschaftlich-humanitäre Komitee“. Dessen Ziel war es, Gesetze abzuschaffen, die Homosexuelle diskriminierten.

1919 begründete Hirschfeld außerdem das private Institut für Sexualwissenschaft, um der seinerzeit umstrittenen Sexualforschung zu akademischer Anerkennung zu verhelfen. Den Zeitgenoss*innen waren jedoch eher die vielfältigen Zeitschriften bekannt, mit denen sich Hirschfeld und seine Mitstreiter an ein homosexuelles Publikum richteten. Für konservative Kreise war das damals eine Provokation.

In den „Goldenen Zwanzigern“ war Hirschfeld nicht nur ein berühmter Forscher, sondern auch eine der schillernderen Figuren Berlins. Der Autor des Buchs „Die Transvestiten: Untersuchung über den erotischen Verkleidungstrieb“ galt als gern gesehener Gast im Trans-Lokal „Eldorado“. Dort kannte man ihn allerdings unter dem Namen „Tante Magnesia“.

Die Nazis zerstörten das Institut für Sexualforschung

Für die Nationalsozialisten war der schwule Sozialist und Jude eine Reizfigur. Bereits in den 1920er Jahren attackierten sie ihn mit giftigen Hetzkampagnen. 1932 kehrte Hirschfeld Deutschland den Rücken. Im Folgejahr plünderten und zerstörten die Nazis das Institut für Sexualforschung.

Die Bücher der Institutsbibliothek wurden bei der Bücherverbrennung auf dem heutigen Bebelplatz verbrannt. Hirschfeld verstarb 1935 im Exil in Nizza, sein Lebenswerk schien zerstört. Erst 1994 wurde in der Nähe des ehemaligen Institutsstandorts in Tiergarten eine Gedenktafel angebracht. Heute gilt Hirschfelds Forschung als frühe Vorläuferin der modernen Genderforschung.

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