Mit ihren Online-Auftritten im BKA-Theater verdient Jurassica Parka etwas Geld. Foto: Doris Belmont
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Drag-Künstlerin Jurassica Parka Sehnsucht nach schwitzenden Körpern

Jurassica Parka

Ihre Show „Paillette geht immer“ hat auch in der Online-Version viele Fans. Hier erzählt die Schönebergerin, wie es ihr im Lockdown ergeht.

Ich weiß, das können leider nicht alle sagen, aber: Mir und meiner künstlerischen Arbeit hat der Lockdown gutgetan. Ich arbeite seit fast sieben Jahren beim BKA-Theater und noch nie habe ich mit meinem Programm „Paillette geht immer“ so viele Menschen erreicht, wie seit der Krise.

Das liegt daran, dass das BKA sehr schnell aus der Not eine Tugend gemacht hat und bereits im ersten Lockdown im Frühsommer 2020 seinen Theatersaal in ein Fernsehstudio umgebaut hat. Dadurch habe ich jetzt Zuschauende aus ganz Deutschland, habe viele neue FollowerInnen gewonnen. Jetzt weiß ich, dass viele meine Show vom Namen her kannten – aber nie den Weg nach Berlin gemacht haben.

Natürlich war es zuerst sehr bizarr, ohne Publikum aufzutreten, weil meine Show auch von der Interaktion lebt. Ich hatte immer viele StammbesucherInnen, da hat sich natürlich über die Jahre eine Verbindung aufgebaut, die ein Livestream nicht kompensieren kann.

Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt – und kannte die Arbeit vor der Kamera sowieso von meinen Youtube-Videos. Trotzdem freue ich mich sehr darauf, wenn irgendwann endlich wieder Menschen ins Theater kommen. Ich erhalte seit Monaten so viele Nachrichten (meistens auf Instagram, und meistens von queeren Personen), die sich einfach bedanken möchten dafür, dass ich auch jetzt weiterhin meinen Inhalt produziere. Das ist wunderbar.

Ich weiß, dass gerade die queere Community förmlich ausgehungert ist – nach queerem Content. Alle Clubs und Bars sind geschlossen, es existiert gerade kein queeres öffentliches Leben. Für viele ist das eine riesige Zäsur. Ich habe einen PayPal-Account eingerichtet, dorthin können alle, die meinen Content auf YouTube und Instagram mögen, Geld senden. Sozusagen statt des Eintritts. Viele nehmen das in Anspruch, dafür bin ich sehr dankbar.

Ich habe Kommunikationsdesign studiert, kann also jederzeit als Grafikerin arbeiten, was ich auch seit einem Jahr wieder regelmäßig tue – ich kümmere mich um das Layout des queeren Stadtmagazin „Siegessäule“, das sichert mir unter anderem auch meine Miete. Anderen aus meinem Umfeld geht es da leider deutlich schlechter.

Letztens habe ich einen Kollegen getroffen, der hauptsächlich Drag und Hair & Make-up macht – der weiß nicht, wie er die nächste Miete bezahlen soll. Andererseits haben jetzt viele meiner KollegInnen angefangen, in Impfzentren zu arbeiten. Die meisten waren vorher hauptberuflich DJs. Die Not macht erfinderisch! Vielleicht erweitert sowas auch den eigenen Horizont.

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Klar würde ich gerne mal wieder ausgehen. Ich hatte bis März 2020 eine Partyreihe im SchwuZ, die „Popkicker“. Da waren immer rund 1500 Queers. Eine riesige Sause, ich hatte da tolle Nächte. Die Vorstellung, mit Hunderten von schwitzenden Menschen in einem Club zu sein fühlt sich irreal an – und schrecklich fern. Ich sehne mich danach.

Ich vermisse es auch sehr, mit meinem Ehemann Klaus in unsere Stammkneipe zu gehen, einfach ein Bier und einen Schnaps zu trinken und mit alten Bekannten zu reden. Manche Leute trifft man ja wirklich nur in Kneipen und die habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen.

Ansonsten bin ich im Lockdown recht häuslich geworden. Wir hatten – total optimistisch – für den späten Herbst 2020 eine Reise gebucht. Als die dann ausfiel, haben wir unseren Urlaub dazu genutzt, in der Wohnung selbst eine neue Küche einzubauen. Brauche ich auch nur einmal, das war schon eine Prüfung! Ich habe schon immer gerne gekocht, kochen entspannt mich, und meinem Mann schmeckt’s. Wenn das mal irgendwann alles vorüber ist, werde ich meine Schürze nicht ablegen – ich bin 41.

Aber ich will dann endlich wieder unter Leute, queere Sichtbarkeit ist so wichtig. Ich will wieder Menschen umarmen können. Ich will auf die Bühne, eine Künstlerin braucht den Applaus, das sagt mein Therapeut auch.
Protokoll: Jana Weiss

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