Urlaub mit Kindern? Geht das?

Eva Menasse. Foto: Mike Wolff
Patchwork-Familien „Alle vier Jahre bin ich ein Zirkustier"

Berlinert Ihr Sohn eigentlich?

Eine Zeit lang war seine Sprache von türkischen Worten durchsetzt, ja. Wir hatten die „i-Krise“.

Die was?

Füsch. Kürsche. Schlümm.

Von dem Schriftsteller Mario Vargas Llosa stammt der Ausspruch, man müsse die Wahrheit zutage lügen. Können Sie damit etwas anfangen?

Ja. Ich habe das Gefühl, meine erfundenen Geschichten sind am Ende wahrer, als ich sie je hätte erleben können. Beim Schreiben denke ich manchmal an Filz. Filz ist Wolle, die zu heiß gewaschen wurde, dann wird sie dick. Schreiben bedeutet, den Klumpen wieder auseinanderzumachen, sodass man die einzelnen Maschen sehen kann.

Sie erwähnten Ihre kulturpessimistische Phase. Stecken Sie gerade mittendrin?

Vielleicht. Bücher werden von Twitter ersetzt. Man mailt zu viel, sieht die Leute nicht mehr, fühlt sich mächtig beim Schreiben, verlernt das Miteinanderreden. Und wenn jemand nicht rechtschreiben kann, habe ich gleich ein bestimmtes Bild. Da komme ich nicht aus meiner Schreibhaut heraus.

In Ihren neuen Erzählungen geht es viel ums Unterwegssein. Haben Sie eine Lösung für das Problem „Urlaub mit Kindern“?

Nein. Moment, Jesolo ist eine Möglichkeit.

Jesolo an der italienischen Adria?

Liegestühle in Reihen. Da war ich als Kind jedes Jahr. Immer Tellergeklapper durchs offene Fenster, alles riecht nach Sonnenmilch.

So erholen Sie sich von Lesungen und Interviews?

So schlimm ist es nicht. Ich bin ja nur alle vier Jahre kurz ein Zirkustier, dazwischen ein langweiliges Haustier.

Eva Menasse. Foto: Mike Wolff Vergrößern
Eva Menasse. © Mike Wolff
Zur Startseite