Wasser analog, Text digital: Die evangelische Landeskirche in Württemberg hat damit begonnen, Taufen per Internet vorzubereiten. Foto: Michael Hanschke/dpa/lbn
© Michael Hanschke/dpa/lbn

Wie die Digitalisierung die Kirche erobert Taufe per Knopfdruck

Ein Liturgie-Generator oder ein Wegesystem im Dom: Die evangelischen Landeskirchen sind auch digital unterwegs.

Die Digitalisierung erobert die Gottesdienste – jetzt auch in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. In dieser Woche ist dort ein Internetangebot an den Start gegangen, das Pfarrern die Vorbereitung einer Tauffeier erleichtern soll. „Die Namen des Täuflings, seiner Eltern und der Paten werden eingetippt und das Datum des Taufsonntags eingeben“, erläutert Oliver Hoesch, Sprecher der Landeskirche. Mit diesen Daten gefüttert, stellt die Internetseite die komplette Liturgie zusammen. Bislang hätten die Pfarrer auf Agenden, also Gottesdienstbücher zurückgreifen müssen. Bei einer Taufe schrieben sie mit Bleistift den Namen des Täuflings hinein, um ihn im Gottesdienst vorlesen und danach wieder ausradieren zu können. Da fast alle Theologen solche Feiern inzwischen am Computer vorbereiten, stieg der Wunsch nach einer digitalen Vorlage.

Ursprünglich wollte Frank Zeeb, Kirchenrat der württembergischen Landeskirche, der gedruckten Taufagende eine DVD mit Textdateien beilegen. Er ließ sich dann aber überzeugen, dass der Fortschritt schon weiter ist. Deshalb entschied man sich für eine Internetlösung. Pfarrer tragen nur noch die individuellen Daten auf einer geschützten Seite ein, den Rest erledigt eine Datenbank. Das Programm unterscheidet zwischen männlichen und weiblichen Täuflingen und setzt die richtigen Pronomen (seine/ihre) ein.

In Berlin und Brandenburg sind die Kasualien schon lange im Onlineverfahren abrufbar. „Kasualien“ ist der Fachbegriff für kirchliche Amtshandlungen zu einem besonderen Anlass, also neben der Taufe die Hochzeit oder auch eine Beerdigung. „Alles, was einen Einschnitt im Leben bedeutet“, erklärt Heike Krohn-Bräuer, Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). „Das Verfahren wird bei uns schon seit Jahren genutzt“, sagt sie. Wichtig sei dabei, dass Daten auch weiterhin für die Archive erhalten blieben, Stichwort: Kirchenbücher. Für Ahnenforscher sind sie das perfekte Nachschlagewerk. Um auch in digitalen Zeiten schwarz auf weiß nachschlagen zu können, wer wann getauft wurde oder wer wen geheiratet hat, würden die Daten parallel ausgedruckt und archiviert.

Die EKBO kann sich durchaus als kirchlicher Vorreiter auf dem Weg in die digitalisierte Welt sehen: Vor einem Jahr wurde in Berlin der elektronische Klingelbeutel eingeführt. Neben dem üblichen Säckchen, in das Münzen eingeworfen werden können, hat der Beutel im Griff eine Art Bezahlterminal. Dort kann kontaktlos oder per PIN-Eingabe bezahlt werden. Zur schönen neuen Kirchenwelt gehört auch „godspot“, freies W-Lan evangelischer Kirchen in Deutschland, wie Krohn-Bräuer berichtet. Egal ob katholisch oder evangelisch würden die Kirchen den freien Zugang zum Internet an vielen Gotteshäusern ermöglichen. Ohne versteckte Gebühren, so die Christen-Werbung im Internet, „freuen wir uns über Ihren Besuch“.

Im Berliner Dom geht es um Informationen für die Gäste

In Württemberg erleichtert das neue Angebot nicht die liturgischen Abläufe, sondern hilft auch bei der Völkerverständigung: Die Tauftexte lassen sich auch in anderen Sprachen herunterladen, darunter englisch, arabisch, persisch und russisch. Wer außerdem auf seinem Computer das komplette Taufbuch lesen möchte, kann es sich ebenfalls auf seine Festplatte überspielen.

„Um das Angebot nutzen zu können, muss für die Pfarrerinnen und Pfarrer ein digitaler Zugang freigeschaltet werden“, erläutert Hoesch. Nicht nur diese, sondern andere Landeskirchen hätten bereits Interesse an dem System gezeigt. Da Taufen überwiegend in normalen Sonntagsgottesdiensten stattfinden, erfüllt das Angebot gleich einen zweiten Zweck: Die Vorlage kann auch für jeden Sonntag ohne Taufe genutzt werden, ist also für Pfarrer ein Alltagswerkzeug. „In Chatgruppen von Pfarrerinnen und Pfarrer wird die Digitalisierung der Tauffeier durchaus diskutiert“, berichtet Oliver Hoesch. Größtenteils gebe es Zustimmung, Kritik komme meist von Älteren. „Das Thema ist eine Generationenfrage“, stellt er fest.

Im Berliner Dom, einer der größten und meistbesuchten evangelischen Kirchen Deutschlands, geht es beim Thema Digitalisierung weniger um Taufen, als um die Information der vielen Gäste – auch der potentiellen. „Seit einem guten Jahr haben wir eine neue Termindatenbank“, sagt Dom-Sprecherin Svenja Pelzel. Mit dieser sei es möglich, bestimmte Termine aus dem internen Kalender auf die Homepage zu übertragen. „Die Informationen gehen also fast automatisch online und werden außerdem auf die Bildschirme an unserem Kassentresen gespielt.“ Der nächste Schritt sei ein Wegesystem, um Gäste während ihres Besuchs auf interessante Veranstaltungen hinzuweisen. Eine echte Bank, so Svenja Pelzel, sei die Adressdatenbank des Doms – natürlich unter Beachtung der Datenschutzregeln. „Per Mail können wir viele Mitglieder der Gemeinde erreichen, das ist für uns sehr wichtig.“ Das wäre es für kleinere Gemeinden auch – zum Beispiel in Brandenburg. Doch dort haben die Pfarrer und Pfarrinnen, die meist für mehrere Gemeinden zuständig sind und viel hin- und herpendeln müssen, keine Zeit. (mit epd)

Zur Startseite