Eine Mücke saugt Blut aus dem Arm eines Mannes. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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West-Nil-Virus verbreitet sich Heimische Mücken übertragen gefährliche Krankheiten

Das milde Winter-Wetter lockt die ersten Mücken ins Freie. Die Insekten werden auch in Deutschland für Menschen immer gefährlicher.

Wer von Mücken gestochen wird, riskiert zunehmend eine Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten. Zu dieser Einschätzung kommt Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin. Seit dem vergangenen Jahr sei klar, dass nicht nur eingewanderte exotische Mückenarten Erreger wie Zika-, Dengue- oder Chikungunya-Virus übertragen. Auch heimische Stechmücken seien von Wissenschaftlern des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) als Überträger des West-Nil-Virus identifiziert worden, sagte die Biologin, die eng mit dem FLI zusammenarbeitet.

Heimische Arten übertrugen das West-Nil-Fieber auf Menschen

Heimische Arten hätten das West-Nil-Fieber auf mehrere Menschen in Deutschland übertragen. Diese ursprünglich aus Afrika stammende Erkrankung war zuvor als Tierseuche vor allem bei Vögeln bekannt. Heimische Stechmücken würden sowohl bei Vögeln als auch bei anderen Wirbeltieren und Menschen Blut saugen und das Virus so von einer Spezies auf eine andere übertragen.

Der Klimawandel mit den höheren Temperaturen begünstigt laut der Mückenexpertin die Ausbreitung des Virus. Je wärmer es sei, um so schneller vermehre sich das Virus in der Mücke und die Gefahr einer Übertragung wachse.

Das milde Winter-Wetter locke die ersten Mücken ins Freie. „Ab 6 bis 7 Grad tagsüber sind Stechmücken unterwegs, die auf Dachböden, in Kellern, Baumhöhlen oder in Brennholzstapeln überwintert haben“, sagt Werner. Die ausgehungerten Weibchen würden stechen, um Blut nachzutanken.

Zu den Erkrankungen mit dem West-Nil-Virus sagt Werner: „Als Überträger wurden heimische Stechmücken identifiziert. Sie saugen Blut sowohl bei Vögeln, als auch bei anderen Wirbeltieren und dem Menschen. So können sie das Virus von einer Spezies auf die andere übertragen.“

Mücken als Krankheitsüberträger werden dauerhaftes Problem

Die eigentliche Tierseuche, die vor allem Vögel befällt, habe zu Erkrankungen auch bei Menschen geführt. „Die Krankheit zeigt keine eindeutigen Symptome und kann von leichter Übelkeit und Kopfschmerzen über Fieber bis hin zu schweren neurologischen Schäden variieren“, sagte sie. Je wärmer es sei, umso schneller könne sich das Virus in der Mücke vermehren. „Wir gehen davon aus, dass sich das West-Nil-Virus über Mücken in diesem Jahr weiter in Deutschland ausbreitet“, sagt die Biologin.

In Hinblick auf die Klimaerwärmung werde die Thematik „Stechmücken als Krankheitsüberträger“ zu einem dauerhaften Problem in Deutschland, schätzt sie. Eine Rolle spielten dabei auch exotische invasive Arten, die sich weiter ausbreiten und tropische Erreger wie Zika- oder Dengue-Virus übertragen könnten, sagte die Mückenexpertin.

Belege für eine weitere Etablierung dieser Arten liefere unter anderem der Mückenatlas, ein seit 2012 im Aufbau befindliches Internet-Portal zur Verbreitung von Mückenarten. Jeder kann in seinem Wohnbereich vorkommende Mücken einfangen und an das ZALF schicken. Dort wird die Art bestimmt und kartiert.

Klimawandel macht sich auch bei Mücken bemerkbar

Die Asiatische Tigermücke etabliert sich demnach von Süden aus. Populationen in Bayern und Baden-Württemberg nehmen zu. Die Asiatische Buschmücke ist lediglich in Sachsen, Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein noch nicht angekommen. Und Aedes koreicus, auch Koreanische Buschmücke genannt, hat sich in Augsburg und Wiesbaden etabliert.

Im vergangenen Jahr haben Bürger mehr als 14.700 gefangene Exemplare nach Müncheberg geschickt. „Angesichts des eher mückenfeindlichen Wetters 2019 ist das beachtlich“, sagte Werner. Sie bestimmt derzeit die eingesandten Funde und trägt sie in den virtuellen Atlas ein.

Der Klimawandel macht sich Werner zufolge auch bei Mücken bemerkbar. Zur Eiablage und damit zur Vermehrung benötigten die weiblichen Tiere feuchte Brutplätze. „Die zwei vergangenen, trockenen Jahre waren arm an Stechmücken. Gerade Arten, die auf Überflutungsflächen brüten, hatten schlechte Karten“, sagt sie.

Hausmücken beginnen meist im April mit der Eiablage

Egal, wie viele Mücken die Winter überlebt hätten, entscheidend seien die Witterungsverhältnisse im Frühjahr. Hausmücken würden meist im April mit der Eiablage beginnen. Trotz der jüngsten Niederschläge sind demnach auch aktuell kaum potenzielle Brutplätze wie Pfützen, gefüllte Regentonnen oder Blumenvasen zu finden. „Selbst Feldsölle und Waldtümpel sind zum Teil komplett ausgetrocknet, weil das Wasser sofort versickert.“

Diese Entwicklung sei alarmierend. „Auch wenn wir Menschen froh sind, wenn uns keine Mücken piesacken, sind sie doch wichtig als Nahrung für Vögel, Fledermäuse oder andere Insekten“, sagt die Expertin. Das bestätigt auch Manuela Brecht vom Landesverband Brandenburg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Libellen und auch Fische würden sich von Mückenlarven ernähren. Aufgrund der Trockenheit fehle diese Nahrungsquelle und bedinge unter anderem das Insektensterben. (dpa)

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