Offensichtliche Nähe: König Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein 2006 in Barcelona. Foto: Schroewig/picture-alliance
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Schwere Vorwürfe gegen spanische Royals Die Ex-Geliebte des Königs äußert sich zur Affäre

Schmutzige Wäsche aus dem spanischen Königshaus: Von Schmiergeldzahlungen und kaum verhohlenen Drohungen.

Jahrelang schwieg die deutsche Ex-Geliebte von Spaniens langjährigem Monarchen Juan Carlos. Nun packt Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die ein Verhältnis mit dem früheren königlichen Staatsoberhaupt hatte, erstmals öffentlich aus: In einem Interview mit dem britischen Sender BBC erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Juan Carlos.

Und gleich auch gegen die ganze Königsfamilie, die wegen mehrerer Finanzskandale in Misskredit geraten ist. Sayn-Wittgenstein kündigte an, dass sie ihren früheren königlichen Liebhaber wegen einer Rufmordkampagne gegen ihre Person in London vor Gericht bringen werde.

Fünf Jahre lang, von 2004 bis 2009, sagt die 56-jährige deutsche Geschäftsfrau, sei sie die geheime Geliebte von Juan Carlos I. gewesen. Doch der Trennung folgte die Zwietracht: Sayn-Wittgenstein gibt nun dem schon länger im Raum stehenden Korruptionsverdacht gegen den heute 82-jährigen König im Ruhestand und gegen andere Mitglieder des Königshauses neue Nahrung. Die Royals würden eine Art „Familienunternehmen“ darstellen. Und sie deutet an, dass sich die Königsfamilie jahrzehntelang mit der immer gleichen Vorgehensweise, die sie „Modus Operandi“ nennt, durch fragwürdige Geschäfte bereichert habe.

Es soll geheime Auslandskonten geben

Sayn-Wittgenstein spricht in dem auf Englisch geführten Interview von „Hunderten Konten“ im Ausland, deren Inhaber in der Umgebung des Palastes zu suchen seien.

Im Frühjahr war erstmals ein geheimes Auslandskonto bekannt geworden. Nach den bisher durchgesickerten Informationen handelt es sich dabei um ein Schweizer Konto, das über eine Panama-Stiftung geführt wurde und auf dem hohe Millionenbeträge gebunkert waren. Als Hauptbegünstigter des Vermögens soll Juan Carlos I. eingetragen gewesen sein.

Angeblich soll dieses Konto Teil eines finanziellen Netzwerkes sein, mit dem die Geldflüsse verschleiert wurden. Es könnte sich also tatsächlich bei diesem Kontofund nicht nur um einen Einzelfall handeln.
Derzeit ermitteln in dieser Sache die spanische und auch die Schweizer Staatsanwaltschaft. In Spanien wird vor allem dem Verdacht der Geldwäsche und des Steuerbetrugs nachgegangen.

Es wird zudem vermutet, dass über dieses Konto Schmiergelder flossen, die Juan Carlos während seiner Zeit als Staatsoberhaupt von 1975 bis zum Jahr 2014 für die Vermittlung von Geschäften zwischen der spanischen Industrie und mehreren arabischen Staaten kassiert haben soll. Da Juan Carlos während seiner Amtszeit Immunität besaß, kann er nach spanischem Recht aber nicht wegen Korruption belangt werden.

Ausgereist nach Abu Dhabi

Trotzdem wurde die Lage für Juan Carlos offenbar zuletzt derart unbequem, dass er Anfang August fluchtartig das Land verließ und per Privatjet nach Abu Dhabi in die Vereinigten Arabischen Emirate ausreiste. Dort bezog er dem Vernehmen nach eine Suite im staatlichen Luxushotel Emirates Palace.

Das wirbt auf seiner Website für die „Palace Suite“ mit den Worten: „Hier residieren Sie, wie es sonst nur Könige und Kaiser tun.“

Juan Carlos unterhält zu dem Ölstaat und zu dessen steinreichem Staatschef, Emir Chalifa bin Zayid Al Nahyan, schon länger freundschaftliche Beziehungen. Die wenig demokratischen Ölscheichs in Nahost wurden von Juan Carlos in der Vergangenheit öfter als „meine arabischen Brüder“ bezeichnet.

Felipe will von nichts gewusst haben

Und wie steht es um die anderen Angehörigen der Königsfamilie? Auf Spaniens aktuellen König Felipe VI., der 2014 die Krone von seinem Vater erbte, liegen in diesem Skandal ebenfalls Schatten: Er soll den vorliegenden Berichten zufolge im Falle von Juan Carlos’ Ableben als weiterer Begünstigter für das Schweizer Konto eingetragen gewesen sein.

Felipe erklärte jedoch, dass er von den geheimen Geschäften seines Vaters nichts gewusst habe. Er distanzierte sich mittlerweile öffentlich von Juan Carlos.
Doch bereits die Verurteilung von Juan Carlos’ Schwiegersohn Iñaki Urdangarin im Jahr 2017 wegen Korruption und Steuerhinterziehung ließ eine Ahnung davon aufkommen, was Corinna zu Sayn-Wittgenstein nun mit dem bösen Wort vom „Modus Operandi“ der Königsfamilie meinen könnte: Damals wurde aktenkundig, dass Urdangarin seinen Einfluss als Mitglied der Royals missbraucht hatte, um sich Gelder zu ergaunern, die er zudem an der Steuer vorbeischleuste.

Die royale Schonzeit geht zu Ende

Seine Ehefrau, Prinzessin Cristina, soll ihm dabei geholfen haben. Sie wurde aber mangels ausreichender Beweise freigesprochen. Auch Juan Carlos hatte Zeugenaussagen zufolge seine Hände im Spiel.

Doch kein Staatsanwalt traute sich damals, ihn anzuklagen. Diese royale Schonzeit könnte nun, nach den neuen Vorwürfen, zu Ende gehen. Die Frage ist nur, ob Juan Carlos im Falle einer Anklage tatsächlich – wie es sein Anwalt treuherzig verspricht – aus seinem fernen Luxus-Zufluchtsort wieder nach Spanien zurückkehren wird.
Auch in Großbritannien drohen Juan Carlos Probleme. Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die er offenbar vorübergehend so liebte, dass er sie heiraten wollte, will ihn nun vor einem Londoner Gericht wegen Drohungen verklagen.

Man wolle sie zum Schweigen bringen

Sie wirft Juan Carlos vor, für eine Hetzjagd des spanischen Geheimdienstes gegen ihre Person verantwortlich zu sein. Und zwar, um die Schuld des aktuellen Finanzskandals auf sie zu schieben. Zudem wolle man sie offenbar zum Schweigen bringen.
Unter anderem seien ihrer Aussage nach mehrere ihrer Wohnungen durchsucht worden. Bei einem dieser illegalen Besuche hätten die Eindringlinge auf dem Wohnzimmertisch eine kaum verhohlene Drohung gegen ihr Leben zurückgelassen: ein Buch über den Tod der britischen Prinzessin Diana, die 1997 bei einem rätselhaften Verkehrsunfall in Paris ums Leben gekommen war.

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