Das Bild zeigt Ex-Mafiaboss und Serienkiller Giovanni Brusca im Jahr 1996 in Palermo auf Sizilien. Foto: picture alliance
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Nach 25 Jahren in Haft Mafia-Killer in Italien auf freiem Fuß

Giovanni Brusca hat als Mafioso Dutzende Menschen ermordet. Nun ist der Massenmörder ein freier Mann – und ganz Italien scheint in Aufruhr.

Im sizilianischen Dialekt nannten sie ihn „u verru“, das Schwein. „Verdient“ hatte sich Giovanni Brusca seinen Spitznamen mit der extremen Brutalität und Rücksichtslosigkeit, mit der er sich bis Mitte der Neunzigerjahre zu einem gefürchteten sizilianischen Boss hochgemordet hatte. 

Brusca hat als rechte Hand des einstigen Super-Paten der Cosa Nostra, Toto Riina, in seiner Mafia-Karriere weit über hundert Menschen eigenhändig ermordet oder deren Liquidierung in Auftrag gegeben. Wie viele Morde es genau waren, weiß er selber nicht, denn irgendwann hatte Brusca aufgehört, seine Opfer zu zählen. 

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„Ich erinnere mich nicht mehr an alle, die ich umgebracht habe. Sicher waren es viel mehr als hundert, aber bestimmt weniger als zweihundert“, schrieb er in seiner Biographie „Ho ucciso Giovanni Falcone“ („Ich habe Giovanni Falcone getötet“, Mondadori-Verlag).

Der Richter und Mafia-Jäger Falcone war sein prominentestes Opfer gewesen: Brusca war es, der im Auftrag von Toto Riina am 23. Mai 1992 eine ferngesteuerte Bombe auf der Autobahn nach Palermo gezündet hatte, die den Richter, seine Frau und drei Männer seiner Eskorte zerfetzte. 

Brusca ermordete zwölf Jahre alten Jungen

Wenige Monate zuvor hatte Brusca zusammen mit seinem Bruder Enzo ein weiteres abscheuliches Verbrechen begangen: Die Brüder entführten den damals zwölfjährigen Giuseppe Di Matteo, hielten den Jungen zwei Jahre lang gefangen, um ihn danach zu erwürgen und seine Leiche in Salzsäure aufzulösen. Der kleine Giuseppe musste sterben, weil sein Vater, ebenfalls ein Mafioso, bei den Carabinieri „gesungen“ hatte.

Der italienische Mafiaboss Salvatore «Totò» Riina steht am 02.05.1995 in Rom während eines Prozesses hinter Gittern. Foto: Giulio Broglio/dpa Vergrößern
Der italienische Mafiaboss Salvatore «Totò» Riina steht am 02.05.1995 in Rom während eines Prozesses hinter Gittern. © Giulio Broglio/dpa

Der bestialische Mord hatte damals das ganze Land entsetzt. Bruscas Mordlust machte auch vor schwangeren Frauen nicht halt. Das „Schwein“ hatte nach seiner Verhaftung im Jahr 1996 ebenfalls begonnen, auszupacken. Der Killer wurde zu einem wichtigen Kronzeugen späterer Mafiaprozesse; dank seinen Aussagen konnten zahllose ranghohe Mitglieder der Cosa Nostra hinter Schloss und Riegel gebracht werden.

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In seinen eigenen Prozessen wurde Brusca zu mehreren hundert Jahren Zuchthaus verurteilt. Dank seiner Zusammenarbeit mit der Justiz wurde seine Strafe später auf 30 Jahre reduziert; außerdem kam er in den Genuss diverser Hafterleichterungen, wie es das Gesetz für die „pentiti“, die reuigen Mafiosi, vorsieht. Dank guter Führung erhielt der heute 64-jährige Brusca jetzt einen weiteren Strafrabatt von fünf Jahren – und konnte das Römer Rebibbia-Gefängnis als freier Mann verlassen.

Die Freilassung des Serienkillers, der für seine Taten nie aufrichtig Reue gezeigt und sich bei den Familien seiner Opfer auch nie entschuldigt hatte, löste gestern in Italien heftige Reaktionen aus. „Dass ein Mörder wie Brusca nach nur 25 Jahren das Gefängnis verlassen kann, raubt mir den Atem. Das ist ein Affront für die Familien aller Opfer und Staatsdiener, die ihren Kampf gegen die organisierte Kriminalität mit dem Leben bezahlt haben“, erklärte Giorgia Meloni, die Chefin der rechtsnationalen Partei Fratelli d'Italia. Bruscas Freilassung sei „eine Niederlage für alle und eine Schande für Italien“.

Heftige Kritik an früherer Freilassung

Lega-Chef Matteo Salvini erklärte, dass das Land keine solche Justiz verdiene. Auch viele Opfer-Angehörige zeigten sich entsetzt. „Man sagt der Justiz ein paar Worte, und dann wird man freigelassen? Was ist das für ein Staat?“, fragte sich Rosaria Schifani, deren Mann Vito als Leibwächter von Falcone beim Bombenanschlag von 1992 das Leben verloren hatte. Mit der Freilassung von Brusca werde das unermessliche Leid der Angehörigen mit Füßen getreten. 

Auch Maria Falcone, die Schwester des ermordeten Mafia-Jägers, sagte, dass ihr die Nachricht von der Freilassung Bruscas einen großen Schmerz bereite.
Tapfer fügte sie aber hinzu, dass das Kronzeugen-Gesetz dies nun einmal vorsehe – und ihr ermordeter Bruder Giovanni sei ein „überzeugter Befürworter“ dieses Gesetzes gewesen. Tatsächlich wären die großen Erfolge bei der Bekämpfung von Mafiaorganisationen wie Cosa Nostra, Camorra und 'Ndrangheta ohne das „Pentiti“-Gesetz nicht vorstellbar gewesen.

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