Was ändert ein Stück Papier?

Jung heiraten Was für Jasager

Bei Andreas und Stephanie Schmitt hat das Vor und das Nach der Hochzeit einen weniger großen Unterschied gemacht. Nur der neue Nachname fühlte sich für Stefanie anfangs komisch an, die neue Unterschrift ungewohnt. „Wenn man sagt, man ist verheiratet, bedeutet das viel mehr, als zu sagen ,wir sind zusammen‘“, sagt Andreas. Der 24-Jährige und seine gleichaltrige Freundin haben vor zwei Jahren geheiratet. Kennengelernt haben sie sich bei der Kinderbetreuung mit 13 Jahren. Vier Jahre später wurden sie ein Paar, mit 20 zogen sie zusammen.

Stefanie hatte schon immer den Wunsch, früh zu heiraten. Und auch Andreas fiel die Entscheidung nicht schwer. „Warum soll ich warten, wenn ich mir sicher bin und niemand weiß, was in zehn Jahren ist?“ Für ihr Hochzeitsfest samt Polterabend opferte er seinen Bausparvertrag. „Die Heirat war der nächste logische Schritt in unserer Beziehung“, sagt Stefanie. Und dass das Thema Familienplanung dabei eine Rolle gespielt habe. „Verheiratet plant man konkreter“, sagt Andreas. Beide glauben, dass ihre Einstellung zu Ehe und Familie auch etwas mit ihrem christlichen Glauben zu tun hat. Aber nicht nur, wie sie betonen. „Es ist einfach ein schönes Gefühl, sagen zu können: Das ist mein Mann“, sagt Stefanie.

Dominik und Sabrina erinnern sich noch an die verwunderten Blicke auf ihre Eheringe von ihren Kommilitonen, die nicht verstehen konnten, wie man sich so früh binden kann. „Viele dachten, wir seien spießig, bis sie uns kennenlernten“, sagt Sabrina. Im Gegensatz zu früher sind Ehepaare mit Anfang 20 nicht die Regel. Auch weil die Jahre bis 30 als diejenigen gelten, in denen die größten persönlichen Veränderungen vollzogen werden: Das Sichentwickeln und Erwachsenwerden passiert meist auf individueller Ebene. Ausbildung, Studium, der Einstieg in den Beruf. Viele gehen zwischendurch auch für längere Zeit ins Ausland. Um andere Kulturen kennenzulernen. Um sich fernab vom Alltagstrott Gedanken darüber zu machen, in welche Richtung sich das eigene Leben entwickeln soll. Um zu sich selbst zu finden.

Bei früh geschlossenen Ehen wird deshalb infrage gestellt, wie sich ein junges Paar bereits sicher sein kann, den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Dass es schwer ist, eine funktionierende Beziehung zu führen, zeigen die bundesweiten Scheidungsraten. Nicht ohne Grund ist für viele die Ehe ein Auslaufmodell.

Sicherer Halt. Debora und Florian Hofmann sind mittlerweile seit zehn Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Foto: privat Vergrößern
Sicherer Halt. Debora und Florian Hofmann sind mittlerweile seit zehn Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. © privat

Warum also jung heiraten? Oder ist gerade das der Reiz? Verheißt diese Freiwilligkeit mehr Glück? Und wer sagt, dass man ein bestimmtes Alter dafür erreicht haben muss?

Debora Hofmann hat auf diese Fragen eine Antwort. „Der Vorteil davon, jung zu heiraten, ist, dass man sich entschieden hat, bevor man sich im Leben etwas aufgebaut hat, und diesen Weg gemeinsam geht. Das ist anders, als wenn man sich später jemanden suchen muss, der zu einem passt.“ Debora ist die Schwägerin von Sabrina und Dominik. Ihren Heiratsantrag bekam die 30-Jährige von ihrem Freund nach einem sechsmonatigen Auslandsaufenthalt – auf dem Heimflug über das Funkmikro. Beim Blick aus dem Fenster sah sie auf einem Kornfeld ein Herz aus Rosen. Sie und ihr Mann Florian waren 20, als sie sich das Jawort gaben. Heute sind sie Eltern eines vierjährigen Sohnes und einer acht Monate alten Tochter. Am 8. August feierten sie ihren zehnten Hochzeitstag.

Was muss ein junges Ehepaar beachten, damit der Bund fürs Leben tatsächlich ein Leben lang hält? Paartherapeutin Gerhild Arjes von „Paar im Zentrum“ in Berlin sagt: „Paare, die sich schon aus Jugendtagen kennen, haben eine sehr enge Bindung, die es schwerer macht, eine Trennung zu vollziehen. Damit deren Beziehung gesund bleibt, ist von Anfang an der Aufbau gemeinsamer Werte und Pläne wichtig, um sich nicht irgendwann verraten oder alleingelassen zu fühlen.“ So sehen das auch Debora und Florian, die vor ihrer Heirat bei dem Pfarrer, der sie später traute, einen Ehevorbereitungskurs absolvierten. In den Gesprächen ging es darum, sich darüber klar zu werden, wen man heiratet. Und dass man auch schwierige Zeiten miteinander erleben wird.

„Wochenendbeziehung, Pendeln, Studium im Ausland: Das sind knackige Fragen, die auf einen zukommen“, sagt Debora. Und dass sie vor der Hochzeit schon in manchen Punkten naiv gewesen seien und gedacht hätten, dass es einfach funktionieren wird. In ihrer zehnjährigen Ehe haben Debora und Florian schon einige Probleme gemeistert. „Es waren persönliche Krisen, die der andere mittragen musste, doch wussten wir im Inneren immer, dass wir zusammengehören, und das hat uns wachsen lassen“, sagt Debora.

Stabilität und Beständigkeit – am Ende sind es diese Werte, die allen drei Paaren wichtig sind. Gerade wenn es mal nicht gut läuft. Und sie glauben, dass sich besonders in schwereren Zeiten der Unterschied zwischen einer Ehe und einer einfachen Beziehung bemerkbar macht. „Es steht einfach fest, dass es kein Hintertürchen gibt und dass man fürs Zusammenbleiben kämpfen will“, sagt Sabrina. Außerdem sei es ein sicheres Gefühl, zu wissen, dass man den größten Fan an seiner Seite habe.

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