Erster Auftritt. Die 13 Jahre alte Leonor (2.v.l.) spricht beim Prinzessin-von Asturien-Preis in Anwesenheit ihrer königlichen Familie. Foto: Alvaro Barrientos/dpa
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Erste Rede der Thronfolgerin Kronprinzessin Leonor und das gespaltene Spanien

Spaniens 13-jährige Kronprinzessin Leonor richtet ihre erste Rede an ein Land, das von Abspaltung bedroht ist. Ihr Charme gewinnt die Zuhörer.

Leonor reiht sich für ein Foto in eine Schülergruppe ein – dennoch passt sie nicht so recht zu ihren Altersgenossen. Die 13-Jährige im weißen Kleid und eleganten Blazer geht im Alltag zwar auch selbst in Schuluniform aus dem Haus, ansonsten ist ihr Leben aber alles andere als alltäglich: Denn sie ist die zukünftige Königin Spaniens.

Kurz vor ihrem 14. Geburtstag am Donnerstag hat Leonor mit ihrer ersten Rede beim Preis der Prinzessin von Asturien ihren ersten offiziellenTermin wahrgenommen. Diese öffentliche Rede anlässlich der Vergabe einiger hochrangiger spanischer Auszeichnungen setzt sie endgültig von ihren Schulfreunden ab. Der Auftritt in der asturischen Hauptstadt Oviedo hatte gleich doppelten Symbolcharakter: Als Thronfolgerin trägt Leonor automatisch den Titel der Prinzessin von Asturien – daher ist es nur angemessen, dass sie bei dem nach ihr benannten Preis ihr Debüt feiert. Außerdem hat sie eine besondere Beziehung zu der spanischen Provinz, die bekannt ist für seine grünen Hügel, das regnerische Wetter und die schwarzweißen Milchkühe. Ihre Mutter Letizia stammt aus Asturien, sie trägt also asturisches Blut in ihren Adern, wie sie bei ihrer Rede betonte. „In meinem Haus sind die Wörter Spanien und Asturien mit der gleichen Kraft vereint, wie die Geschichte sie zusammengefügt hat“, sagt sie in ihrer fünfminütigen Rede vor Preisträgern und Gästen im Teatro Campoamor.

Die spanische Einheit steht in Frage

Damit spricht sie einen wunden Punkt an: Die Monarchie in Spanien steht für die Einheit des Landes, das Königshaus entstand einst aus der Heirat der Häuser Aragón und Kastilien während der blutigen Rückeroberung Spaniens im 16. Jahrhundert. Heute regieren die Bourbonen, Leonor trägt den offiziellen Nachnamen „de Borbón“. Diese durch das Königshaus symbolisierte Einigkeit wird zurzeit vor allem durch die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien in Frage gestellt, aber auch im Baskenland, in Galicien und auf den Kanaren.

Das offenbart sich auch bei der Rede der Kronprinzessin: Während die Monarchie ihr schönstes Gesicht aufsetzte, zeigen TV-Bildschirme in einer Ecke Aufnahmen von hunderttausenden Unabhängigkeitsbefürwortern und Straßenschlachten in Barcelona. Der aktuelle Konflikt zwischen Zentralstaat und Separatisten wird Spanien – und somit auch den König – wohl noch lange beschäftigen.

Dass Leonor überhaupt Regentin wird, ist eine Neuheit in Spanien. Bisher waren die männlichen Nachfahren laut Artikel 57 der Verfassung automatisch Thronfolger – so wie ihr Vater, der akuelle König Felipe VI., der mit Elena und Cristina noch zwei ältere Schwestern hat. Als Leonor 2005 zur Welt kam, waren sich aber Königshaus und Politiker einig, dass die Regel abgeschafft werden soll. Leonor, die mit der im April 2007 geborenen Sofia noch eine jüngere Schwester hat, wird also in jedem Fall Monarchin, selbst wenn sie noch einen Bruder bekommen sollte. Offiziell wurde die Verfassung dahingegehend aber noch immer nicht geändert.

Ihre Ansprache in Oviedo wurde live im staatlichen Fernsehen übertragen – denn wenn eine Kronprinzessin ins Rampenlicht tritt, macht das auch im in einigen Landesteilen arg monarchieverdrossenen Spanien noch Schlagzeilen. „Dies ist ein wichtiger Tag in meinem Leben, auf den ich mich lange gefreut habe“, sagte sie mit leuchtenden Augen. Die Zeitung „La Vanguardia“ meinte, Leonor habe den Auftritt wohl mit ihrer Mutter Letizia geübt, die früher als Nachrichtensprecherin gearbeitet habe. Ein paar Versprecher waren trotzdem noch dabei.

Die junge Königsfamilie kommt besser an

Einige Sätze sagte sie sogar in perfektem Englisch: ein Resultat der Sommerferien, die Leonor und Sofía bereits zwei Mal mit Kindern aus zahlreichen weiteren Länder in einem Camp in den USA verbringen durften. Die Royals lächelten stolz und beglückwünschten ihre Tochter anschließend mit Umarmungen und Küsschen.

Felipe (51) und Letizia (47) führen mit ihren Töchtern ein relativ normales Dasein, unauffällig und skandalfrei. Die Schwestern konnten als Königskinder recht unbekümmert heranwachsen. Die „Casa Real“ ist vielen Spaniern auch wieder sympathischer als noch unter der Führung von Altkönig Juan Carlos. Der stand neben zahlreichen Affären vor allem wegen einer umstrittenen Elefantenjagd in Botsuana mitten in der Finanzkrise in der Kritik – und dankte schließlich 2014 ab. Bei der Ansprache in Oviedo war er nicht dabei, dafür war Königin Sophia anwesend und nahm den besonderen Dank ihrer Enkelin mit einem Lächeln entgegen.

Schon bald muss sich Leonor der Realität in ihrem zukünftigen Reich stellen: Am 4. und 5. November reist sie anlässlich des „Prinzessin von Girona“-Preises zu ihrem Antrittsbesuch nach Barcelona. Dort wird ihre Familie vermutlich weniger begeistert empfangen als in Asturien. Da kommt der Rat, den der Vater seiner Kronprinzessin in Oviedo mit auf den Weg gab, gerade recht: „Die Verpflichtung, Spanien und allen Spaniern zu dienen, muss Dein größter Stolz und Deine größte Ehre sein.“ Mut und Tapferkeit seien gefragt – und die wird Leonor auch brauchen. (mit dpa)

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