Polizist vor Absperrband und Autos am Tatort in Hanau. Foto: dpa/Boris Rössler
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Update Angriffe auf Shisha-Bars In Hanau sterben insgesamt elf Menschen

An mehreren Tatorten sterben insgesamt elf Menschen. Auch der Täter ist unter den Toten. Eine Zusammenfassung dessen, was in der Nacht in Hanau geschah.

Bei einem Gewaltverbrechen in Hanau sind in der Nacht zum Donnerstag nach Polizeiangaben neun Menschen erschossen worden. Am frühen Morgen entdeckten Spezialkräfte zudem den mutmaßlichen Täter in einer Wohnung in Hanau und bei ihm eine weitere Leiche. Insgesamt sind damit elf Menschen gestorben. Zudem wurden mehrere Menschen verletzt, zwischenzeitlich wurde ihre Zahl mit etwa fünf angegeben.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sind ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden. Beides werde nun ausgewertet, das Motiv sei noch unklar, hieß es am Donnerstag. Zuerst hatte die „Bild“ darüber berichtet. Zu den Hintergründen gebe es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Die Beamten machten keine Angaben zur Identität und Nationalität der Opfer.

Am frühen Donnerstagmorgen meldeten die Ermittler, dass sie den mutmaßlichen Täter leblos in seiner Wohnung in Hanau aufgefunden haben. „Zudem entdeckten Spezialkräfte der Polizei dort eine weitere Leiche“, schrieb die Polizei Südosthessen um kurz nach 5 Uhr in einem Tweet. „Aktuell gibt es keine Hinweise auf weitere Täter“, hieß es weiter, nachdem am Abend auch mehrere Täter für möglich gehalten wurden.

Nach Angaben der Polizei fielen am Mittwochabend ab etwa 22 Uhr in und vor zwei Hanauer Shisha-Bars Schüsse. In der Innenstadt, im Bereich des Heumarkts, wurden der Polizei zufolge drei Menschen getötet und mindestens eine Person schwer verletzt. Von dort sei ein dunkler Wagen davongefahren. Vor einem Imbiss am Heumarkt lagen nach Angaben eines dpa-Reporters Patronenhülsen. Die Spuren wurden mit Farbspray markiert. Die Polizei forderte neugierige Passanten auf, den Bereich zu verlassen und sich in ihre Wohnungen und die Lokalitäten vor Ort zu begeben.

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Ein weiterer Tatort liegt nach Polizeiangaben am Kurt-Schumacher-Platz. Er befindet sich etwa zweieinhalb Kilometer vom Heumarkt entfernt im Stadtteil Kesselstadt. Dort kamen der Polizei zufolge fünf Menschen ums Leben. Wo das neunte Opfer starb, war zunächst nicht bekannt.

In dem Wohnviertel befindet sich im Erdgeschoss eines Häuserblocks eine Art Kiosk, mit der Aufschrift „24/7 Kiosk“ auf der großen Glasscheibe, auf einem Reklame-Leuchtschild steht „Arena Bar & Café“. Der Blick ins Innere ist versperrt, die Scheiben sind teils halbhoch mit orangefarbener Folie beklebt.

Auf dem Platz vor dem Café stand eine beschädigte Limousine, die Frontscheiben waren zum großen Teil mit Rettungsdecken abgedeckt. Neben dem Wagen lagen Glassplitter. Später, die Spurensicherung läuft schon längst, wird ein Feuerwehrzelt, das auch als Sichtschutz dient, um das Auto herum aufgebaut.

Schüsse in Hanau: Ein Auto an einem Tatort ist mit Thermofolie abgedeckt. Foto: dpa/Boris Rössler Vergrößern
Schüsse in Hanau: Ein Auto an einem Tatort ist mit Thermofolie abgedeckt. © dpa/Boris Rössler

Dritte Schießerei in Lamboy bestätigt sich nicht

Eine mögliche dritte Schießerei in Lamboy bestätigte sich nicht. Die Polizei war zwar auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, dort sei aber niemand getötet worden.

Auf Twitter waren schon kurz nach den Taten, als die Zahl der Toten und Verletzten noch nicht klar war, Videos von den Tatorten zu sehen.

Die Polizei sperrte die Gegend um die beiden Tatorte weiträumig ab. Beamte mit Maschinenpistolen sicherten die Umgebung. Menschen standen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche und weinten. Bilder aus Hanau zeigten in der Nacht mehrere abgesperrte Bereiche, die von bewaffneten Beamten bewacht wurden. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Stadt.

Hanau liegt im Main-Kinzig-Kreis etwa 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Main und hat etwa 100.000 Einwohner. Polizisten aus dem bayerischen Unterfranken waren zur Unterstützung der hessischen Kollegen in Hanau vor Ort. Eine Zahl nannte die Leitstelle des Präsidiums in Würzburg nicht.

Angriffe aus Shisha-Bars in Hanau: Polizisten und Rettungskräfte im Einsatz Foto: dpa/Boris Rössler Vergrößern
Angriffe aus Shisha-Bars in Hanau: Polizisten und Rettungskräfte im Einsatz © dpa/Boris Rössler

Der Oberbürgermeister von Hanau Claus Kaminsky teilte mit, dass eine Schule und zwei Einrichtungen zur Kinderbetreuung an diesem Donnerstag geschlossen bleiben. Die Zufahrten sind aufgrund der laufenden Ermittlungen gesperrt.

Regierungssprecher Seibert: „Entsetzliches Verbrechen“

Die Bundesregierung reagierte erschüttert auf das schwere Gewaltverbrechen in Hanau. „Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagmorgen auf Twitter. „Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern“, fügte er hinzu. Seibert äußerte die Hoffnung, dass die Verletzten bald wieder gesund werden.

Die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Hanau, Katja Leikert (CDU), zeigte sich nach den tödlichen Schüssen bestürzt. „In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid“, schrieb die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion bei Twitter. „Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!“

Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: „Ich bin erschüttert darüber, was passiert. Ich verfolge das Geschehen auf Twitter.“

Bürgermeister von Hanau schockiert: „Das war ein furchtbarer Abend“

Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky äußerte sich schockiert über die Gewalttat in seiner Stadt. „Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben“, sagte Kaminsky bei einer Sondersendung von „Bild live“ in der Nacht. Es habe Tote gegeben und mehrere Verletzte, denen er „alles Gute“ wünsche.

Für den Bürgermeister war das „ein Abend, wie man ihn sich schlimmer kaum vorstellen kann“. Zu den Hintergründen, dem oder den Tätern und den Motiven konnte Kaminsky noch nichts sagen. (Tsp, dpa)

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