Sein Leben scheint sich auf das Wesentliche zu konzentrieren

Alfred Biolek Deutschlands bekanntester Fernsehkoch wird 80

Das Leben Bioleks als eine der populärsten deutschen Fernsehfiguren begann 1976, als er zusammen mit dem Journalisten Dieter Thoma für den WDR die Talkshow „Kölner Treff“ begründete. „Bios Bahnhof“ startete 1978, es folgten später „Bei Bio“, „Showbühne“, „Mensch Meier“ und „Boulevard Bio“, zum Teil nacheinander, zum Teil parallel; „Alfredissimo“ wurde von 1994 bis 2006 produziert, lief aber in Wiederholungen noch lange weiter. Dazu das Ehrenamt: Honorarprofessor, UN-Sonderbotschafter für Weltbevölkerung, Gründer einer Afrika-Stiftung. In Berlin übernahm er die Schirmherrschaft für die „Bar jeder Vernunft“. Sein letzter Auftritt im größeren Rahmen schloss einen Kreis: Er spielte 2009 einen Historiker im Kölner Musical „Monty Python’s Spamalot“.

Biolek hat sich nie als großen Schreiber gesehen, war aber schließlich auch als Buchautor erfolgreich: „Unser Kochbuch“, 2001 zusammen mit Eckart Witzigmann verfasst, war ein Beweis seines enormen Gespürs für gesellschaftliche Trends auch in diesem Metier. Es handelte sich um eine der ersten modernen vegetarischen Rezeptsammlungen auf dem deutschen Markt. Biolek selbst war nie Vegetarier, es hat ihn einfach die Marktlücke angelächelt, „ich lag im Bett und dachte, man hört immer mehr von Gerichten ohne Fleisch und Fisch, aber hat nie was über die Rezepte erfahren“.

Man traf sich auf Mallorca, dann in Berlin

Witzigmann war der passende Partner, der Rezeptideen und Kochtechnik mitbrachte, man traf sich erst auf Mallorca, dann in Berlin. Das Ergebnis kann sich auch heute noch sehen lassen, inmitten einer Flut thematisch ähnlicher neuer Veröffentlichungen. Biolek hat zwar das Kochen nie professionell gelernt, konnte sich mit dem berühmten Chef dennoch auf Augenhöhe verständigen. Und wie das so ist mit dem Geschmack, wusste er ohnehin: Gerade in französischen Drei-Sterne-Restaurants „war ich tief enttäuscht, wie schlecht das Essen war“.

Auch heute geht Biolek manchmal noch auswärts essen. Aber nicht mehr im Pulk, sondern nur noch mit zwei oder drei Freunden. Sein Leben scheint sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Ich hab jetzt einen lieben Freund, der wohnt auch bei mir und kocht für uns. Ich vermisse das Kochen nicht, ich bin ja noch dabei.“ Am Vorabend des Gesprächs gab es mariniertes Huhn mit Pasta – am besten geschmeckt hat es ihm auch meist in Italien.

Ab Donnerstag folgt das Feiern. Noch einmal großer Bahnhof für Bio, dann – nichts. „Es wird sich sicher noch was ergeben, ahnt er, „aber auch von den Sachen, die sich ergeben, lehne ich das meiste ab“. Mal zu Hause einen Film sehen, ein Buch lesen, ein geruhsames Rentnerdasein führen, darauf läuft es hinaus. Meryl Streep in der Rolle der Margaret Thatcher neulich, das hat ihm gefallen. Aber hat er das WM-Spiel Deutschlands am Vorabend gesehen? „Nein!“ Mit Ausrufezeichen. Das interessiert ihn nicht, und wenn Deutschland Weltmeister wird, dann liest er das anderntags in der Zeitung. Viel spazieren gehen will er, mit Sohn Scott und Freunden, das ist das späte Leben des Alfred Biolek – wohl der letzte Raum, den er in seinem Leben durchschreitet, heiter.

Dieser Text erschien auf der Dritten Seite.

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