Nur knapp 1.300 Schweine konnten bei dem Großbrand gerettet werden. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. Landesverband Mecklenburg-Vorpommern
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60.000 Tiere starben qualvoll Ermittlungen zu Brand in Schweinezuchtanlage in Alt Tellin eingestellt

Im März 2021 verbrannten über 60.000 Tiere im Feuer. Die Staatsanwaltschaft stellte nun die Ermittlungen ein. Tierschützer fordern Konsequenzen.

Eines der verheerendsten Großfeuer in einer Nutztieranlage in Deutschland überhaupt – so sprach der Deutsche Tierschutzbund vor einem Jahr über das Großfeuer in Alt Tellin. Am 30. März 2021 stiegen am frühen Morgen riesige Rauchwolken über der kleinen Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald auf.

Dort ansässig war eine der größten Schweinemastanlagen Deutschlands, betrieben von der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland (LFD). Die Anlage umfasste achtzehn Ställe mit einer jeweiligen Länge von 90 Metern. Innerhalb kürzester Zeit brannten sie nieder. Und mit ihnen fast alle Tiere, die sich in der Anlage befanden.

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Im vergangenen Jahr sprach der Betreiber von circa 55.000 Schweinen, die zu Tode kamen. Diese Zahl wurde jedoch in diesem Jahr korrigiert auf über 60.000 verbrannte Tiere, wovon circa 80 Prozent Ferkel waren. Am Freitag teilte die Staatsanwaltschaft Stralsund mit, dass die Ermittlungen nun eingestellt wurden.

Die Ermittler gehen von menschlichem Handeln beziehungsweise Unterlassen als Brandursache aus. Einen technischen Defekt als Brandursache habe der beauftragte Brandursachenermittler ausgeschlossen. Demnach bestand gegen zwei Mitarbeiter der Anfangsverdacht der fahrlässigen Brandstiftung.

Einer von ihnen schweige, während der andere den Vorwurf abstreite. Ihnen sei eine Tat nicht so sicher nachweisbar, dass Anklage erhoben werden könne. Das Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung sei mangels hinreichendem Tatverdacht eingestellt worden.

Mehr als 62.000 Sauen, Ferkel und Eber mussten qualvoll verbrennen oder ersticken. Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. Landesverband Mecklenburg-Vorpommern Vergrößern
Mehr als 62.000 Sauen, Ferkel und Eber mussten qualvoll verbrennen oder ersticken. © Deutscher Tierschutzbund e.V. Landesverband Mecklenburg-Vorpommern

„Damit bleibt der Horrorbrand auch fast 15 Monate nach seinem Ausbruch ohne Schuldigen“, sagte Rüdiger Jürgensen von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten am Freitag. Es sei ein Skandal, „dass in Deutschland seit Jahrzehnten tierquälerische Haltungssysteme politisch gefördert werden“.

Das alles geschehe für den Profit großer Agrarkonzerne, zu Lasten der Tiere und unserer Umwelt, so Jürgensen weiter. Bei dem Großbrand in Alt Tellin konnten nur rund 1.300 Tiere gerettet werden – gerade einmal knapp zwei Prozent der Schweine.

Monatelange Ermittlungen zum Großbrand

Ein Gutachter untersuchte die Ruinen und technischen Vorgänge über Monate hinweg. Den Angaben zufolge brach der Brand bei der Luftwäsche eines Stalls aus. Laut Sachverständigem müsse hier eine Zündquelle an ein Kunststoffgitter der Abluftanlage gelangt sein.

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Laut Ermittlungen befanden sich die beiden beschuldigten Mitarbeiter etwa eine halbe Stunde vor dem Ausbruch des Feuers für Reinigungsarbeiten im Bereich der Luftwäsche. „Letztlich ließ sich nicht feststellen, wie das Feuer ausgebrochen ist, da die Zündquelle nicht ermittelt werden konnte“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Auch vorsätzliche Brandstiftung durch einen der Beschuldigten könne letztlich nicht völlig ausgeschlossen werden. „Einen diesbezüglich konkreten Verdacht haben die Ermittlungen jedoch nicht ergeben.“ Den Schaden schätzte die Staatsanwaltschaft auf rund 40 Millionen Euro.

Laut Rüdiger Jürgensen von Vier Pfoten sei der Großbrand in Alt Tellin das Symbol einer verfehlten Agrarpolitik. Einer „Politik, die auf billige Massenproduktion setzt, in welcher Tiere als Konsumgüter und nicht als Lebewesen begriffen werden“. Die Tierschutzorganisation forderte am Freitag von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum Ende der industriellen Tierhaltung sowie einen artgemäßen Umbau der Tierhaltung. (mit dpa)

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