Sektensiedlung. Serien wie „Dignity“ (mit Devid Striesow u. Götz Otto), die die Geschichte der deutschen Colonia Dignidad in Chile erzählt, sollen Streamingfans zu Joyn Plus+ bringen. Foto: Joyn
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Video-on-Demand: Joyn Plus+ Ausweitung der Kampfzone

Noch mehr Streaming-Portale: Die Videoplattform Joyn gibt es nun auch mit Bezahlinhalten – zum erstaunlichen Preis.


Der Preis ist schon mal eine Kampfansage. Am Dienstag ist Joyn Plus+ gestartet, der Premiumservice des Streamingdienstes Joyn, den ProSiebenSat1 und Discovery im Juni ins Leben gerufen hatten. Mit Serien wie „Frau Jordan stellt gleich“ und „Check Check“ wurde in den vergangenen Wochen dort schon auf sich aufmerksam gemacht.

Ein Konkurrent für Amazon, Netflix, Sky & Co - nur zu günstigeren Konditionen. Das Joyn-Plus-Abo kostet 6,99 Euro pro Monat und liegt damit deutlich unter den Wettbewerbern. Netflix ist in der Basisversion, ohne HD, für 7,99 Euro zu haben. In der gleichen Größenordnung liegt das Angebot für Amazon-Prime-User. Darüberhinaus bietet Joyn Plus+ einen Mehrwert, der – bei guter Internetverbindung – den Sinn eines TV-Kabel-Vertrages in Frage stellen könnte: mit der App gibt es neben exklusiven Serien und Filmen das Liveprogramm von 61 TV-Sendern in HD.

Einziges Manko zum Start: RTL ist dort nicht mit dabei. Streamingfans dürften sowieso mehr die Serien und Filme interessieren, die es bei Joyn Plus+ zu sehen gibt. Zum Start werden Filme und Serien des Video-on-Demand-Portals Maxdome wie „This Is Us“ in Joyn Plus integriert, heißt es aus München. Auch der Eurosport Player soll Mitte 2020 in Joyn Plus+ eingebunden werden. Den werbefinanzierten kostenlosen Bereich, auf dem ebenfalls Eigenproduktionen ausgespielt werden, soll es weiter geben.

Weniger geht kaum, allerdings nicht ganz werbefrei


Erstes kostenpflichtiges Highlight wird Mitte Dezember die Serie „Dignity“ mit Götz Otto und Devid Striesow sein, die die Geschichte der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile erzählt. Ausschnitte deuten daraufhin, dass sich das auf Augenhöhe mit Produktionen wie „Deutschland 86“ (Amazon Prime) befindet.

Für 2020 seien zwölf Eigenproduktionen geplant, sagte Geschäftsführerin Katja Hofem. Gemeinsam mit dem RBB produziert Joyn die Serie „MaPa“ über einen alleinerziehenden Vater, dazu die Serie „Mocro Maffia“, die als holländische Antwort auf „4 Blocks“ bezeichnet wird, Das Ganze bis Jahresende zum Einführungspreis für 3,99 Euro die ersten drei Monate, samt kostenlosen Probemonat.
Weniger geht kaum, allerdings nicht ganz werbefrei. Und sicher ist das Regal von Joyn respektive Joyn Plus+ trotz 10 000 Episoden aus dem Senderportfolio von ProSiebenSat1 und Discovery oder der Original-Webserie „Singles’ Diaries“ auch noch nicht so voll. ProSiebenSat1 hatte RTL, ARD und ZDF eingeladen, beim Ausbau der Mediathek dabei zu sein, um gemeinsam „einen deutschen Champion zu schaffen“.

Nun sind die Liveprogramme von ARD und ZDF bei Joyn verfügbar. RTL lehnte ab, weil sich das Unternehmen auf den Streamingdienst TV Now konzentrieren will. Wie man hört, soll hier das letzte Wort aber noch nicht gesprochen sein.

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