Gegen Holger Friedrich, den Eigentümer des Berliner Verlages, sind neue Vorwürfe aufgetaucht. Laut "Welt am Sonntag" soll er eine ehemalige Kollegin denunziert haben. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Verleger der „Berliner Zeitung“ Neue Vorwürfe gegen Holger Friedrich

1985 soll der heutige Verleger der „Berliner Zeitung“ in der DDR eine Kollegin angeschwärzt haben. Friedrich äußert sich bisher nicht zu dem Medienbericht.

Holger Friedrich, der Verleger von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“, soll in der DDR eine Kollegin denunziert haben. Das berichtet der Mediendienst Turi unter Verweis auf einen Beitrag der „Welt am Sonntag“. Dem Zeitungsbericht zufolge soll Friedrich 1985 eine Arbeitskollegin bezichtigt haben, die DDR illegal verlassen zu wollen.

Holger Friedrich arbeitete 1988 mehrere Monate für die Stasi

Nach Angaben der „Welt am Sonntag“ soll er einen Brief an den künftigen Arbeitgeber seiner damaligen Kollegin geschickt haben. Friedrich habe sich nicht zu den Vorwürfen der Zeitung äußern wollen, heißt es bei Turi weiter.

Die Springer-Zeitung beruft sich auf eigene Recherchen. Der „Welt am Sonntag“ lägen eidesstattliche Versicherungen und Schilderungen von Zeitzeugen vor. Diesen Angaben zufolge soll Friedrich im Fall des Briefes über seine ehemalige Kollegin aus freien Stücken gehandelt haben.

Bei der ehemaligen Kollegin von Holger Friedrich handelte es sich dem Bericht zufolge um eine damals 17-jährige Beschäftigte des VEB Kühlautomat Berlin, mit der der damals 18-jährige Friedrich einige Monate liiert war, bevor sie die Beziehung beendete. Gegenüber der „WamS“ sagte die Frau, dass sie der DDR zwar „,anti‘ und vollständig gegen das System eingestellt“ war, der Vorwurf der Republikflucht jedoch „komplett erdacht gewesen“ sei.

Dass sie den Vorgang publik macht, erklärt die Ex-Kollegin damit, dass „dieser Mann Meinungen prägen und gesellschaftlich Einfluss nehmen“ will. „Da geht es um Macht, und deshalb ist in einem solchen Fall Transparenz wichtig“. Wenn Friedrich heute Schokoladenfabrikant wäre und Schokofiguren von Egon Krenz herstellen würde, wäre ihr dies egal.

Das Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich hatte den Berliner Verlag erst im September 2019 von der DuMont-Mediengruppe gekauft. Im November wurde bekannt, dass Holger Friedrich im Jahr 1988 für mehrere Monate als IM für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet hatte. Sie hätten das verschwiegen, weil sie sonst – beim Kauf des Verlages – keine Chance bekommen hätten, sagten Holger und Silke Friedrich später.

Holger Friedrich erklärte seine Einwilligung in die Tätigkeit als IM „Bernstein“ mit einem Notstand. Er habe sich als Soldat der Nationalen Volksarmee unter dem Druck strafrechtlicher Konsequenzen dazu bereit erklärt.

Eine Expertenanalyse der früheren Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk (denen sowohl die Täter- als auch die Opferakten zur Verfügung standen) ergab, dass Holger Friedrich „überwiegend Offenkundiges“ berichtet habe. In einem Fall führten die Informationen jedoch zu einer strafrechtlichen Belehrung eines anderen. Die Chefredakteure von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“, Jochen Arntz und Elmar Jehn, hatten nach der Veröffentlichung einer Expertenanalyse der früheren Stasi-Kontakte von Verleger Holger Friedrich eine „adäquate Aufarbeitung der DDR-Geschichte“ angekündigt.

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