Das Führungsgremium der Geheimorganisation "Salamander" tagt. Mit dabei: der Bankdirektor. Foto: ZDF/Beta Film/Lies Wilaert
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TV-Serie „Salamander“ Brüsseler Spitzen

Die Serie „Salamander“: Ein Polit-Thriller über Brot und Spiele im korrupten Machtzentrum von Belgien.

Es beginnt im Stil von „Rififi“: Ein Banküberfall wird minutiös geplant und durchgeführt. In einer Seitenstraße in Brüssel, am hellichten Tag. Die Bande, die im Untergeschoss die Wand zum Raum mit den Schließfächern durchbricht, ist an 66 Fächern interessiert: private Dokumente, Briefe, Fotos. Die Fächer in der Privatbank Jonkhere werden von der Elite des Landes betrieben, Politiker, Firmenchefs, Staatsanwälten.

Sukzessive gelangen die Dokumente zu den Betroffenen, die erpresst werden. Während sich in Brüssel Selbstmorde häufen, versucht Bankdirektor Raymond Jonkhere (Mike Verdrengh) alles Erdenkliche, um zu vertuschen. Jonkhere steht nicht nur der Privatbank vor, er ist Chef eines elitären Geheimbundes, der die Geschicke des Landes leitet: „Salamander“.

[„Salamander“, Arte, ab Donnerstag, 21 Uhr 05]

Das gibt der belgischen Polit-Serie auch ihren Titel, deren erste Staffel aus zwölf Folgen besteht, nicht gerade unterkomplex erzählt von Autor Ward Hulselmans. Frank Van Mechelen hat die Bücher in Szene gesetzt. Im Mittelpunkt steht die Figur des suspendierten Hauptinspektors Paul Gerardi (Filip Peeters), der durch einen Informanten auf den Einbruch aufmerksam wird. Niemand verfolgt die Hinweise. Gerardi ermittelt allein. Dabei bringt er seine Frau Sarah (An Miller) ebenso in Gefahr wie seine 16-jährige Tochter Sofie (Violet Braeckman).

Ein veritable tour de force

„Salamander“ erzählt von einer politisch-wirtschaftlichen Kaste, die das ganze Land manipuliert und kontrolliert. Bankdirektor Jonkhere präsidiert bei geheimen Treffen in mit Ledersesseln ausstaffierten Hinterzimmern, bei denen Brandy, Kaffee und Zigarren gereicht werden. Einmal erklärt Generalstaatsanwalt Armand Persigal (Jo de Meyere) gegenüber dem hartnäckig ermittelnden Paul Gerardi, dass „Salamander“ 720 Top-Positionen im belgischen Staat besetze.

„Salamander“ ist, von wenigen dramaturgischen Schwachstellen abgesehen, klar erzählt, baut Spannung auf und spielt mit den Sympathien der Zuschauer. Potenzielle Bösewichter wechseln die Seite. Der Fokus ruht auf dem belgisch-flämischen Schauspieler Filip Peeters („Die Frau vom Checkpoint Charlie“, „Tatort“), der mit der Figur des Einzelkämpfers Gerardi eine veritable tour de force hinlegt.

Die private Geschichte des Ermittlers steht neben dem Polit-Plot: das belastete Verhältnis zu seiner Frau, das Bangen um die bedrohte Tochter, die Zweifel an seinem Tun. „Salamander“ erzählt letztlich vom – offenbar unglückseligen – Vertrauen des Individuums in den Staat. Damit ist diese Polit-Serie aus Brüssel, deren zweite Staffel bereits 2018 fertiggestellt wurde und erst mit Verspätung in den deutschsprachigen Raum gelangt, hochaktuell.

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