Totalschaden. Dem Smartphone von Kai Diekmann geht es nicht so gut, der Original-O-Ton von Ex-Bundespräsident Christian Wulff "ist safe", twitterte der Ex-"Bild"-Chef. Foto: Kai Diekmann/Twitter
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SWR-Podcast über Aufstieg und Fall von Christian Wulff Nah am Rubikon

Vor zehn Jahren sprach Ex-Bundespräsident Wulff eine Nachricht auf die Mailbox des damaligen „Bild“-Chef Diekmann. Ein Podcast macht daraus einen Polit-Thriller.

Das Handy von Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, auf dessen Mailbox der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff vor zehn Jahren jene Nachrichten sprach, die mit zu seiner Abdankung führten, ist längst nicht mehr zu gebrauchen. Es fiel 2014 in einen türkischen Urlaubs-Pool und musste zur Rettung der Chipkarte aufgebrochen werden. „…dem Original-Mailbox-Handy geht es nicht mehr so richtig gut – aber der Original-Wulff-OTon ist safe…“, twitterte Diekmann am Sonntag als Antwort auf eine andere Nachricht. „Für alle, die auf House of Cards, Drama, Thriller und Politik stehen: ,Christian Wulff – der Fall des Bundespräsidenten‘ findet ihr ab sofort überall, wo es Podcasts gibt!“, bewirbt der SWR den Rückblick auf 2011 und 2012.

So schnell wie Christian Wulff war kein deutscher Politiker ins höchste Amt aufgestiegen – und niemand stürzte so schnell und brutal ab wie er. Wer wollte ihn abschießen? Und was muss zusammenkommen, damit ein Bundespräsident abdankt? Das fragen die SWR- Journalisten Kilian Pfeffer und Christopher Jähnert in den sieben Folgen ihres Podcasts und lassen neben Wulff und Diekmann weitere Politiker und Journalisten zu Wort kommen. Es herrscht der lockere Umgangston, mit dem das junge, Streaming-affine Publikum angesprochen werden soll.

Kein Ruhmesblatt

Zehn Jahre danach treten die Fronten etwas klarer zu Tage. Doch ob die Mailbox-Nachricht eine Bitte oder eine Drohung war, darüber herrscht zwischen Wulff und Diekmann weiterhin Dissens. „Bild“ hat die Mailbox-Nachricht nicht selbst veröffentlicht, per „Raubtierfütterung“ gelangte sie zu den anderen Medien. Die gesprochene Nachricht ist bis heute nicht freigegeben. Der Machtkampf zwischen den Medien und der Politik ist für beide Seiten kein Ruhmesblatt – und das betrifft nicht nur die Springer-Presse.

Wulff räumt ein, in einigen Punkten nicht klug gehandelt zu haben. Juristisch wurde er entlastet. Doch was ihn am Ende zu Fall brachte, lässt er noch immer nicht an sich heran. Der tiefe Fall eines Bundespräsidenten, der die Mechanismen der Macht ignorierte, ist inzwischen Geschichte – und „Bild“ diverse Kampagnen weiter. Der Rubikon bleibt dabei immer in Sichtweite.

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