Die DuMont Mediengruppe will sich vom Großteil seiner Regionalzeitungen trennen. Die Entscheidung über die "Hamburger Morgenpost" steht kurz bevor. Foto: Oliver Berg/dpa
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Sitzung des DuMont-Aufsichtsrats Betriebsrat der Hamburger Mopo appelliert an Eigentümer

In Köln steht die Entscheidung über die Zukunft der „Hamburger Morgenpost“ bevor. Am Donnerstag soll die Belegschaft informiert werden.

Christoph Bauer, der Geschäftsführer der DuMont Mediengruppe hat sich für Donnerstag um 11 Uhr 30 in Hamburg angekündigt. Er will dort ein Update zur Zukunft der "Hamburger Morgenpost" geben. Beim letzten Update aus Köln wurde Mitte Januar der Verkauf der "Mitteldeutschen Zeitung" an die Bauer-Gruppe bekannt gegeben. Nun erwartet die Belegschaft der Mopo mit Spannung die Präsentation eines Käufers für die Traditionszeitung und ihre Internet-Präsenz.

Vor der Bekanntgabe liegt freilich eine Entscheidung, und die wird dem Vernehmen nach am heutigen Dienstag der sechsköpfige Aufsichtsrat der DuMont Mediengruppe unter Vorsitz von Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte fällen. Der bislang präferierte Verkauf an die Funke-Gruppe ("WAZ") ist wohl vom Tisch, zur Diskussion stand unter anderem ein Management-Buy-Out an Mopo-Geschäftsführerin, Susan Molzow.

Nina Gessner, die Betriebsratsvorsitzende der Mopo, appellierte am Dienstag an die Eigentümer. "Wir hoffen, dass sich DuMont für einen Käufer entscheidet, der Wert auf die journalistische Qualität legt und zudem erkennt, dass es in Hamburg eine Marktlücke für guten Journalismus gibt", sagte sie dem Tagesspiegel. Vor allem wendet sich die Belegschaft gegen Überlegungen, die "Hamburger Morgenpost" als reine Internet-Publikation weiterzuführen und die gedruckte Zeitung aufzugeben.

Prozess der Portfolio Überprüfung

Die DuMont Mediengruppe gab sich auf Anfragen am Dienstag wortkarg: "Der Prozess für das Medienhaus in Hamburg im Rahmen der Portfolio-Überprüfung im Geschäftsfeld Regionalmedien von DuMont dauert aktuell noch an", teilte eine Sprecherin mit. Die Portfolio-Überprüfung bezieht sich im Wesentlichen auf den Verkauf der meisten Regionalzeitungen. Neben der "Mitteldeutschen Zeitung" wurde dabei auch der Berliner Verlag mit "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" veräußert. Am "Kölner Stadt-Anzeiger" will DuMont dagegen festhalten.

Möglicherweise gibt es einen Käufer jenseits der einschlägigen Verlagshäuser. Der Mediendienst Meedia.de berichtet von Gerüchten in Medienkreisen, wonach ein "mittelständischer Unternehmer aus Norddeutschland" nach der Mopo greifen könnte.

Um das Überleben der Traditionszeitung insgesamt zu sichern, also sowohl online als auch als Print-Ausgabe, wird dazu in jedem Fall eine neue Strategie benötigt. Die Auflage ist zuletzt unter die Marke von 45.000 Exemplaren gesunken. Die auf Reichweitenmaximierung und Klickzahlen orientierte Online-Strategie habe die Marke Mopo.de zwar als Braut aufgehübscht, auf lange Sicht besitze sie jedoch keine Zukunft, argwöhnt die Belegschaft. Sie hofft darauf, dass der Käufer, wenn er denn am Donnerstag im Newsroom bekannt gegeben wird, der dramatischen Entwicklung im Zeitungsmarkt eine Lösung entgegensetzt, die auf qualitativ hochwertigen Journalismus setzt.

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