Petra Gerster nutzt in den "heute"-Nachrichten eine gendergerechte Sprache Foto: ZDF
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Petra Gerster und die Gendersprache Die bösen Briefe kamen vor allem von Männern

Die ersten Reaktionen auf die gendergerechte Sprache der ZDF-Moderatorin waren feindselig - jetzt kommt die Gewöhnung.

Nach Einschätzung der ZDF-„heute“-Moderatorin Petra Gerster hat sich das Publikum inzwischen an das Gendern der Nachrichtensprache gewöhnt. „Nach meiner ersten Sendung mit Gendersternchen, im Oktober, haben sich um die 60 Leute beschwert. Das ist schon sehr viel“, sagte Gerster der „taz“. „Böse Briefe“ hätten ihr vor allem Männer geschrieben. 

„Mittlerweile sind die Beschwerden pro Sendung nur noch im einstelligen Bereich, es setzt also eine Gewöhnung ein“, fügte die 65-jährige Journalistin hinzu.

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Bisher gibt es im ZDF keine verpflichtende Vorschrift für eine gendergerechte Sprache. Claus Kleber, Moderator des „heute-journal“, verhält sich so: „Ich habe 50 Jahre lang anders gesprochen: Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten“, sagte der 65-Jährige der „Zeit“. „Heute gendere ich, wenn ich denke, dass es im konkreten Fall eine Erkenntnis bringt, bei Fernfahrer:innen oder Chefärzt:innen zum Beispiel.“ Er tue dies „aber nicht mit religiösem Eifer“.

Die geschlechtergerechte Sprache setzt sich im journalistischen Sprachgebrauch allmählich durch, allerdings wird über dieses Thema in den Medien wie in der Gesellschaft nach wie vor gestritten. Seit dem 1. September 2020 wird beispielsweise im RBB-Jugendsender „Fritz“ durchgehend das Gendersternchen mitgesprochen.

Gerster kritisiert niedrige Frauenquote in Nachrichtenfilmen

Petra Gerster kritisierte im „taz“-Interview ferner, in Nachrichtenfilmen träten immer noch viel zu wenige Frauen auf. Dies liege zum einen an der noch immer männerdominierten Realität, die Journalisten abbilden müssten, oft sei es aber „einfach auch Bequemlichkeit“. 

So seien in den ersten Monaten der Corona-Pandemie nur Virologen und Epidemiologen zu Wort gekommen. „Inzwischen sehen wir auch in den Talkshows immer öfter eine Corona-Expertin“, sagte Gerster. Die Journalistin moderiert die „heute“-Nachrichten seit 23 Jahren und geht im Frühling in den Ruhestand. Joachim Huber

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