Nach der Reform des TV-Programms will RBB-Intendantin Patricia Schlesinger nun das Radio-Programm modernisieren. Foto: Monika Skolimowska/dpa
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Patricia Schlesinger über rbbKultur „Wir brauchen im Radio ein zeitgemäßeres Programm“

Im Fernsehen ist rbbKultur das erfolgreichste Magazin dieser Art in der ARD, sagt Intendantin Patricia Schlesinger. Das soll nun auch im Radio gelingen.

Frau Schlesinger, der RBB muss sparen, gestartet wird mit dem Radio-Angebot von rbbKultur. Doch wie stellt sich die Rechnung, dass rbbKultur im Kostenvergleich mit anderen ARD-Kulturwellen am teuersten ist, im Detail dar? Und ist dies wirklich der Maßstab, wenn doch die Ausgaben für die Kulturberichterstattung aus der Metropole Berlin für einen Sender wie den RBB höher sein müssen als aus Leipzig, Dresden oder Bremen?
Wir werden in den kommenden Monaten und Jahren in allen Bereichen des rbb unsere Ausgaben anpassen, sprich: reduzieren müssen. ARD-interne Vergleiche, zumal mit Mehrländeranstalten, können da für eine Einschätzung der Dimension hilfreich sein, sie sind aber letztendlich nicht ausschlaggebend. Wir haben die Ausgaben in unserer Programmdirektion auch Dank der Umstellung beim Rundfunkbeitrag in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich steigern können, diese Entwicklung endet jetzt. Gleichzeitig müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Reichweite unseres kulturellen Angebots im Radio zuletzt kontinuierlich gesunken ist

Der rbb muss sich dabei mit seinen Ausgaben für Kulturberichterstattung auch im ARD-Vergleich überhaupt nicht verstecken. Wir senden Radioeins, um dessen vielfältigen Kulturbegriff uns ganz Radio-Deutschland beneidet. Unser Magazin rbbKultur im Fernsehen ist das erfolgreichste in der ARD. Fiktionale und dokumentarische TV-Ereignisse wie die „Unterwerfung“, „Alles Isy“ oder „24h Europa“ und „Die Unsichtbaren“ stehen in diese Reihe, Live-Übertragungen wie jüngst die Philharmoniker vom Brandenburger Tor, hinzu kommt unsere Rolle als Kulturträger mit Lesungen, Konzerten, den Orchesterbeteiligungen und vielem mehr. Auf diesem Weg wollen wir weiter gehen, aber dazu gehört zwingend eine Reform des Radioangebots von rbbKultur. Diese kann und wird nicht auf Kosten anderer Kulturangebote im Sender gehen.

Ein großer Teil der Kosten für rbbKultur entfällt auf die Gehälter der festangestellten redaktionellen Mitarbeiter und sind somit nur schwer zu senken. Die Freien Mitarbeiter rechnen nun vor, dass sie die Hauptlast der Kosteneinsparung tragen müssen. Liegen sie damit falsch?
Der Auftakt des Reformprozesses findet diese Woche statt. In Folge der inhaltlichen Entscheidungen beginnt dann die Diskussion über die Umsetzung der geplanten Einsparungen. Wir können dabei auch auf künftig aus Altersgründen freiwerdende Stellen schauen. Selbstverständlich sehen die Freien Mitarbeiter ihre Einkünfte bedroht, wenn sie von Etatkürzungen erfahren und es ist richtig, wenn sie ihre Sorgen artikulieren. Wir müssen zweierlei erreichen: Im Sinne unseres Publikums ein zeitgemäßeres Programm bei rbbKultur im Radio und eine Umsetzung, bei der wir – wie bei allen Reformen bisher im rbb, etwa zuletzt im Fernsehen – auch auf soziale Belange freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rücksicht nehmen.

Es geht nicht nur um das "Wieviel", sondern auch um das "Wie"

Mit der Einsparsumme von einer Million Euro gibt es eine Leitplanke, die ja wohl fix ist. Wie groß bleibt der Spielraum für den beginnenden Diskussionsprozess?
Die Frage des „Wie“ ist mindesten so wichtig wie die Frage des „Wieviel“. Im Mittelpunkt steht die inhaltliche Neuausrichtung des Programms, in dem finanziellen Rahmen, den die Geschäftsleitung vorgegeben hat. Wir wollen ein attraktiveres Angebot und ich weiß, dass dieses Bestreben viele Festangestellte und Freie bei rbbKultur teilen.

Welche „heiligen Kühe“ gibt im Reformprozess? Gibt es tatsächlich Bereiche wie das künstlerische Wort, die von den Einsparungen ausgenommen sind?
Wir sind mitten in einem sehr transparenten Prozess: Die Geschäftsleitung hat die Leitplanken gesetzt, dann haben wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert, Mitarbeitervertretungen und Gremien eingebunden, jetzt beginnt die inhaltliche Diskussion mit allen Beteiligten. Inhaltlich gab es keine Vorgaben. Ich wehre mich ausdrücklich gegen jeden Vergleich mit aktuellen Reformvorhaben in anderen ARD-Häusern. Ein öffentlich-rechtliches Kulturprogramm im Radio ohne starkes künstlerisches Wort ist für uns beim rbb allerdings undenkbar. Dort entstehen Hörspiele, Features, Podcasts, die auch digital zu den erfolgreichsten Angeboten von rbbKultur gehören. Auch das journalistische Wort braucht zwingend seinen Platz. Wir werden hier kein Programm auflösen, sondern es verbessern. Es geht um neue Gedanken, Abläufe, Strukturen, die unsere journalistischen und kreativen Stärken besser zur Geltung bringen und nach Möglichkeit ein größeres Publikum für die kulturelle Vielfalt unserer Region begeistern.  Hier liegen zusätzliche Chancen in den neuen, digitalen Distributionswegen. Ich bin sicher, das Team von rbbKultur entwickelt dafür gute Ideen und Vorschläge – im Rahmen eines künftigen Jahresetats von neun Millionen Euro. Unser mittelfristiges Ziel ist dann eine medienübergreifende Quermarke rbbKultur, die über alle Verbreitungswege auch generationsübergreifend erfolgreich ist.

Die Fragen stellte Kurt Sagatz.

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