Otto Wagner, Stararchitekt der Wiener Moderne Foto: Wien Museum/von Hartenkampf
© Wien Museum/von Hartenkampf

Otto Wagner im Arte-Porträt Seiner Zeit weit voraus

Ein neuer Dokumentarfilm über den umstrittenen Wiener Architekten und Baukünstler Otto Wagner.

„Das Modernste am Modernen ist die Großstadt“, sagte Otto Wagner einmal. Nicht selten wird er zu Lebzeiten angegriffen, können die Menschen mit seiner avantgardistischen Kunst doch wenig oder schlimmstenfalls gar nichts anfangen. Seine Kunst, das ist die Architektur, das Konzipieren von Gebäuden, die ihrer Zeit weit voraus sind. 1841 geboren, 1918 gestorben bewegt sich der Baukünstler zeitlich zwischen Historismus und Jugendstil. Es ist ihm oberstes Gebot, alles Herkömmliche, alles Historisierende hinter sich zu lassen und vollkommen Neues zu kreieren. Der neue Dokumentarfilm „Otto Wagner. Architekt der Wiener Moderne“ von Filmautor Rudolf Klingohr, den Arte am Mittwoch zeigt, entstand anlässlich seines 100. Todestages.

Wagners große Zeit ist das Fin de Siècle, sein Ort ist Wien. Visionär der er ist, wird er zu einem der Hauptvertreter des Wiener Jugendstils werden: zu Wagners Bauten, die allesamt Perlen des Jugendstils sind, zählen unter anderem die Kirche am Steinhof, die Wiener Postsparkasse oder auch die Stadtbahn, seinerzeit eine der ersten in Europa. Für den Visionär Wagner ist es der Aufbruch in eine neue Zeit, der ihn mit antreibt. Doch genau dieser Umstand ist es, der den Architekten immer wieder aufs Neue Ärger mit dem Kaiserhaus einbringt. Otto Wagner und der Wiener Hof, das mochte nicht passen.

Heirat erst nach dem Tod der Mutter

Der zweite Antrieb Wagners ist seine große Liebe, Louise Stiffel, Gouvernante seiner Tochter. Ehelichen kann Wagner seine Louise erst 1884, als seine Mutter stirbt, und er sich endlich von seiner ungeliebten ersten Ehefrau Josefine, Mutter seiner beiden Töchter, scheiden lassen kann. Seine Louise hingegen, mit der er schließlich drei weitere Kinder hat, vergöttert er geradezu, schreibt auch dann noch Briefe an sie, nachdem sie, viel jünger als er, 1915 stirbt und widmet ihr in all den Jahren seine Bauten, lässt Gesichter von Büsten und Statuen nach ihrem Ebenbild formen.

Rudolf Klingohr geht in seinem Dokumentarfilm beidem nach, dem Visionär der Wiener Architektur und dem innig Liebenden. Veranschaulicht wird Wagners den Zeitgenossen suspekte Baukunst in vielen Aufnahmen Wiens sowie durch Interviews etwa mit dem Wagner-Forscher Otto Antonia Graf oder den Kuratoren Andrea Nierhaus vom Wien Museum und Markus Kristan von der Albertina.

Leider gelingt es dem Film nicht wirklich, das Biografische mit dem Künstlerischen so miteinander zu verbinden, dass sich ein linearer Erzählfluss daraus entwickelt. So wirken die Sequenzen, in denen etwa aus Otto Wagners Briefen vorgetragen wird, unterlegt mit einigen wenigen sepiafarbenen Fotografien, eher wie Fremdkörper zwischen all den Einstellungs-Sequenzen und Drohnen-Luftaufnahmen, die die beeindruckende Architektur dieses Baukünstlers von Weltgeltung zeigen. Thilo Wydra

„Otto Wagner. Architekt der Wiener Moderne“, Mittwoch, Arte, 21 Uhr 45

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