Serie zum Homeoffice. Im ZDFneo-Format „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ spielt Lavinia Wilson, 40, eine Werberin in der Quarantäne. Sie dreht bei sich zu Hause. Auch Partner Barnaby Metschurat ist dabei. Neue Ausgaben werden werktags um 20 Uhr in der ZDF-Mediathek veröffentlicht. Dienstags, 22 Uhr 45, zeigt ZDFneo Folgen am Stück. Foto: ZDF und btf GmbH
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Interview mit Lavinia Wilson „Der Rest ist reinstes Chaos“

Eine Serie aus der Corona-Quarantäne: Schauspielerin Lavinia Wilson über Drehs in der Wohnung, Hilfspakete und Kontrollverluste.

Frau Wilson, Sie also auch im Homeoffice – in der Serienrolle der Werberin Lotte Thielemann in Corona-Quarantäne. Wie fühlt sich das als Schauspielerin in solcherart Kammerspiel an, so vor dem Computer festgeklemmt?

Kammerspiel trifft es ganz gut. Charlotte hängt zu Hause an ihrem Rechner fest, wie so viele in diesen Tagen. Aber weniger körperlich wird das Spiel dadurch nicht unbedingt, man sieht nur nicht alles davon. Außerdem gibt es ja die ein oder andere Sport- und Tanzeinlage von Charlotte. Weil ich mich hier anders als sonst auch um Setdesign, Requisiten, Technik, Umzüge, Kostüm und Catering kümmern muss, renne ich zwischen den Takes ziemlich durch die Gegend. Über mangelnde Bewegung kann ich mich nicht beklagen.

Sie sind ja wohl gänzlich allein in Ihrer Wohnung. Im Hintergrund sieht es sehr aufgeräumt aus. Waren Sie das?
Ja. Dafür ist der Rest der Wohnung das reinste Chaos.

Autoren, Produzenten, Gewerke, natürlich auch Schauspieler, alle haben derzeit unter den Drehpausen wegen Corona zu leiden. Von daher ist dieser Job für Sie ja schon auch ein Glücksfall. Nur: Wie lange halten das Schauspieler ohne Arbeit aus, auch finanziell? Erwarten Sie Hilfe?
Wir Schauspieler sind es gewohnt, mit einem relativ großen Maß an Unsicherheit zu leben, weil die Verträge für die Projekte oft sehr kurzfristig vereinbart werden. Dass es im Moment völlig unklar ist, wann und wie überhaupt wieder „normale“ fiktionale Stoffe gedreht werden können, ist für viele Filmschaffende aber schon jetzt eine existenzielle Bedrohung. Hinzu kommt, dass wir als kurzfristig Beschäftigte bisher durch alle Raster für die Hilfspakete fallen.

Werden Schauspieler alleinegelassen?
Ich bin zuversichtlich, dass die Filmbranche das gemeinsam mit der Politik solidarisch gelöst bekommt und dass denjenigen, die jetzt wirklich vor dem Nichts stehen, schnell und unbürokratisch geholfen wird. Und jetzt schon bekomme ich mit, dass viele Autoren im Homeoffice zur Höchstform auflaufen, schließlich gibt es kaum Ablenkung. Ich hoffe, dass wir uns, wenn denn diese Krise irgendwann überstanden ist, vor guten Geschichten nicht mehr retten können und einiges aufgeholt wird.

Millionen Deutsche nutzen die Kontaktbeschränkungen derzeit auch zu ausgiebigen Baumarktbesuchen und Wohungsrenovierungen, Frühjahrsputz etc. Tun Sie oder Ihr Mann sich das auch an?
Nein.

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Eine Frage, die unsere LeserInnen auch interessieren dürfte: Sie haben drei Kinder. Wie waren die Erfahrungen mit Homeschooling zuletzt, bis zu den Osterferien? Haben Sie da Tipps?
Unsere Kinder sind noch nicht in der Schule. Es wird den ganzen Tag gespielt.

Sie haben Philosophie studiert, Magister mit Auszeichnung. Es fiept und piept zu Hause am PC, Partner oder Kinder oder alle zusammen nerven beizeiten, die To-do-Listen privat und beruflich werden immer länger, man hat, wie Ihre Figur Charlotte Thielemann, Angst vor Ansteckung, irgendwann sind alle Netflix-Serien gesehen – inwiefern hilft Philosophie in diesen Zeiten?
Wenn ich etwas Sinnvolles im Philosophiestudium gelernt habe, dann, dass wir nicht immer alles kontrollieren können. Darin unterscheide ich mich ganz schön von Charlotte Thielemann, der Figur in „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“. Und dafür ist diese Pandemie auch ein eindrücklicher Beleg. Aber um nicht dem Kulturpessimismus zu verfallen, passt derzeit das Buch „Aufklärung jetzt“ von Steven Pinker ganz fantastisch.

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