Wolfgang Kenntemich soll RT Deutsch bei der Lizenzbeschaffung behilflich sein. Foto: picture alliance / dpa
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Ex-MDR-Chefredakteur Kenntemich als Lobbyist RT Deutsch auf allen Rundfunkwegen

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Die Website RT Deutsch will eine deutsche Rundfunklizenz - und Wolfgang Kenntemich soll dabei helfen

Für einen Missionar kann die Situation nicht befriedigend sein, dass er seine Mission nur im Internet verbreiten kann. Das aber ist die Situation von RT Deutsch. RT (früher Russia Today) ist Teil des RT-Netzwerks, eines globalen mehrsprachigen Fernsehnachrichtennetzes mit Sitz in Moskau, das von der russischen Regierung finanziert wird. Die deutsche Website wurde Ende 2014 gestartet und versteht sich als „Gegenöffentlichkeit“ zu anderen Medien. Andere halten die Website für ein Propagandainstrument des Kreml.

RT Deutsch will jetzt offenbar deutlich mehr Reichweite, die Website möchte eine ordentliche deutsche Rundfunklizenz, damit die „Gegenöffentlichkeit“ auf allen Ausspielwegen – Kabel, Satellit, Terrestrik und Internet – hergestellt werden kann.

Solch eine Lizenz zum Senden ist in Deutschland bei einer Landesmedienanstalt zu bekommen. Schon die Wahl unter den 14 Einrichtungen bedarf der Expertise, schließlich will der Antrag dort platziert sein, wo die Chancen auf eine Lizenz am größten sind.

Mit der Kompetenz des MDR

Hier kommt Wolfgang Kenntemich ins Spiel. Der Journalist arbeitete bis 2011 als Chefredakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk. Danach war er Honorarprofessor an der Uni Leipzig, aktuell hat er keine Lehrverpflichtung mehr und gibt keine Seminare. Noch tätig ist der 72-Jährige als Direktor des Europäischen Institutes für Qualitätsjournalismus in Leipzig und als Medienberater. Als solcher soll er einen Auftrag von RT Deutsch übernommen haben. Das jedenfalls berichtet „Bild“, Kenntemich selbst äußert sich nicht zu Mandaten und Mandanten, wie er dem epd sagte.

Kenntemich, so berichtet „Bild“, sei dabei, einen „Beirat für RT Deutsch“ zu bilden. Der Absicht nach soll so ein Gremium den Eindruck eines seriös arbeitenden Mediums befördern. Auf Anfrage des Tagesspiegels bestätigte Ivan Rodionov, Chefredakteur bei RT Deutsch, die Pläne, ohne dabei jedoch den ehemaligen MDR-Chef Kenntemich direkt zu nennen.

Stattdessen schreibt Rodionov von "einem deutschen Beirat renommierter deutscher Persönlichkeiten aus den wichtigsten gesellschaftlichen Gruppierungen", welche RT Deutsch begleiten und kontrollieren sollen. Damit solle die eigene Rolle als Plattform für "kontinuierlich kritische alternative Sichtweisen und Berichte" nachhaltig untermauert werden.

Eine Umfrage bei verschiedenen Landesmedienanstalten zeigt, dass eine Lizenzierung vor allem vor zwei großen Hindernissen steht. Da ist zunächst das (Propaganda-)Programm, insbesondere aber sind es Trägerschaft und Finanzierung. Ein Medium, das komplett von einem Staat betrieben und finanziert wird, hat keine Aussicht auf eine deutsche Rundfunklizenz. Wolfgang Kenntemich steht vor einer schwierigen Mission.

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