Zwischen 600 verschiedenen DAB+-Radios können Radiohörer auswählen. Neuwagen müssen ab Dezember 2020 grundsätzlich über ein Digitalradio verfügen. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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Bundesrat ebnet DAB+ den Weg Nun sind die Privatradios am Zug

Neuwagen müssen von Dezember 2020 an mit einem Digitalradio ausgerüstet werden. Das setzt die Kritiker von DAB+ unter Druck.

Der Bundesrat hat am Freitag das Digitalradio beinahe sprichwörtlich auf die Straße gesetzt. Die Ländervertretung entschied, dass vom 21. Dezember 2020 an in jedem Neuwagen ein Radio mit dem Digitalstandard DAB+ eingebaut werden muss. Bislang befinden sich in sieben Millionen Autos in Deutschland ein Digitalradio-Empfänger. Auch für stationäre Radios mit Display gilt künftig der Digitalradiozwang.

Mit der Bundesratsentscheidung wird eine Regelung der Europäischen Union abschließend in nationales Recht übernommen. Der Bundestag hatte im Oktober ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Nun sind die Privatradios am Zug, aus deren Reihen die vehementesten Kritiker von DAB+ kommen. Sie präferierten bislang das Internet als Übertragungsweg für digitales Radio. Die Befürworter verweisen auf die gegenüber UKW bessere Klangqualität und digitale Zusatzdienste. Im Katastrophenfall hätte DAB+ zudem erhebliche Vorteile gegenüber Internetradios.

98 Prozent der Fläche versorgt

Die Entwicklung des Digitalradios geht auf die 1980er Jahre zurück. Selbst nach Einführung der Weiterentwicklung DAB+ konnte sich das Digitalradio lange Jahre nicht durchsetzen. Vor allem in den vergangenen zwölf Monaten machte das Digitalradio jedoch einen großen Sprung, der Marktanteil stieg um ein Drittel auf rund 23 Prozent. Berlin hinkt der Entwicklung hinterher, was vor allem auf die große Auswahl an UKW-Stationen zurückzuführen ist.

Aktuell werden 260 lokale und überregionale Wellen über DAB+ ausgestrahlt, die Radiohörer können unter 600 Geräten auswählen. Die Flächenabdeckung beträgt 98 Prozent, die Autobahnen sind komplett versorgt werden. „Die Qualität und die flächendeckende Verbreitung überzeugt überall, auch in den ländlichen Regionen“, sagte Heike Raab, Medienstaatssekretärin von Rheinland-Pfalz, nach dem Bundesratsbeschluss.

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