Der damals 18-jährige Leimener Boris Becker gewinnt zum zweiten Mal in Folge das Herren-Einzel-Finale in Wimbledon. Foto: dpa
© dpa

Boris Becker wieder Wimbledon-Experte? Spiel, Haft, Resozialisierung im TV

Joachim Huber

Aufgabe als Tenniskommentator kann Resozialisierung von Boris Becker voranbringen. Was aber, wenn die BBC ihn nicht engagiert? Ein Kommentar.

Die Frage war offensichtlich so bedrängend, dass sich die BBC erklären musste: „Boris wird kein Teil der diesjährigen Übertragung sein.“ Gemeint ist Boris Becker und seine mögliche Teilnahme als Kommentator am Tennisturnier von Wimbledon. Becker hatte den Wettbewerb drei Mal gewonnen, seit 2002 arbeitet „the german brilliance“ als geschätzter Experte für die BBC. Am Montag startet der Rasen-Klassiker, und es wäre doch merkwürdig angekommen, wenn sich Becker aus dem Huntercombe-Gefängnis nördlich von London gemeldet hätte. Dort sitzt er seine Haftstrafe wegen Insolvenzvergehen ab.

[Alle aktuellen Nachrichten zum russischen Angriff auf die Ukraine bekommen Sie mit der Tagesspiegel-App live auf ihr Handy. Hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen.]

Becker verpasst Wimbledon 2022 und selbst bei vorzeitiger Entlassung auch 2023. Und dann? Die BBC teilte mit, es sei noch keine Entscheidung über die Zukunft getroffen worden. Hat also noch Zeit.
Der öffentlich-rechtliche Sender steht vor keiner einfachen Entscheidung. Ehemalige Tennis-Kollegen sagen, Becker fehle, wenn Wimbledon stattfinde. Der Sender kassierte allerdings wütende Kommentare, als Kommentator Andrew Castle sich vergangene Woche bei einer Übertragung mit den Worten „Boris, wir freuen uns, dich bei deiner Rückkehr wieder willkommen zu heißen“ direkt an Becker wendete.

Wieder ans Mikrofon?

Sollte der gefallene Tennisheld wieder ans Mikrofon dürfen? Becker hat sein Leben nicht im Griff gehabt, er hat gesündigt, dafür büßt er. Jetzt, mit 54 Jahren ist ein Leben nicht an sein Ende gekommen. Selbst aus der Ferne liest sich seine Biografie als diejenige eines Menschen, der großartig Tennis gespielt und mindestens so großartig kommentiert hat. Der ganze große Rest ist das Auf und Ab eines Boulevard-Prominenten mit dem vorläufigen Finale in Huntercombe.
Fortsetzung an der Church Road? Dort ist Beckers „ Wohnzimmer“, dort kommen sein Können und seine Kompetenz strahlend zur Geltung. Resozialisierung via TV, ist das eine nur absurde Idee?

Die BBC muss entscheiden

Die Briten müssen entscheiden. Irgendwie beruhigend. Angenommen, die BBC sagt nein, sagen Sky oder gar ARD/ZDF ja? Die Briten sollen den Wahl-Briten Becker wieder in Beschäftigung bringen, dann bleibt Deutschland eine heftige, bestimmt hässlich Debatte erspart.

Zur Startseite