Der Meteorologe Jörg Kachelmann wirft dem Inforadio des RBB vor, auf den Wetterkarten berechnete Werte zu verwenden. Foto: Tobias Hase/dpa
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Alles nur Fake? Kachelmann streitet mit RBB über Wetterberichte

Wetterexperte Jörg Kachelmann wirft dem Inforadio vor, beim Wetter eine nicht vorhandene Genauigkeit vorzugaukeln. Der Sender wehrt sich.

Es ist bekanntlich nicht lohnenswert, sich über das Wetter zu ärgern. Für Wetterberichte gilt diese Binsenweisheit allerdings nicht. Das meint zumindest Deutschlands wohl bekanntester Wetterexperte Jörg Kachelmann, der dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) im allgemeinen und dem Inforadio im speziellen vorwirft, in ihren Wetterberichten mit Fakewerten zu arbeiten. Ein Vorwurf, den die Radiowelle weit von sich weist, sowohl via Twitter als auch in einem Bericht von „Übermedien“.

Der schon seit einiger Zeit schwelende Streit kochte vor einigen Tagen wieder hoch, nachdem Kachelmann seine Kritik via Twitter erneuerte: „Es ist weiterhin schwer zu ertragen, nach den Nachrichten im Inforadio jeweils frei erfundene Fake-Wetterwerte zu hören von Orten, an denen es keine Wetterstationen gibt“, schreibt Kachelmann in einem Tweet.

Kachelmann: "Eine lustige Räubergeschichte"

Den Einwand der RBB-Welle, dass man es für legitim halte, in einzelnen Fällen nahe gelegene größere Orte zu nennen, lässt der Wettermann nicht gelten. Das sei eine „lustige Räubergeschichte“, tatsächlich gebe es für die meisten Wetterwerte auf der Homepage des Inforadios gar keine Wetterstationen in der Nähe.
Als Beispiel führte Kachelmann den Dienstag der Vorwoche an. An diesem Tag habe es über Berlin eine einheitliche geschlossene Wolkendecke gegeben, der Wetterlieferant des RBB weise aber für einzelne Berliner Bezirke Unterschiede aus, die es so gar nicht gegeben habe. Im Kern geht es um die Frage, ob nur die gemessenen Wetterdaten veröffentlicht werden sollten oder ob auch berechnete Wetterwerte legitim sind.

Der RBB bezieht seine Wetterdaten von der MeteoGroup, die nach Einschätzung des Senders über ein für ein Flächenland verhältnismäßig enges Messnetz verfügt – auch weil sie viele Stationen von Jörg Kachelmanns Ex-Firma MeteoMedia gekauft habe. Dass es neben den gemessenen auch berechnete Werte gebe, sei sowohl aus Sicht der MeteoGroup als auch des RBB seriös. Die Methode fuße auf fachüblichen Berechnungsmethoden, mit denen die Vorhersagen für jeden beliebigen Punkt erstellt werden könnten. Dabei würden die umliegenden realen Messpunkte und die geografischen Gegebenheiten berücksichtigt.

Allerdings räumt der RBB ein, dass es mitunter zu Messfehlern, Übermittlungslücken und falschen Aktualisierungen kommen könne. „Wir hatten mitten im Sommer tagelang eine Messstation, die statt Regen Schnee meldete“, berichtete ein RBB-Sprecher. In einem solchen Fall werde der Lieferant benachrichtigt, der dann für eine Reparatur oder Korrektur sorge.

Im Inforadio gibts nur gemessene Werte

Die Kritik am Inforadio festzumachen, ist zumindest mit Blick auf den gesendeten Wetterbericht zudem nicht wirklich angebracht. Anders als auf den Online-Wetterkarten des RBB werden über die Radiowelle nur gemessene Wetterwerte verwendet – und das nicht erst seit Kachelmanns Kritik, wie der Sender betont:

„In den Wetterberichten nach den Nachrichten nennen wir bei Inforadio seit Jahren die aktuelle Temperatur zweier Berliner Bezirke oder Stadtteile und zweier brandenburgischer Orte. In der Moderation vor dem Verkehrsservice senden wir die Temperaturspanne in Berlin sowie zwei Temperaturen aus brandenburgischen Städten“, versichert der RBB-Sprecher. „Auch daran hat sich seit Jahren nichts geändert.“

Viel weiter ins Details möchte man beim RBB nicht gehen. Wetter sei auch ein Wettbewerbsthema zwischen den Radiosendern, von denen sich gut 30 auf UKW tummeln. Im Wettbewerb stehen freilich auch die Wetterdienste. So wertet der Sender die Kritik nicht zuletzt als Streit unter Wetterexperten.
Ganz ohne Folgen wird dieser Streit möglicherweise nicht bleiben. Es könnte sinnvoll sein, auf den Wetterkarten anzuzeigen, welche Werte gemessen und welche berechnet werden, wird überlegt. Dann müsste man auch nicht mehr über mangelnde Transparenz streiten. Und über das Wetter schon gar nicht.

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