Alfred Hitchcock mit der Partnerin seines Lebens: Alma Reville. Foto: Bridgeman Images
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53 Ehejahre, 53 Kinofilme Mr. und Mrs. Hitchcock

Sie war die Frau an seiner Seite: Eine sehenswerte Arte-Doku über das Filmehepaar Alfred Hitchcock und Alma Reville.

Es beginnt, wie es enden wird. Es ist der 7. März 1979, Los Angeles. Das American Film Institute verleiht den renommierten Life Achievement Award, und ganz Hollywood ist anwesend. Alfred Hitchcock, sichtlich gealtert und schwerkrank, schleppt sich behäbig durch das große Auditorium, bis er den Ehrentisch erreicht, an dem linker Hand James Stewart mit Frau, rechter Hand Cary Grant mit Frau, und in der Mitte Alma Reville sitzt.

Neben Alma ist noch ein Platz frei. Sie deutet schon darauf, als „Hitch“, wie ihn alle Welt nur nennt, mit wackeligen schweren Schritten darauf zugeht. Denn sein Platz war immer an ihrer Seite, und ihr Platz immer an der seinen. 53 Ehejahre lang. Während 53 Kinofilmen. Alma und Alfred, sie waren untrennbar, eine symbiotische Einheit, im Leben wie im Arbeiten. Sie waren „Mr. und Mrs. Hitchcock“, wie eine neue Dokumentation [Arte, Sonntag, 22 Uhr 05] heißt, die das gemeinsame Wirken dieses Ausnahme-Paares würdigt.

Alfred Hitchcocks Filme entstanden zwischen 1926 und 1976, kennengelernt haben sich der am 13. August 1899 in London geborene Alfred Joseph Hitchcock und die einen Tag später, am 14. August desselben Jahres in Nottingham geborene Alma Reville 1921 in den Londoner Islington Studios. Er ist da noch als Zeichner der Stummfilm-Zwischentitel und für die Bauten zuständig, sie bereits Cutterin und Drehbuchautorin. In der Rangfolge innerhalb des Studiosystems steht Alma also über Alfred, und so traut sich der sehr scheue und schüchterne, viktorianisch und jesuitisch erzogene junge Mann auch nicht, die nur 1,50 Meter kleine energiegeladene Frau mit dem wilden rotbraunen Haarschopf, die ihm sofort auffällt, überhaupt anzusprechen.

Erst traut sich Hitchcock nicht

Erst, als Hitchcock bei den Dreharbeiten zu Graham Cutts´ "Woman to Woman" 1923 Regieassistent und Co-Autor ist, spricht er die gestandene Cutterin des Films an. Bald schon werden sie ein Paar, am 2. Dezember 1926 heiraten sie in London, und am 7. Juli 1928 kommt Tochter Patricia Hitchcock zur Welt, die später einmal, in drei Filmen ihrer Eltern - darunter in der 1951 entstandenen Patricia Highsmith-Verfilmung „Der Fremde im Zug“ sowie in dem ganze Genres und Sehgewohnheiten revolutionierenden Kultfilm „Psycho“ – in Nebenrollen zu sehen ist. Alma Reville arbeitet bei vielen Hitchcock-Filmen mit, sie ist es, die den finalen Zuschlag zu neuen Stoffen gibt, sie ist „Hitchs“ erste Beraterin von der Besetzung bis zur Feinschnitt-Abnahme.

Was diese neue Dokumentation so sehenswert macht, ist die wirklich wunderbar stimmige Montage einzelner Sequenzen aus Hitchcock-Filmen, die einerseits künstlerische Leitmotive des Werks reflektieren, andererseits biographische Themen aus beider Leben assoziieren. Das ist ebenso liebevoll und schön arrangiert wie klug und konzise konzipiert.

Als Alma Reville-Hitchcock am 6. Juli 1982 stirbt, nur zwei Jahre nach ihrem „Hitch“, da titelt die „Los Angeles Times" sehr zu Recht: „Der Hitchcock-Touch hatte vier Hände. Zwei davon gehörten Alma.“

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