Das erstplatzierte Foto des Fotografen Hartmut Schwarbach zeigt Kinder in Manila, die Plastikflaschen aus einer verdreckten Bucht sammeln. Hartmut Schwarzbach/argus/UNICEF/dpa
© Hartmut Schwarzbach/argus/UNICEF/dpa

Kinderarbeit und Folgen von Krieg Mädchen beim Müllfischen ist das Unicef-„Foto des Jahres“

Jedes Jahr kürt Unicef Fotos, die die Lebensumstände von Kindern besonders eindrücklich zeigen. Das diesjährige Gewinnerfoto hat ein Deutscher geschossen.

Das „Unicef-Foto des Jahres 2019“ zeigt ein Mädchen, das in einem Slum auf den Philippinen nach Plastikmüll fischt. Gemacht hat das Bild der deutsche Fotograf Hartmut Schwarzbach. Es trägt den Titel „Die Kinder, der Müll und der Tod“ und zeigt die damals 13-jährige Wenie und andere Kinder in einem Meer aus Müll im Hafen von Manila auf den Philippinen.

Das Foto erzähle „vom mutigen Überlebenskampf von Kindern angesichts gleich dreier Tragödien unserer Zeit: Armut, Umweltverschmutzung und Kinderarbeit“, erklärte das UN-Kinderhilfswerk am Donnerstag bei der Preisverleihung in Berlin.

Wenie sammelte zum Zeitpunkt der Aufnahme jeden Tag Plastikmüll, um diesen bei einem Müll-Recycler für wenig Geld zu verkaufen. „Auch wenn Kinderarbeit verboten ist, bleibt vielen Mädchen und Jungen in dem Slum keine andere Wahl“, sagte Unicef. Schon Siebenjährige paddeln demnach auf Bambusflößen und Kühlschranktüren durch das Hafenbecken. „Sie riskieren ihre Gesundheit und oft auch ihr Leben, wenn sie in dem keimverseuchten Wasser nach Wertstoffen suchen, um ihre Existenz zu sichern.“

Schwarzbachs Foto habe „wie mit einem Brennglas ganz viele Geschichten eingesammelt“, erklärte Elke Büdenbender, Schirmherrin des Wettbewerbs und Frau des Bundespräsidenten. Es sei aufgenommen an einem Ort, „wo Kinder eigentlich nicht sein sollten“. Weiter betonte sie: „Kinder sind das Wertvollste, was wir haben.“ Die Einhaltung der Kinderrechte sei eine Aufgabe für alle.

Gewinner ist freier Fotojournalist aus Deutschland

Hartmut Schwarzbach beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Armut auf den Philippinen. Der freie Fotojournalist arbeitet den Angaben zufolge unter anderem für die Magazine „Spiegel“ und „Stern“ sowie für den NDR, Arte und für Hilfsorganisationen. Seit langem beschäftigt er sich mit dem Thema Müll, der auch aus reichen Wohlstandsstaaten in den ärmsten Gegenden der Welt landet. Das Siegerfoto war für das Magazin „kontinente!“ der katholischen Hilfsorganisation Missio entstanden.

Das zweitplatzierte Foto ist von Andrew Quilty. Es zeigt sieben afghanische Kinder aus einem abgelegenen Dorf im Distrikt Surkh Rod, die bei der Explosion eines Blindgängers schwer verletzt worden sind. Andrew Quilty/Agence VU/UNICEF/dpa Vergrößern
Das zweitplatzierte Foto ist von Andrew Quilty. Es zeigt sieben afghanische Kinder aus einem abgelegenen Dorf im Distrikt Surkh Rod, die bei der Explosion eines Blindgängers schwer verletzt worden sind. © Andrew Quilty/Agence VU/UNICEF/dpa

Afghanistan: Grausames Erbe des Krieges

Den zweiten Preis erhielt das Foto „Tapfer ohne Orden“ des Australiers Andrew Quilty. Es dokumentiert die grausamen Hinterlassenschaften des Krieges in Afghanistan. Das Familienporträt zeige die Würde von sieben Geschwistern, denen durch explodierte Blindgänger Gliedmaßen fehlen, sagte der Juryvorsitzende und Kulturwissenschaftler Klaus Honnef: „Die Kinder mussten Mutter und Schwester sterben sehen.“

Im vergangenem Jahr wurden den Angaben zufolge in Afghanistan über 1.400 Zivilisten bei Explosionen von Minen und Blindgängern verletzt oder getötet. Fast 90 Prozent von ihnen waren Kinder.

Das drittplatzierte Foto des spanischen Fotografen Antonio Aragon Renuncio zeigt einen erschöpften Jungen in Burkina Faso. Er arbeitet in Goldminen, die für die Konzerne längst als erschöpft gelten. Antonio Aragón Renuncio/Unicef/dpa Vergrößern
Das drittplatzierte Foto des spanischen Fotografen Antonio Aragon Renuncio zeigt einen erschöpften Jungen in Burkina Faso. Er arbeitet in Goldminen, die für die Konzerne längst als erschöpft gelten. © Antonio Aragón Renuncio/Unicef/dpa

Kinderarbeit in Burkina Faso

Das Bild „In der Unterwelt“ des Spaniers Antonio Aragón Renuncio bekam den dritten Preis. Der Fotograf habe die Qual der Goldsucher-Kinder von Burkina Faso festgehalten – bis hin zu den Friedhöfen, auf denen viele von ihnen liegen, hieß es. Weltweit werden laut Unicef Millionen Mädchen und Jungen in Minen, Textilwerkstätten, auf Farmen, in Privathaushalten oder in Bordellen ausgebeutet.

Unicef Deutschland hat in diesem Jahr zum 20. Mal Bilder renommierter Fotojournalisten ausgezeichnet, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren. In diesem Jahr wurden rund 1.800 Bilder eingereicht, die das Leben von Kindern im Krieg, auf der Flucht, in Armut sowie die Folgen des Klimawandels auf Kinder zeigen. (epd, dpa)

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