Unendlich viele blassgrüne Bianchi-Räder scheint es in Italien zu geben.

Legales Doping: Cucina am Wegesrand. Foto: Pepe Egger
Eroica: Tour auf Vintage-Rennrädern Heldenfahrt durch die Toskana

Und so werden auch all die alten blassgrünen Bianchi-Räder wieder aus der Garage hervorgeholt, von denen es hier in Mittelitalien unendlich viele zu geben scheint, immergrüne Bianchis, ob aus den 40ern, 50ern und 60ern, dazu Colnagos, Faggins, Peugeots, von verwittert bis sorgfältig restauriert.

Wer selbst keinen derartigen Schatz auf dem Speicher hat, kann sich in Gaiole ein Eroica- taugliches Rade leihen, vor allem außerhalb der beiden Rundfahrtwochenenden im Herbst und Frühling ist es ein Leichtes, das passende Modell zu finden.

Das Dorf liegt im Herzen jener Landschaft, in der der Chianti seinen Ursprung hat, hier bauten schon Etrusker und Römer Wein an, bevor am Ende des Mittelalters die Dörfer um Gaiole in der „Lega del Chianti“ zusammengingen, einem Militärbündnis der Republik Florenz gegen den Erzrivalen Siena, dessen Symbol, der schwarze Hahn, noch heute die Chianti-Flaschen schmückt.

In Gaiole beginnt, um fünf Uhr früh, die Eroica mit einem Massenstart noch in völliger Dunkelheit.

Die aufgeregten Teilnehmer drängeln auf dem Hauptplatz nach vorn, die Kälte in den Gliedern, weil die Strecke so lang ist, dass die Schnellsten am Nachmittag zurück sein werden, die Sonntagsfahrer aber, die Untrainierten, erst lange nach Sonnenuntergang.

Deswegen wird ab fünf Uhr gestartet, ein kleines Abenteuer, denn wohl ist Beleuchtung vorgeschrieben, doch das legt jeder aus, wie es ihm behagt. 209 Kilometer müssen zurückgelegt werden, die in Wirklichkeit eher 215 sind, so genau hat man nicht gemessen. Wobei die reine Entfernung das geringste ist, der Teufel steckt in den unzähligen kleinen und größeren Höhenunterschieden, in den Schlaglöchern und wilden Abfahrten, bei denen die Kiesel spritzen.

Die Schotterstraßen sind ein weiterer Grund, warum diese Rundfahrt erfunden wurde: Um sie als etwas Schützenswertes herauszustellen, als etwas, das zu dieser Landschaft gehört, und um so viele dieser „strade bianche“ wie möglich vor der Asphaltierung zu retten.

Nach dem Start in Gaiole ruckelt das Feld langsam im Schein von Fackeln durch ein Zypressenwäldchen hinauf zum Castello di Brolio, wo im 19. Jahrhundert Baron Ricasoli erstmals festlegte, in welchem Verhältnis die verschiedenen Rebsorten des Chianti zu verwenden seien: 70 Prozent Sangiovese, 20 Prozent Canaiolo, 10 Prozent weißer Malvasia. Doch es ist zu früh für eine Verkostung, es bleibt keine Zeit, hier schon anzustoßen. Es dunkelt noch und es gilt, Kilometer zu fressen, solange die Beine noch frisch sind.

Weiter geht es zur ersten Abfahrt, zur ersten Schotterstraßenübung, bei der die Schlaglöcher und Bodenwellen zu umfahren sind, ohne sich von Rechts- und Linksüberholern aus der Spur bringen zu lassen.

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