Die milden Hügel werden zur Minatur-Alpe d'Huez.

Schotter in der Toskana. Foto: Pepe Egger
Eroica: Tour auf Vintage-Rennrädern Heldenfahrt durch die Toskana

Der Name Eroica spielt darauf an, dass alle Absolventen des vollen 209-Kilometer-Kurses tatsächlich etwas Heldenhaftes leisten: Vor allem wegen des fehlenden Straßenbelags auf weiten Teilen der Strecke, und wegen des fortwährenden Auf und Abs über die ach so mild wirkenden Hügel, die nach dem zehnten Anstieg zu Steilwänden werden, jeder ein kleiner Berg, eine Miniatur-Alpe d’Huez. Am berüchtigsten sind die drei Steigungen des Monte Sante Marie, „le tre Marie“, hier schieben die meisten Teilnehmer nur noch.

Der Kurs ist permanent ausgeschildert. Er kann also individuell ganzjährig befahren werden und ist in beliebig viele Etappen aufgeteilt – je nach Lust und Laune und Trainingsniveau. Was dabei allerdings verloren geht, ist die Volksfeststimmung während des Eroica-Wochenendes am ersten Sonntag im Oktober, und der Eroica-Primavera Anfang Mai: Die Kinder, die dem Feld zujubeln und müde Radler anfeuern, die musternden Blicke auf anderer Helden Räder, überhaupt die Fahrradverrückten aus ganz Europa, die zu der Rundfahrt anreisen.

Besuchenswert ist auch der Flohmarkt, der den Ausgangsort Gaiole in Chianti in der Woche vor der Eroica in ein Museum der Radsportgeschichte verwandelt. Er wird zum Fest für fachsimpelnde Velo-Besessene. Haufen von Zweirad-Oldtimern und den dazu gehörenden Trikots, Helmen und Schuhen stehen zum Verkauf.

Hier am Fuße der Chianti-Hügelkette hat alles angefangen. Die Gründerinnen und Gründer, der Gewerkschafter Giancarlo Brocci und die anderen, stammen von hier, sie sprechen den frotzelnd-herzlichen Dialekt dieser Gegend. Ihre Idee, ein historisches Spektakel zu veranstalten, galt den Dörfern, Hügeln und Feldern hier, und dem Radsport, so wie er früher war, den Rädern, so wie sie einst gefahren wurden.

Karbon ist in Gaiole ein Schimpfwort. Stattdessen werden die Stahlrahmen wieder hervorgeholt, auf denen die legendären Rennfahrer Fausto Coppi und Gino Bartali den Radsport einst groß gemacht haben. Unzerstörbare Räder, deren einziger Feind der Rost ist. Jugendlieben, deren Gewicht in Erinnerungen aufgewogen wird.

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