Sapiosexuelle fahren auf Intelligenz ab

Wo die Liebe hinfällt. Pansexuelle legen sich gar nicht fest und sind offen für alle Geschlechtsidentitäten. Foto: imago/Westend61
Das große Triebwerk Von bi-neugierig bis pansexuell: Wie wir lieben

Monosexuell

Bedeutet, sich sexuell nur zu einem Geschlecht hingezogen zu fühlen, also etwa + heterosexuell oder + homosexuell zu sein.

Ökosexuell

Ökosexuelle finden Befriedigung in der Vereinigung mit der Natur: Sie gehen nackt wandern, reiben sich an Baumstämmen, penetrieren Erdlöcher oder masturbieren unter Wasserfällen. Trotzdem fällt „Mutter Erde“ nicht in die Kategorie der MILF (Mother I’d Like to Fuck). Ökosexuelle sehen die Erde nämlich nicht als Mutter an, sondern als Geliebte. Was der Erde gelegen kommen dürfte, denn seine Mätresse versucht man bekanntlich bei Laune zu halten. Die Naturliebhaber fassen sie also mit Samthandschuhen an, zum Wohl der Allgemeinheit: Sie leben besonders umweltbewusst und verwenden nur nachhaltige Sexprodukte. Wer ficken will, muss freundlich sein – das war schon immer so.

Pansexuell

Pansexuelle sind gar nicht festgelegt. Die Vorsilbe „pan“ stammt aus dem (Alt-)Griechischen und bedeutet „alles, umfassend, ganz“. Das biologische Geschlecht oder die geschlechtliche Identität ihres Partners ist Pansexuellen völlig egal – ihr Begehren entzündet sich an anderen Eigenschaften. Sie entflammen für das Individuum, wie es vor ihnen steht, sei es männlich, weiblich, inter- oder transsexuell. In einem Stoßseufzer: „Wo die Liebe hinfällt!“ Nur eine Einschränkung gibt es – Pansexualität bezieht sich nur auf Menschen. 2016 hat sich beispielsweise US-Popstar Miley Cyrus als pansexuell geoutet. Auch in der Stars-Wars-Saga wird ganzheitlich begehrt. Nach Bekunden von Jonathan Kasdan, dem Drehbuchautor der jüngsten Star-Wars-Episode „Solo: A Star Wars Story“, ist die Figur des Lando Calrissian pansexuell.

Polysexuell

Polysexuelle begehren nicht nur Männer und Frauen (+ bisexuell), sondern auch Personen, die sich außerhalb dieser Kategorien bewegen, etwa Trans- oder Intersexuelle. Im Gegensatz zu + Pansexuellen fühlen sie sich aber nicht zu allen Geschlechtern hingezogen.

Pomosexuell

Steht als Abkürzung für „postmodern sexuell“. Die postmoderne Theorie stellt etablierte Kategorien infrage und dekonstruiert sie. Wer sich als pomosexuell identifiziert, möchte damit ausdrücken, dass er oder sie tradierte Konzepte wie männlich/weiblich, + homosexuell/+ bisexuell/+ heterosexuell für überholt hält. Dass er oder sie also grundsätzlich ablehnt, die komplexe menschliche Sexualität auf wenige klar umrissene Begriffe zu reduzieren. Um die üblichen Schubladen ad absurdum zu führen, bezeichnen sich in diesem Kontext manche Frauen als Girlfags (schwule Mädchen) und einige Männer als Guydykes (männliche Lesben).

Queer

Queer bedeutet so viel wie eigenartig, seltsam, suspekt und war im Englischen lange ein Schimpfwort, das insbesondere zur Herabsetzung von schwulen Männern benutzt wurde. Heute wird der Begriff meist positiv als Eigenzuschreibung gebraucht, vor allem von denjenigen, die ihre sexuelle Identität als „außerhalb der gesellschaftlichen Norm“ verstehen. Manche verwenden den Begriff queer, weil sie die Kategorisierung von Begehren grundsätzlich ablehnen. So identifizieren sich auch einige + Heteros als „straight queers“.

Questioning/Unentschieden

Wer sich als „questioning“ oder „unentschieden“ beschreibt, ist sich noch nicht klar über seine sexuelle Orientierung. Das kann etwa Jugendliche betreffen, die nicht genau wissen, was das alles bedeutet, wenn sie erste sexuelle Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Freunden machen.

Quoisexuell

Bezeichnung für Personen, die nicht zwischen verschiedenen Arten von Anziehung, zum Beispiel zwischen romantischer, sexueller und platonischer Attraktion, unterscheiden. Hierfür kursiert auch der Begriff „WTF (what the fuck)-sexuell“.

Sapiosexuell

Sapiosexuelle fahren auf Intelligenz ab, ein hoher IQ ist für sie ein erotisch anziehendes Merkmal. Die Wortschöpfung basiert auf dem lateinischen Verb sapere, wissen. Nicht muskulöse Oberarme oder volle Lippen törnen die Sapiosexuellen an, sondern profunde Kenntnisse über perfektoide Räume. Für alle derart Begehrenden gibt es sogar eine eigene Dating-App. „Sapio“ verspricht Matches mit intellektuell stimulierenden Partnern. Dort lädt man nicht nur sein Foto und seine Maße hoch, sondern auch kleine Essays zu Fragen wie: „Welche Gesetze würdest du erlassen, wenn du der oberste Gesetzgeber wärst?“ Dirty talk pur. Wenn’s da nicht funkt, vielleicht mal den Instagram-Account „Hot Dudes Reading“ checken.

Skoliosexuell

Man findet nur Personen erotisch anziehend, die keinen Geschlechtsnormen entsprechen und sich nicht klar in das Frau-Mann-Schema einordnen lassen, also etwa Trans- oder Intersexuelle.

Spectrasexuell

Spectrasexuelle begehren Personen aus einem bestimmten Spektrum, also etwa Frauen und Intersexuelle oder Männer und Transsexuelle.

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