Obwohl das Pangolin seit 2016 auf der Schutzliste steht, wurden seitdem rund eine halbe Million getötet. Foto: AFP
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Artenschutz-Konferenz Trotz aller Schutzbemühungen floriert der Wildtierhandel

In Vietnam blüht der illegale Handel mit Wildtieren, dem Land drohen kaum Konsequenzen. Der Artenschutz-Verbund Cites müsste eingreifen, fordern Experten.

In einem Flugzeughangar liegen Stoßzähne und Nashornhörner, Baumwollsäcke voller Schuppen und Tigerfelle: Immer wieder und immer öfter gehen Bilder wie diese um die Welt. Zugleich verbreiten sie die Botschaft, dass dafür Unmengen gefährdeter Tiere abgeschlachtet worden sind. „Die Bilder aus solchen Lagerhallen schockieren“, sagt der Ökologe Arnulf Köhncke. Sie sind aber nur der sichtbare Teil des Problems. Denn trotz aller Mühen florieren Wilderei und Wildtier-Handel. Bei Elfenbeinprodukten und Nashornhorn ist Vietnam weltweit führend. „Das Land macht uns auch massive Sorgen beim Handel mit Tigerteilen, Edelhölzern und Schuppentieren“, sagt Arnulf Köhncke, der bei der Umweltstiftung WWF Deutschland für den Fachbereich Artenschutz verantwortlich ist. Der Tierschützer kritisiert, dass die Regierung in Hanoi nur halbherzig gegen den illegalen Handel mit Wildtieren vorgeht. „Wir wollen erreichen, dass Vietnam sich endlich dieses Problems annimmt, sonst trägt es das Risiko, mit Cites-Sanktionen belegt zu werden.“

Das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites reguliert seit 1973 den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen und hat ein Sekretariat in Genf. Dort ging am Mittwoch die Konferenz der beteiligten Staaten zu Ende. Es war die größte bislang, alle 183 Unterzeichner-Länder haben teilgenommen. 56 Anträge gab es allein zu jenen Arten, deren Handel im Rahmen von Cites reguliert werden. Viele davon betreffen den illegalen Markt, der fatalerweise in Vietnam floriert.

In Vietnam sind laut der gemeinnützigen Environmental Investigation Agency in den vergangenen 15 Jahren Teile von umgerechnet etwa 15779 Elefanten, 610 Nashörnern, 65510 Pangolin und 228 Tigern gefunden worden. Viele davon dürften für den landeseigenen Markt bestimmt gewesen sein, andere waren dagegen auf der Durchreise nach China. „Wir gehen davon aus, dass zehn bis 25 Prozent des illegalen Handels beschlagnahmt werden“, sagt Köhncke. Der Rest bleibe unentdeckt. Die Zahl der tatsächlich getöteten Tiere dürfte noch höher liegen.

Eigentlich könnte der Cites-Verbund eingreifen, doch in der Praxis geschieht das zu selten, kritisieren Organisationen wie der WWF. Cites hat zwar das Recht, Handelssanktionen zu verhängen, greife darauf aber kaum zurück, sagt Arnulf Köhncke. Theoretisch kann der Verbund verfügen, dass Staaten, die ihren Pflichten nicht nachkommen, mit keinen anderen Cites-Mitgliedsstaaten Arten handeln können, die von den Regularien betroffen sind. „Für Staaten, die zum Beispiel viele gelistete Orchideen oder Hölzer exportieren, kann dies schwerwiegende Folgen haben“, sagt Arnulf Köhncke. Dabei habe die Praxis gezeigt, „dass diese Drohung wirkt.“ Thailand war noch vor wenigen Jahren weltweit die Top zwei im illegalen Elfenbeinhandel. Dann drohte Cites mit Handelssanktionen. „Inzwischen taucht Thailand im Ranking gar nicht mehr auf.“

Das könnte auch bei Vietnam wirken. Im Land selbst fehlt dazu aber offenbar der Wille. Es ist immer ein Ringen zwischen Schutzbemühen und wirtschaftlichen Interessen, sagt Köhncke. „Wir reden hier ja von der Umsetzung bestehender Handelsverbote.“ In der sozialistischen Republik Vietnam scheint das besonders schwierig. Denn unabhängige Justiz gibt es nicht. „Wir reden hier von kriminellen Syndikaten wie im Drogenhandel. Das Vorgehen der Behörden müsste auch genauso sein.“

In Vietnam verschärft der wirtschaftliche Aufstieg die Probleme

Neben Forderungen nach Sanktionen versuchen Organisationen wie der WWF aufzuklären. In Vietnam verschärfen wirtschaftlicher Aufstieg und Bevölkerungswachstum die Probleme. Die Mittelschicht wächst: Mehr Menschen hätten mehr Geld und wollten das zeigen, sagt Köhncke. Seltene Tierprodukte sind oft Statussymbol – oder in der regionalen Medizin verankert. Schuppen des Pangolins sollen die Potenz steigern. Nashornhörnern wird Heilkraft nachgesagt. „Wir müssen den Leuten erklären, dass man sich auch andere Luxusgegenstände kaufen und damit Status ausdrücken kann“, sagt Köhncke. Kunstobjekte statt Tigerklauen. Der Raum zur Aufklärung sei da – wird aber noch zu selten ausgefüllt.

Doch Wilderei und Schmuggel sind nicht die einzigen Gefahren. „Es sind nur die einzigen, die wir über Handelsabkommen einschränken können“, sagt Köhncke. Eine Million Arten weltweit ist laut dem jüngsten Bericht des Weltbiodiversitätsrates IPBES aktuell bedroht. Lebensraumverlust, Übernutzung, Klimakrise, invasive Arten und Umweltverschmutzung gefährden die Bestände. In Vietnam wurde viel Wald für Plantagen geopfert. Tiere müssten dadurch in andere Regionen ausweichen – wildlebende Tiger gibt es in Vietnam zum Beispiel nicht mehr und auch immer weniger Elefanten. Umso wichtiger sei es, dass zumindest die Wilderei eingedämmt wird.

Abkommen wie Cites sind dafür mitentscheidend. Die Konferenz der Staaten finden alle drei Jahre statt. In diesem Jahr ist der WWF mit den Ergebnissen zufrieden. Beim Elfenbein- und Nashornhornhandel war Köhncke sehr froh, dass die diskutierten Lockerungen der Verbote am Ende nicht durchgesetzt wurden. Auch neue Arten kamen auf die Schutzlisten: das Tokay-Gecko, Seegurken, Geigenrochen. Oder zwei Otterarten, die als Social-Media-Haustiere immer öfter gehandelt werden.

Für die Zukunft bleibt noch viel auf dem Plan. „Wir brauchen bei Schuppentieren mehr Aktionen“, sagt Köhncke. So sei der schuppige Säuger Pangolin zwar bei der letzten Konferenz 2016 auf den Schutzlisten ganz nach oben gerückt. Trotzdem wurden seitdem wohl eine halbe Million Tiere getötet.

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