Schnitzel mit Pommes, Pommes mit Ketchup

Am liebsten nur Pommes: Kinder ernähren sich gern monothematisch. Foto: Arno Burgi, picture alliance / dpa
Geschmacksentwicklung bei Kindern Ist das etwa Gemüse?

Kinder haben eine natürliche Neugier auf das Essen, auch an Gemüse und Obst, doch irgendwie schaffen wir Eltern es, ihnen diese zu nehmen. Etwa indem wir sie mit Essen wahlweise belohnen, bedrohen oder bestrafen. Wenn du nicht aufräumst, gibt es kein Eis, wenn du dich schnell anziehst, bekommst du einen Keks. Wenn du die Möhren isst, darfst du dir noch Gummibärchen nehmen. Die Süßigkeit wird zum Preis, die Möhren entwertet. Positiv besetzt wird Essen damit nicht.

Ebenso wenig förderlich für die Entwicklung der Gaumen sind Kinderteller im Restaurant: Schnitzel mit Pommes, Fischstäbchen mit Pommes, Chicken Nuggets mit Pommes oder Pommes mit Ketchup. Den mögen Kinder, wie Wissenschaftler herausgefunden haben, auch deshalb so gerne, weil sie ihn selbst portionieren dürfen. Essen ist Selbstbestimmung.

Babys lieben Spinat

Das Gute, immerhin: Wenn Geschmack etwas Gelerntes ist, kann man auch neu lernen. Selbst wenn man das erste Zeitfenster schon verpasst hat. So wie wir mit Oskar. Das nutzen viele Eltern nicht, aus gutem Grund. Im Alter zwischen vier und sieben Monaten sind Babys besonders empfänglich für neue Geschmäcker. Sogar Spinat, oft genug ein No-Go bei kleinen Kindern, lernen Babys schnell zu schätzen. Doch wenn Mütter sich an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO halten, stillen sie da noch voll.

Wir haben ein paar von Psychologen empfohlene Tricks versucht, um Oskars monothematische Ernährung ein bisschen ausgewogener zu gestalten.

Versuch 1: Teilnahme. „Oskar – wir kochen Kartoffelbrei.“ Oskar klettert auf den Stuhl neben dem Herd, lugt skeptisch in den Topf, fuchtelt sieben Sekunden mit dem Kartoffelstamper rum und verschwindet in sein Zimmer.

Versuch 2: Warenkunde. „Schau mal Oskar, was da auf dem Balkon wächst, das kann man essen. Das sind Tomaten. Die hast du mit eingepflanzt im Frühling.“ Feedback? Keins.

Das Prinzip Verknappung

Versuch 3: Verknappung. Dass es was bringen kann, wenn man den Kindern einfach dreist was wegisst, empfiehlt der Ernährungspsychologe Thomas Ellrott. Das Prinzip Verknappung schaffe Begehrlichkeit, argumentiert er. Nur: Oskar juckt es nicht, wenn ich ihm die Hühnchenstücke aus dem Reis weggable. Er rührt den Teller ja eh nicht an.

Versuch 4: Portionierung. Nach ungezählten Zurückweisungen haben wir etwas nachgemacht, was in der Kita gut klappt: Häppchen, klein geschnitten. Tatsächlich, Oskar schiebt sich einen Apfel in den Mund, respektive ein 64stel davon. Ein Erfolg! Heute liebt er Spinat, zum Geburtstag hat er sich Gemüsesuppe gewünscht.

O.k., das ist gelogen. Leider. Er isst fast genauso wie vorher. Gelegentlich greift er sich ein paar Heidelbeeren, wenn keine Gummibären in Griffweite sind. Und er weiß, was Johannisbeeren sind. Die haben wir mal gemeinsam von einem Strauch gepflückt.

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