"Ich kann nicht einfach sagen: Ich mache Pornos."

Faire Pornografie Er und Sie. Der Kamin prasselt. Dann schwenkt die Kamera weg

Lina Bembe / Filmemacherin, Performerin Foto: Paula Winkler Vergrößern
Lina Bembe / Filmemacherin, Performerin © Paula Winkler

Lina Bembe / Filmemacherin, Performerin

"Andere sagen: Ich arbeite in einem Café. Aber ich kann nicht einfach sagen: Ich mache Pornos."

"Ich habe einen akademischen Hintergrund im Bereich Internationale  Beziehungen und Politische Theorie, aber in keinem Job war ich so  glücklich wie jetzt. Ich hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt, in einem Porno mitzumachen, versuchte es - und stellte fest: Porno  vereinigt meine Interessen, meine Überzeugungen und meine Fähigkeiten.

Ich möchte nicht in die lächerlichen Kategorien der Mainstream-Pornografie  eingeteilt werden wie 'Ebony' oder 'Interracial'. Umso schöner ist,  dass es in der alternativen Berliner Szene eine große Diversität gibt, was Körper, Hautfarbe und sexuelle Präferenzen angeht. Die alternative  Porno-Szene hat mir den Einstieg enorm erleichtert. Die Darsteller  werden gut behandelt und ich habe hier ein starkes Gefühl der  Selbstwirksamkeit: Ich will immer, dass mir in der Performance mein  Körper und meine Lust gehört. Neulich schrieb ich nach einem Dreh auf meiner Instagram-Seite etwas, was es gut zusammenfasst: 'Es war ein  Ritual femininer Kraft, das den Zauber von Porno bestätigt. Es war  richtig, diesen Weg zu gehen.'

Pornografie sollte endlich nicht  mehr als Müll abgestempelt werden. Wenn wir Pornos nur als Produkt zur  Masturbation betrachten, ist das engstirnig. Pornografie ist eine  ernsthafte und komplexe Kunstform. Leider sind Darsteller immer noch mit  einem gesellschaftlichen Stigma konfrontiert. Andere sagen: 'Ich bin  Architektin' oder 'Ich arbeite in einem Café'. Ich kann aber nicht  einfach sagen: 'Ich mache Pornos.'"

Zur Startseite