"Es geht um Grenzerfahrungen."

*spir@lena*, Candy Flip, Theo Meow / Produktionskollektiv Meow Meow. Foto: Paula Winkler
Faire Pornografie Er und Sie. Der Kamin prasselt. Dann schwenkt die Kamera weg

*spir@lena*, Candy Flip, Theo Meow / Produktionskollektiv Meow Meow

"Es geht nicht darum, dass es immer heiß hergeht. Es geht um Grenzerfahrungen."

"Im Hollywood-Kino wird Sex sehr verklemmt dargestellt: Der Kamin  prasselt, dann schwenkt die Kamera weg. Im Mainstream-Porno wird dagegen  mit erbarmungsloser Direktheit draufgehalten. Wir dachten: Es muss  etwas dazwischen geben! Wir stehen alle vor der Kamera und haben krude  Sachen im Kopf. Wir machen keine normalen Wichspornos. Unsere Filme sind  sexy, sollen aber auch verstören und eine verfremdete Ästhetik zeigen.  'Hanna und die Keta-Boys' etwa dreht sich um eine Teenager-Gang, deren  Anführerin die Menschheit vernichten will - mit einem Nervengift, das  sie aus Spargel herstellt. Ihr Freund fliegt mit dem Raketenrucksack  herbei, um sie umzustimmen - der ideale Startpunkt für leidenschaftlichen Sex. Für ein anderes Projekt haben wir eine nackte  Person in einen Sarg aus Plexiglas gelegt und den mit 100 Liter veganer  Gelatinemasse aufgefüllt. Einige von uns sind Diplompsychologen, aber  der Job war einfach zu langweilig. In der Pornografie gibt es noch viel  zu holen. Es geht nicht darum, dass es immer nur heiß hergeht. Unsere  Zuschauer sollen Bedürfnisse und Fetische in sich entdecken und ihre  Sexualität hinterfragen. Dafür braucht es Grenzerfahrungen.

Unsere Filme entstehen mit hauchdünnen Budgets. Wir drehen darum  meist mit Freunden oder Bekannten, in WG-Zimmern oder Kellern. Einmal  haben wir in bester Pfadfinder-Manier Kekse gebacken und verkauft. Wir  sind mit dem Schild 'Cookies for Porn!' in Kreuzberg über den Flohmarkt  gelaufen. Unser Budget hatten wir in wenigen Stunden zusammen."

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