Mein Europa, dein Europa. Ali Ghandtschi hat für die Beilage „Neu“- und „Alteuropäer“ im Gespräch fotografiert. Hier der syrische Exiljournalist Hareth Almukdad und Iris Edenheiser, stellvertretende Leiterin des Museums Europäischer Kulturen. Foto: Ali Ghandtschi
© Ali Ghandtschi

DIWAN und Launch Party am 24. Mai Versteh einer die Europäer

Exiljournalisten gestalten eine Beilage zur Europawahl – das wird am 24. Mai gefeiert. Mit dabei: Firas Alshater, Youtube-Star und Buchautor.

Europa: ein Traum. Man fährt mit dem Bus über die Grenze und merkt es gar nicht, man schläft einfach weiter und wacht in einem anderen Land auf. Kann das wahr sein? Oder ist es ein Traum?

Wo sind die Minenfelder?

Hareth Almukdad aus Syrien erzählt, wie erstaunt er war, als er im Bus, von Deutschland kommend, in Tschechien aufwachte: „Wie konnte es sein, dass wir so einfach die Grenze passiert hatten? Wo sind die Stacheldrahtzäune? Und wo die Minenfelder? Warum sehe ich keine schwer bewaffneten Soldaten, die die Reisenden in Angst und Schrecken versetzen?“ Aus den arabischen Ländern ist der 32-Jährige ganz anderes gewöhnt. Dort kann man von europäischen Verhältnissen nur träumen: „Unser Traum ist eine Union, die uns so miteinander vereint, wie es die europäische Union tut“, sagt Almukdad. „Eine Union mit ähnlicher Innen- und Außenpolitik der Mitgliedsstaaten, die zusammen eine große Wirtschaftsmacht bilden. Ein Verbund, dessen Bürger sich über die Staatsgrenzen hinweg sicher, einfach und frei hin und herbewegen können.“ Das wird, so fürchtet der Journalist, ein Traum bleiben.

Reisefreiheit ist nicht selbstverständlich

Viele Europäer halten die Reise- und Meinungsfreiheit für selbstverständlich – welch hoher Wert das ist, wissen Geflüchtete oft besser zu würdigen. In einer neuen Tagesspiegel-Beilage unter dem Titel „Wir in Europa“ schreiben Exiljournalisten über ihre Eindrücke von der neuen europäischen Heimat: Wie verändern sich die Neuankömmlinge durch die Auseinandersetzung mit den Einheimischen? Welche Befürchtungen haben sie vor der Europawahl? Wie halten syrische Familien, die in verschiedenen europäischen Ländern gelandet sind, miteinander Kontakt? Verändert sich die Persönlichkeit durch das Erlernen einer neuen Sprache? Und was können Geflüchtete tun, um den Rechtsruck aufzuhalten?

Versteh einer die Deutschen!

Die neue Beilage wird am 24. Mai, zwei Tage vor der Europawahl erscheinen. Zur Launch-Party am selben Abend sind Tagesspiegel-Leser herzlich eingeladen: Sie können mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommen und außerdem den syrischen Youtuber und Autor Firas Alshater erleben, der gerade ein neues Buch veröffentlicht hat: „Versteh einer die Deutschen! Firas erkundet ein merkwürdiges Land“.

Die Beilage „Wir in Europa“ ist Teil des Projekts #jetztschreibenwir, das der Tagesspiegel in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Bosch-Stiftung seit Herbst 2016 durchführt. Exiljournalisten kommen zu Workshops ins Tagesspiegel-Haus und schreiben Beilagen zu Themen wie „Freiheit“ (September 2017), „Heimaten“ (Juni 2018) oder jetzt „Europa“. Aus dem mehrfach preisgekrönten Projekt hat sich die Veranstaltungsreihe „Diwan“ entwickelt, in der Autoren über Integration und Flucht sprechen.

Firas Alshater sieht "Kartoffelhelden"

Firas Alshater, der mit seiner Videoreihe „Zucar“ zum Youtube-Star wurde, war schon im März 2017 im „Diwan“ zu Gast – damals hatte er gerade sein erstes Buch „Ich komm auf Deutschland zu“ veröffentlicht. Mit dem Buch und seinen Videos hatte er so großen Erfolg, dass er auf Lesereisen inzwischen das ganze Land kennen gelernt hat – und darüber gleich ein neues Buch geschrieben hat. Auf humorvolle Weise erzählt er darin, wie er sich in fünf Jahren Deutschland verändert hat und was ihn hier noch immer erstaunt. Die Bilanz über das merkwürdige Land, in dem, wie er es nennt, „nicht Kartoffeln, sondern Kartoffelhelden“ leben, fällt eindeutig positiv aus. „Deutschland ist so, wie ich mir Syrien gewünscht habe, als ich dort auf die Straße zu den Demos gegangen bin.“ Die Aufnahmebereitschaft der Menschen und die Freiheit haben ihn überzeugt.

Deutsch klingt so vertraut

Eine ähnliche Erfahrung hat Hareth Almukdad gemacht, als er kürzlich in Brüssel war, um dort auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Tagesspiegel-Beilage zu recherchieren. „Wenn ich im Ausland plötzlich Menschen Deutsch sprechen höre, dann fühlt sich das gut an: Ah, das ist vertraut! Deutschland und Europa sind für mich eine neue Heimat geworden.“

BUCHVERLOSUNG

Wir verlosen Exemplare des Buchs von Firas Alshater. Mitmachen können Sie bis zum 24. April unter dem Stichwort: Salon.

Diwan-Launch-Party zur Beilage „Wir in Europa“, mit Firas Alshater und den Autorinnen und Autoren der Beilage, Freitag, 24. Mai, 19 Uhr, Eintritt frei, Infos und Anmeldung.

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