Hallo Zukunft! Kinder wünschen sich in der Schule mehr Freiheiten und die Möglichkeit, mitzuentscheiden Foto: Imago
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Die Traumschule von Kindern und Jugendlichen „Mein Druck soll sich in Spaß verwandeln"

Wie würde der Unterricht gestaltet sein, wenn Schülerinnen und Schüler entscheiden könnten? Wir haben nachgefragt

Die kleine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen sollte vor allem einen Text ergänzen, den wir in unserer Samstagsbeilage Mehr Berlin geschrieben haben. Die Reportage behandelt die Frage, wie eigentlich die Schule der Zukunft aussehen müsste und warum die Pandemie eine Chance für einen grundsätzlichen Wandel sein könnte. Den Text finden Sie hier als T+-Angebot (Abo).

Malia, 11 Jahre, Grundschule: Es gibt ganz viel Kunstunterricht, und man kann sich an manchen Tagen auch untereinander aussuchen, was man malen will. Zum Beispiel abstrakte Kunst oder Tiere… Ach ja, ich hätte auch total gerne Tanz als Schulfach.

Fritzi, 9 Jahre, Grundschule: Ich wünsche mir eine Schule, in der sich mein Druck in Spaß verwandelt. Schule, Freizeit und Spielen sollten gleichen Raum einnehmen; in der Traumschule fühle ich mich sicher, werde nicht gedemütigt und habe keine Angst vor Bewertungen. Schulessen und Pausen sind so wichtig wie Mathe und Deutsch. Es ist Platz für Schmerz, wenn man eine Freundin verloren hat oder der Hund gestorben ist oder die Oma, und wo man darüber redet, was es für ein Kind bedeutet, den schlechtesten Test von allen geschrieben zu haben; was es überhaupt bedeutet, sich vergleichen und bewertet lassen zu müssen.

Hannah, 17 Jahre, Oberschule: Die Lust zum Lernen, die jedem Kind innewohnt, sollte nicht durch diesen andauernden Leistungsdruck erstickt werden. Jedes Kind weiß heute, dass es nur ein gutes Leben führen kann, dass es nur etwas wert ist, wenn es abliefern kann. Aber Menschen sollten mehr sein als nur Maschinen. Es sollte darum gehen, die Gemeinschaft weiterzubringen. Aber allein schon die Benotung an Schulen macht uns alle zu Einzelkämpfern. Da ist es kein Wunder, dass wir später perfekt ins System passen, weil wir leise bleiben, wegschauen, nicht aufmucken.

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Mathilda, 7, Grundschule: Ich hätte am liebsten Schauspiel und Gesang als Schulfach. Das wäre toll. Und wenn wir dann auch mal richtige Sänger oder so hätten, die uns das beibringen. Dann hätten wir bestimmt viel Spaß.

Ronja, 9, Grundschule: Es wäre toll, wenn wir bei gutem Wetter öfter draußen lernen - auf einer Terrasse, auf dem Schulhof oder im Park. Außerdem sollten Lehrer etwa bei Mathe mehr Geschichten zu den Zahlen erzählen oder auch mehr Pantomime zur Erklärung machen. Außerdem sollte es in unserer Schule einen Discoraum geben.

Was sind die Kompetenzen der Zukunft? Leistungseffizienz oder soziale Intelligenz? Foto: Imago Vergrößern
Was sind die Kompetenzen der Zukunft? Leistungseffizienz oder soziale Intelligenz? © Imago

Fritz, 12 Jahre, Grundschule: In der perfekten Schule würde der Unterricht häufiger draußen stattfinden und man würde weniger aus Büchern lernen, sondern mehr aus Erlebnissen z.B. bei Ausflügen. Die Lehrer könnten mehr Spaß beim Unterrichten haben und auch mal Witze machen. Vielleicht wären die Räume größer und flexibler, auch mit ruhigen Ecken oder Pflanzen.

Frieda, 14, Oberschule: Meine Traumschule sollte eine gute Balance zwischen Partnerarbeit (zwei Personen), Gruppenarbeit (mehr als zwei Personen) und Einzelarbeit haben, modern sein, d. h. die Schule hat einen zuverlässigen Internetzugang, um im Unterricht auch Erklärvideos zeigen zu können, einem durch Hausaufgaben unter anderem auch das Recherchieren beibringen.

Maxim, 11, Grundschule: Meine Traumschule hätte keine Bücher und Hefte mehr. Jeder Schüler hätte ein iPad. Man soll als Schüler seine Meinung sagen dürfen. Es müsste einen Schülerrat geben, wo alle Probleme gesagt werde dürfen. Man dürfte Unterrichtsstunden frei wählen dürfen (nur Mathe, Englisch, Deutsch als Pflichtfach), die Lehrer sollten lockerer sein, keine Hausaufgaben mehr und nicht so lange Unterricht, bequeme Stühle, mehr aktuelle Themen und ganz viel Sport; und ein Fach mit Allgemeinbildung.

Felix, 10 Jahre, Oberschule: Jeder darf sich seinen Stundenplan selbst machen und sich die Hälfte der Themen aussuchen. Die Anzahl der Stunden ist auf sechs pro Tag festgelegt. Es gibt zwei große (30 Minuten) und drei kleine (10 min) Pausen. Mindestens eine Deutsch-, drei Mathe-, eine Englisch- und zwei Sportstunden pro Woche.

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Peer, 11, Grundschule: In meiner Traumschule teilt man sich die Stundenpläne gemeinsam mit dem Lehrer ein, zum Beispiel zuerst Sport, dann Mathe, man kann sich aussuchen, ob man digital lernen will oder mit einem Lehrer. Der Schulhof ist riesig. Es gibt eine eigene Küche. Mit sehr gutem Essen, aber der Haken ist, man muss es selber kochen…

Anna, 13 Jahre, Oberschule: „Kunst und Musik sollten nicht benotet werden, da man dann seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Der Unterricht sollte um handwerkliche Methoden und Dinge, die man im Alltag braucht, erweitert werden. Digitalisierung finde ich nicht so bedeutsam, ich mag es, mit den anderen zusammen zu lernen mit Tafel und Büchern.

Vincent, 16, Oberschule: Es sollte mindestens immer Doppelstunden geben oder alle Stunden eines Faches hintereinander. So bleibt man im Thema und muss nicht die ganze Zeit zwischen Themen springen. Außerdem: Viel Material verwenden, das nicht aus dem Schulbuch ist, das fördert das Lernen von eigener Recherche, ist dann nicht so monoton.

Johannes, 11 Jahre, Grundschule: „Jeder Klassenraum sollte ein Smartboard haben und jede Schule einen guten Computerraum. Die Lehrer müssen menschlich bleiben, ich möchte keine Roboter-Lehrer, sondern mehr Menschlichkeit im Unterricht. Lehrer dürfen Kinder nicht vor der Klasse bloßstellen und dürfen sie nie diskriminieren oder mobben.“

Bisher sind alle auf die Ziffernoten trainiert und fixiert, Eltern, Schüler und Lehrende. Foto: Imago Vergrößern
Bisher sind alle auf die Ziffernoten trainiert und fixiert, Eltern, Schüler und Lehrende. © Imago

Jakob, 16 Jahre, Oberschule: „Schule hängt viel zu viel von einzelnen Lehrern ab, die man gut oder weniger gut findet. Wenn sich Lehrer grundsätzlich für ihre Schüler interessieren würden und nicht nur dafür, wie sie zu bewerten sind, würde das vieles entspannen, es wäre ein Miteinander und nicht so oft ein Gegeneinander. Jetzt vergibt der Lehrer Noten oft auch nach Sympathie, Lehrer sehen nicht den Schüler mit Stärken und Schwächen, den ganzen Menschen, sondern nur die einzelne Leistung. Die Bewertungen sind kaum verständlich und schwammig. Hier würde ich mir ein transparenteres Bewertungssystem für die mündlichen Noten wünschen.

Pauline, 9 Jahre, Grundschule: „An meiner Traumschule würde ich gerne viel über Tiere, auch exotische Tiere lernen. Es gäbe einen Streichelzoo mit Haustieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Schweinen, Schafen und Ziegen, um die sich die Klassen kümmern. Alle Kinder könnten in einem großen Schulgarten arbeiten und lernen. Man könnte auch in einer Schulküche kochen und backen lernen.“

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Nico, 11 Jahre, Grundschule: Ich finde Mathe, Deutsch, Englisch, Biologie und Geschichte sind wichtig. Leise Musik im Hintergrund, kleine Lerngruppen, mehr Medienbildung, Klassenarbeiten/Tests auf dem Computer schreiben. Mehr Sport und die Themen sollen nicht immer so durchgerattert werden. Die Lehrer sollten cooler sein und auch mal uns zuhören.

Paula, 16 Jahre, Oberschule: Ich wünschte mir viel praktisches Arbeiten, mehr Themen des Alltags (z.B. Wirtschaft, Finanzen, Erste Hilfe), mehr offene Arbeit und Gruppenarbeit, viele Exkursionen.

Johanna, 17 Jahre, Oberschule: Jede:r lernt in seinem Tempo; Lehrer:innen sind Lernbegleiter:innen, d.h. die Schüler:innen erarbeiten sich so viel wie möglich selbst (behalten es so auch besser) und werden bei Schwierigkeiten von anderen Schüler:innen oder Lehrer:in unterstützt; Unterricht und Miteinander der LuL und SuS auf Augenhöhe; Die Schüler:innen partizipieren an der Themenwahl und die Unterrichtseinheiten werden fächerübergreifend verknüpft

 

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