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Der Firmensitz der Vonovia-Wohnungsgesellschaft in Bochum.  Foto: imago images/Cord
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Update Zusammenschluss der Großkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen bieten Berlin 20.000 Wohnungen zum Kauf an

Das Dax-Unternehmen Vonovia will die Deutsche Wohnen schlucken - und Wohnungen an das Land abtreten. Es geht vor allem um Sozialwohnungen in Großsiedlungen. 

Die beiden Chefs der börsennotierten Wohnungskonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen (DW) haben in einer Telefonkonferenz am Dienstag gemeinsam für den Zusammenschluss der Dax-Konzerne geworben: Rolf Buch von der Vonovia versprach einen "Neuanfang" in der Kommunikation mit der "Stadtgesellschaft" und eine Mäßigung bei der Anhebung der Mieten bis zum Jahr 2026. 

Dem Land Berlin wollen die Konzerne Wohnungen zum Kauf anbieten. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz sprach Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) von rund 20.000 Wohnungen. Der Kaufpreis werde über den 2,1 Milliarden Euro liegen, die Berlin für die Übernahme des Stromnetzes bezahlt. 

Ein nennenswerter Teil der Wohnungen liegt in Großsiedlungen und es handelt sich um Sozialwohnungen. Mehr Wohnungen in kommunaler Hand bedeuteten mehr Einfluss auf sozialverträgliche Mieten und mehr Sicherheit für viele Menschen. 

Die sechs landeseigenen Firmen sollen die Immobilien kaufen und mit Krediten finanzieren: "Unsere Unternehmen sind starke, leistungsfähige Unternehmen, die Wert erwerben", sagte Müller dazu. Die Wohnungen würden "zum Ertragswert" gekauft".

Der Zusammenschluss sowie das "Berliner Paket" dient laut den Wohnungskonzernen nicht dazu, die erfolgreich gestartete Volksinitiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen" abzuwenden. Die Vonovia wird den Aktionären der Deutschen Wohnen ein Übernahme-Angebot unterbreiten.

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Michael Zahn, Chef der Deutschen Wohnen, empfiehlt seinen Anlegern, das Angebot anzunehmen. Vonovia biete 52 Euro für jede Deutsche-Wohnen-Aktie, einschließlich der Dividende für das Jahr 2020 winken den Anteilseignern des vor allem in Berlin vertretenen Unternehmens damit 53,03 Euro. Insgesamt will sich Vonovia die Fusion 18 Milliarden Euro kosten lassen. 

Beim letzten Versuch einer Übernahme im Jahr 2015 war das Vorhaben noch am Widerstand der Deutsche Wohnen gescheitert, weil Aktionäre nicht in ausreichender Zahl ihre Papiere verkaufen wollten. Die Lage sei heute anders, sagte Zahn, aufgrund der energetischen Modernisierung und der Notwendigkeit, Wohnraum zu schaffen.

In Berlin wollen die Konzerne in den kommenden drei Jahren die Mieten um maximal ein Prozent im Jahr erhöhen. In den beiden darauffolgenden Jahren seien die Erhöhungen auf die Entwicklung der Inflationsrate begrenzt. Zudem sollen die Kosten für die Sanierung des Wohnungsbestandes zum Energiesparen nicht voll auf die Mieter umgelegt werden.

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Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam zum größten privaten Entwickler von Wohnungen in Deutschland werden. Von den gut 150.000 Wohnungen von Deutsche Wohnen liegen 113.000 in Großraum Berlin, bei Vonovia sind es 43.000 von mehr als 400.000. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen.  

„Größe ist, wenn sie richtig genutzt wird, eine gute Nachricht für die Mieter“. Die beiden Konzerne wollten durch ihr „Angebot an die Berliner Politik ein Zeichen setzen“. Vom politischen Wohlwollen ist die Übernahme indes nicht abhängig, sondern einzig und allein von den Aktionären. Mehr als 50 Prozent müssen zustimmen, damit die Transaktion zustande kommt.

Auf Rückforderung von Mieten nach dem Wegfall des "nichtigen" Mietendeckels will die Deutsche Wohnen nicht verzichten, anders als die Vonovia. DW-Chef Zahn versprach aber, die Forderungen gegen seine Mieter auf 24 Monate zu strecken. Auch werde es bei der Deutschen Wohnen keine Mieterhöhung in diesem Jahr geben.

Buch sieht keine marktbeherrschende Stellung

Sollte die Übernahme gelingen, entstünde ein neuer Wohnungsriese in Deutschland. Eine marktbeherrschende Stellung sieht Vonovia-Chef Buch trotzdem nicht: "Es gibt 20 Millionen Mietwohnungen in Deutschland, das Unternehmen hat dann 500.000 Wohnungen. Als Marktführer ist das ein kleiner Marktanteil." 

In den allermeisten Städten, auch in Berlin, sei der "kommunale Sektor doppelt so groß wie das neue Unternehmen". Die Konzernchefs wollen die Berliner und alle Mieter in den Unternehmen durch einen "Neuanfang" in der Kommunikation mitnehmen. 

Hier seien bereits "erhebliche Fortschritte" gemacht worden. Letztlich sei die "Mieterzufriedenheit ein wesentlicher Schlüssel" für den unternehmerischen Erfolg und das hänge davon ab, "ob Mieter bei uns gut aufgehoben sind oder unzufrieden".

Linke: "Für Mieter ändert sich nichts zum Guten"

Die Linken-Bundesvorsitzende Janine Wissler betonte, der „Wohnungspoker“ müsse enden: „Durch die Übernahme eines Miethais durch einen anderen ändert sich für die Mieterinnen und Mieter nichts zum Guten“, sagte Wissler dem Tagesspiegel. Vonovia habe als Vermieter keinen besseren Ruf als die Deutsche Wohnen: „Das Ziel beider Konzerne bleibt die maximale Rendite.“ Die Linke spricht sich für einen bundesweiten Mietendeckel und die Enteignung von Immobilienkonzernen aus.

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