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Die Herbstpracht täuscht. Der Berliner Wald ist krank. Foto: Paul Zinken/dpa Foto: picture alliance/dpa
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Wie geht es den Berliner Wäldern? „Bäume können nicht einfach ihre Jacke ausziehen, wenn es ihnen zu warm wird“

Fanny Oppermann

Berlins Wäldern geht es immer schlechter, nur noch ein Bruchteil ist gesund. Woran liegt das – und gibt es Rettung?

Gar keine Schäden, das kommt nur noch bei sechs Prozent aller Bäume vor. Das ergab der Waldzustandsbericht, der am Montag von Berlins Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) und dem Leiter der Berliner Forsten, Gunnar Heyne, vorgestellt wurde.

Seit der extremen Trockenwelle im Jahr 2018 hat sich der Zustand der Wälder rapide verschlechtert und die Bäume erholen sich nur sehr langsam. Grund für diese Trockenheit ist der menschengemachte Klimawandel. Trockenperioden, zu heiße Sommer und zu wenig Niederschlag sind Klimawandelfolgen und bedrohen die Wälder. Der Zustand eines Waldes wird in drei Kategorien eingeteilt: Ohne Schäden, Warnstufe und deutliche Schäden. Zwar sank die Rate der Bäume mit deutlichen Schäden dieses Jahr um zwei Prozent auf 34, aber genauso verkleinert sich auch der grüne Bereich von gar keinen Schäden um ein Prozent. Die größte Rate pendelt sich in der Mitte ein, also im gelben Bereich „Warnstufe“, dort steigt die Anzahl der Bäume um drei Prozent auf 60 Prozent. „Eine Tendenz zur Mitte wollen wir auf gar keinen Fall“, sagt Gunnar Heyne. „Der Zustand, den ich gerne wieder hätte, wäre der aus dem Jahr 1996.“ Doch bis sich die Berliner Wälder wieder so weit erholt haben, dass statt sechs Prozent aller Bäume 42 gesund sind wie 1996, werde es noch eine Weile dauern. Denn Bäume „reagieren nach“, erklärt Heyne. „Bäume sind nicht wie wir Menschen. Die können sich nicht die Jacke an und aus ziehen, wenn es ihnen zu kalt oder zu warm wird. Die brauchen länger, um auf Umweltbedingungen zu reagieren.“

Für die Bäume sei es am besten, auf Mischwälder zu setzen, was momentan das größte Projekt der Förster ist und worin immer mehr Geld investiert wird (zuletzt 1,6 Millionen Euro). In Deutschland gibt es zwei Hauptbaumgruppen: Die Nadel- und die Laubbäume. Bei den Nadelbäumen ist die Kiefer die häufigste Baumart und bei den Laubbäumen die Eiche. Momentan geht es erst einmal darum, die Kiefer, der mit 60 Prozent meist verbreitete Baum in Deutschland, etwas einzudämmen. Seit 2017 wurden deshalb 1,9 Millionen Laubbäume gepflanzt, auf 810 Hektar Wald. „Denn eigentlich sollte das Verhältnis zwischen Laub- und Nadelbäumen genau andersherum sein. Mehr Laub und weniger Nadeln.“

Zwar hat sich die Kiefer in diesem Jahr etwas erholt und der Zustand der Eiche hat sich wiederum verschlechtert, „aber da sollte man nicht zu viel hineinlesen, denn das sind vor allem alte Eichen, die in der Messung vorkommen“, sagt Heyne. „Die neuen Eichen, die wir pflanzen, kennen die Bedingungen und passen sich an.“ Es ist nämlich so, dass „Laubbäume jährlich ihre Blätter abwerfen, Nadelbäume bilden wiederum jedes Jahr neue Nadeljahrgänge. Dadurch sind Laubbäume anpassungsfähiger und gerade Kiefern sollten eigentlich nur bei schlechten Verhältnissen zur Bestückung eingepflanzt werden“, sagt Heyne. Zum Glück habe man ein Potenzial an einheimischen Baumarten, das „noch lange nicht ausgenutzt“ sei, freut er sich. „So können wir hoffen, dass, falls manche absterben, andere überleben.“

Indem man die Nadeljahrgänge der Nadelbäume zählt und den Kronenzustand der Laubbäume untersucht, erkennt man, wie gut es dem Baum geht. Wenn die Bäume gestresst sind, nicht genug Nährstoffe bekommen oder es zu heiß ist, wie in den letzten Jahren, dann werfen sie ihre alten Nadeljahrgänge, die sie normalerweise behalten, ab. Diese können sich dann nicht wieder nachbilden und der Baum braucht etwa drei bis vier Jahre, um sich wieder zu erholen.

Pilze, Vergilbungen und Misteln sind alles Nebeneffekte eines schlechten Kronenzustands. Leider ist der Mistelbefall aktuell weiter steigend und liegt 2021 bei etwa 19 Prozent. Auch der Vergilbungsanteil verblieb in den Jahren zuvor meist unter zwei Prozent, doch 2020 und 2021 zeigte sich ein erhöhter Anteil an Buchen von über zehn Prozent. Obwohl sich dieses Jahr die Lage insgesamt minimal verbessert hat, reicht das noch lange nicht aus, um von einer Entwarnung zu sprechen, findet Umweltsenatorin Günther. Auch Gunnar Heyne zeigt sich weiterhin besorgt: „Es sterben einfach immer noch zu viele Bäume ab.“ Fanny Oppermann


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