Kopiert. Ein Ausschnitt des Motivs, gesehen in der Karl-Kunger-Straße. Foto: Magdalena Thiele
© Magdalena Thiele

„Weil wir euch hassen“ Linke Szene wendet sich gegen die BVG

Sprüherei in der U-Bahn, Fake-Plakate an Haltestellen: Warum die linke Szene gerade gegen die BVG mobil macht.

Die Ansage an die BVG ist unmissverständlich. „Weil wir euch hassen“, heißt es in einem Aufruf der linken Szene. An Haltestellen wurden sogar Plakate im Stil der BVG mit diesem Spruch aufgehängt. Eines davon hängt an einer Bushaltestelle in der Karl-Kunger-Straße in Alt-Treptow. Im Sommer schon hatten Unbekannte die Parole „Wer stoppt die Rüpelkontrolleure?“ in großen Lettern auf einen Waggon der U-Bahn gesprüht. Vor Gericht stehen ab Donnerstag allerdings keine Kontrolleure. Angeklagt sind drei Personen, die BVG-Kontrolleure angegriffen und einem mutmaßlichen Schwarzfahrer damit zur Flucht verholfen haben sollen.

Eintrag auf Indymedia

Das linksextremistische Internetportal „Indymedia“ nennt diesen Hergang: „Am 27. April wurden 5 Personen in Kreuzberg festgenommen nachdem drei Kontrolleure der BVG lernen mussten, dass ihr Handeln nicht immer ohne Konsequenzen bleibt. Sie hatten im Bus der Linie M29 mehrere Menschen wegen 2,80 Euro bedrängt und misshandelt. Eine Person hatte versucht, aus ihren Fängen zu entkommen. Durch das beherzte Eingreifen einiger Anwesender konnte sich die Person letzten Endes aus dem Staub machen. Nun stehen 3 Menschen dafür vor Gericht.“

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Laut Gerichtssprecherin Lisa Jani richtet sich der Prozess „gegen drei Personen, die gegenüber Kontrolleuren der BVG gewalttätig geworden sein sollen. Eine der Angeklagten soll einem der Geschädigten unter anderem die Dienstausweise entwendet haben.“

Anklage wegen gefährlicher Köperverletzung

Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Diebstahl. In einer längeren Begründung benennen die Aktivisten die Gentrifizierung in Kreuzberg als Hintergrund: „Die Entwicklung im Kiez ist beschissen.“ Touristen hätten genug Geld für die Fahrkarten, viele Kreuzberger nicht mehr. Deshalb gelte diese Parole: „Helft euch gegenseitig den Kontrollettis zu entkommen! Für den Nahverkehr muss mensch nicht bezahlen.“

Die Befreiung des angeblichen Schwarzfahrers fand in der Reichenberger Straße in Kreuzberg statt, und zwar genau vor den Räumen der „Anarchistischen Bibliothek „Kalabal!k“. Die Aktivisten der Bibliothek haben nach dem Vorfall im M29 ebenfalls ein Pamphlet gegen die BVG ins Netz gestellt.

Prozess läuft seit August - im Hochsicherheitstrakt

Der Prozess hatte bereits im August begonnen. Da einer der als Zeugen geladenen Kontrolleure nicht erschienen war, wurde er vertagt. Wegen der Mobilisierung in der Szene findet er in Hochsicherheitssaal 101 statt, vier Prozesstage sind angesetzt. In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Prozesse gegeben, meist gegen renitente Schwarzfahrer, aber auch gegen gewalttätige Kontrolleure.

S-Bahn zog Kontrolleure ab

Im Sommer 2018 gab die S-Bahn zu, dass seit 2017 etwa 30 Kontrolleure eines privaten Dienstleisters wegen Fehlverhaltens abgezogen worden seien. Zuvor waren drei Kontrolleure nach einer Prügelattacke auf einen Fahrgast wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Zwei andere Mitarbeiter wurden verurteilt, weil sie Touristen 60 Euro abgenommen – und das Geld behalten hatten. Dies war so häufig passiert, dass die S-Bahn darauf den Kontrolleure verboten hat, bei Schwarzfahrern die 60 Euro in bar zu kassieren.

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