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Der Senat hat große Pläne für das Areal rund um das Olympiastadion. Foto: picture alliance/Ole Spata/dpa
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„Vision 2030“ Berliner Senat hat große Pläne für den Olympiapark

Der Olympiapark soll wiederbelebt werden. Die Gesamtkosten werden auf 562 Millionen Euro geschätzt. Im Januar kommen die Pläne in den Hauptausschuss.

Der Dornröschenschlaf des ehemaligen Reichssportfeldes dauert nun schon seit 1994 an. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es lange Zeit Hauptquartier der britischen Alliierten. Seit ihrem Abzug wird das 130 Hektar große Gelände, das für die Olympischen Spiele 1936 angelegt wurde und als eine der bedeutendsten und größten Sportanlagen des 20. Jahrhunderts gilt, zwar von Freizeit- und Leistungssportlern genutzt, doch der als Gartendenkmal geschützte Park ist für viele Berliner und Besucher der Hauptstadt trotz guter Verkehrsanbindung ein weißer Fleck auf der Karte geblieben. 

Fußballfans kennen das Olympiastadion, Konzertbesucher die Waldbühne, aber das ist es auch schon. Ein 2004 vom Senat beschlossenes „Leitkonzept für das Olympiagelände“, um aus dem landeseigenen Filetstück im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ein „einzigartiges Areal für Sport, Kultur und Freizeit“ zu machen, wurde nie umgesetzt.

Jetzt gibt es ein neues Gesamtkonzept zur Sanierung und Modernisierung der Sportflächen und der Gebäude, aber auch zur Öffnung für ein breites Publikum. „Vision 2030“ ist dieser Masterplan überschrieben, der im Januar dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorgelegt wird. Es wird aber mindestens bis 2050 dauern, um alle Pläne für die Wiederherstellung und den Ausbau des Parks vollständig umzusetzen.

Das liegt auch an den Kosten, die von der fachlich zuständigen Senatsverwaltung für Inneres und Sport derzeit auf 562 Millionen Euro geschätzt werden. Man kann nach den bisherigen Erfahrungen mit Berliner Großprojekten also getrost davon ausgehen, dass die angestrebte Neugestaltung des Olympiaparks zum „Schaufenster für ein zeitgemäßes Sportverständnis“ eher ein Milliardenprojekt wird.

Bisher sah die Finanzplanung des Landes Berlin sechs Millionen Euro Investitionsmittel pro Jahr für den Olympiapark vor. Diese Summe müsste auf jährlich etwa 20 Millionen Euro aufgestockt werden, damit es nicht bei der Vision bleibt. Der Haushaltsgesetzgeber, also das Berliner Abgeordnetenhaus, muss im nächsten Jahr entscheiden, ob es die Finanzmittel entsprechend aufstocken will.

Auch ein Tourismuskonzept soll vorgelegt werden

Zunächst einmal sind ganz pragmatische Wünsche der rund 4200 Sportler zu erfüllen, die das Areal aktuell nutzen. Das sind beispielsweise Fuß- und Wasserballer, Fünfkämpfer und Leichtathleten, Turner und Basketballer, Boxer und Radsportler. Aber auch die Träger der Jugendsozialarbeit oder des Behindertensports.

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Sie wollen mehr Funktions- und Sanitärgebäude, ein besseres Wegeleitsystem auf dem riesigen Gelände, eine Verbesserung des (fast nicht vorhandenen) gastronomischen Angebots oder ein leistungsfähiges W-Lan-Netz.

Kritik gibt es am Autoverkehr auf dem Gelände, stattdessen schlagen die Nutzer des Olympiaparks Mietstationen für Fahrräder und E-Fahrzeuge vor. Es gibt auch die Idee, für Jogger mehrere Laufstrecken einzurichten.

Um die öffentliche Wahrnehmung des Parks, der einen Ausflug allemal lohnt, deutlich zu verbessern, soll eine Website aufgebaut und ein Parkmanagement eingerichtet werden. Eine Informationsstelle für Besucher und ein Projektbüro könnten im sogenannten Clubhaus, einer sehr schön gelegenen und repräsentativen Villa, untergebracht sein.

So soll die langfristige Entwicklung des Geländes rund um das Olympiastation aussehen. Quelle: Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Grafik: Tsp/Klöpfel Vergrößern
So soll die langfristige Entwicklung des Geländes rund um das Olympiastation aussehen. © Quelle: Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Grafik: Tsp/Klöpfel

Auch ein Tourismuskonzept soll erarbeitet werden: Während das Olympiastadion jährlich von 300.000 Gästen aufgesucht wird, profitiert der Olympiapark davon kaum. „Über die Vision 2030 hinaus ist der Nutzungsmix im Olympiapark weiter auszubauen sowie eine konsequente Weiterentwicklung des Tourismus- und Eventkonzepts zu fördern“, verspricht die Sportverwaltung des Senats, die für die Erarbeitung des Konzepts die "PROPROJEKT Planungsmanagement & Projektberatung" in Frankfurt/Main beauftragt hat.

60 Millionen Euro für dringlichste Instandsetzungen

Der dringlichste Instandsetzungsbedarf für die Gebäude im Olympiapark, die großenteils in einem bedauernswerten Zustand sind, wird bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf rund 60 Millionen Euro geschätzt.

Allein die Sanierungsarbeiten am Haus des Deutschen Sports und am Haus der Deutschen Turnerschaft werden fast 35 Millionen Euro verschlingen. Bewilligt ist bisher nur der Neubau einer Sporthalle für die Eliteschule des Sports (Poelchau-Schule), der neun Millionen Euro kosten soll.

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Für die sportlichen Hauptnutzer sollen die großenteils wildwüchsig entstandenen und örtlich verstreuten Trainings- und Spielflächen „geclustert“ werden. Außerdem will der Senat neue olympische und paralympische Sportarten auf dem Gelände ansiedeln. Gedacht ist beispielsweise an eine Anlage fürs Skateboarden und andere Trendsportarten, einschließlich Büros für die dazugehörigen Vereine.

Der Pferdesport soll neuen Schub bekommen. Zwar gibt es zwei Reitvereine im Park, doch das alte Reiterstadion samt baulich hinfälliger Tribüne wird nach den Plänen wiederbelebt, um dieser Sportart an einem traditionellen Standort über die Hürden zu helfen. Das alte Tanklager-Areal, das die Briten hinterlassen haben, steht dort unschön im Weg und wird abgerissen.

Schwimmstadion soll saniert und ausgebaut werden, das historische Familienbad abgerissen

Das Potenzial des Maifelds, einschließlich Tribüne und Glockenturm, soll besser ausgeschöpft werden – unter anderem mit dem neuen Sportmuseum als Hauptattraktion, das voraussichtlich im September 2023 nach langem Streit um das Konzept und mehrfach veränderter Bauplanung eröffnet.

Das bei den Charlottenburgern als Freizeitbad sehr beliebte Olympia-Schwimmstadion soll endlich vollständig saniert und ausgebaut, das historische Familienbad hingegen abgerissen werden. An dessen Stelle könnte ein großzügig angelegtes Wasser- und Wellenbecken entstehen, das auch professionellen Surfern gute Trainingsmöglichkeiten bietet. Noch immer nicht geklärt ist, ob die maroden Tribünen des Olympia-Schwimmstadions für teure 36 Millionen Euro wiederhergestellt, nur teilkonserviert oder zugunsten eines neuen Hallenbads beseitigt werden.

Die öffentliche Debatte um die baulichen und künstlerischen Relikte der Nazizeit wird im Konzept für den Olympiapark nicht wieder aufgegriffen. Im Mai hatte der ehemalige Stadtentwicklungssenator und SPD-Landeschef Peter Strieder einen „grundsätzlichen Wandel im Umgang mit dem baulichen und künstlerischen Erbe von 1936“ gefordert.

Die Kultur-, die Innen- und Sportverwaltung des Senats vertreten jedoch die Ansicht, dass der Umgang mit der NS-Bau- und Kulturpolitik auf dem Berliner Olympiagelände den bundesweit geltenden Kriterien genügt.

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