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Endlich wieder. Die Karten für die Eröffnung des Museums, das sechs Jahre lang renoviert wurde, waren ausverkauft. Dennoch kamen am Sonntag viele Besucher auch ohne Ticket, um ihr Glück zu versuchen und in die Neue Nationalgalerie hinein zu kommen. Foto: Christophe Gateau / dpa
© Christophe Gateau / dpa

„Viel Kunst – ein bisschen wenige Frauen“ So lief der erste Tag in der Neuen Nationalgalerie

Matthias Ubl

Am Sonntag hat das sanierte Mies-Museum nach sechs Jahren für Besucher wiedereröffnet. Vor Ort gab es viel Lob – aber auch „ein bisschen“ Kritik.

Ein schwarzes Flachdach liegt, getragen von Glaswänden, unter dem grauen Berliner Himmel. Auf dem hellen Platz vor dem Gebäude warten etwa sechzig Menschen in einer Reihe, Einzelne unterhalten sich angeregt, während hinter den Fenstern die Museumsmitarbeiter:innen auf die Uhr blicken. Punkt 10 öffnen sie das erste Mal nach knapp sechs Jahren die gläsernen Türen für das Publikum.

Die von Ludwig Mies van der Rohe (1886 – 1969) entworfene Neue Nationalgalerie wurde in dieser Zeit aufwendig auseinandergenommen, saniert und wieder zusammengesetzt. Durch die Arbeit des Architekten David Chipperfield lässt sich der Bau aus Glas und Stahl in der Nähe des Potsdamer Platzes nun wieder ganz in seiner eleganten Modernität bewundern: „So viel Mies wie möglich“ lautete der Leitspruch von Chipperfields Büro.

Auch zahlreiche Hauptwerke der Klassischen Moderne sind nun wieder dauerhaft in der Nationalgalerie zu sehen. Sie werden in der Ausstellung „Die Kunst der Gesellschaft 1900 - 1945. Sammlung der Nationalgalerie“ in ihrem historischen Kontext erläutert

Schon Wochen zuvor waren die 1500 Tickets für den ersten Besuchertag ausgebucht, wie die Staatlichen Museen mitteilten. Coronabedingt ist der Eintritt derzeit nur über bestimmte Zeitfenster möglich. Einige Kunstinteressierte sind auch ohne Ticket zur Ausstellungseröffnung erschienen. Einige von ihnen haben Glück, da andere Besucher:innen aus der Schlange Karten abzugeben haben, doch die meisten müssen ohne Museumsbesuch wieder abziehen.

„Mit diesem archaischen Geschehen verbunden“

Die Besucher:innen, die es in die Neue National Galerie geschafft haben, sind begeistert: „Die Sache ist so perfekt hier, die Erklärungen zu den Bildern und Skulpturen sind neu, alles ist so neu. Noch keine Laufwege, kein Fingerabdruck am Fenster, keine Spuren, man ist am ersten Tag hier und das erschlägt einen fast“, sagt Bernhard Nebel, Sozialarbeiter, der mit einem Freund gleich am Morgen in die Ausstellung gekommen ist und in der großen hellen Halle steht. „Wenn man dann vor seinen Lieblingsexponaten steht, ist der Rest natürlich weg. Wenn ich vor einem Max Ernst stehe, bin ich mit diesem archaischen Geschehen verbunden“, sagt er. „Es ist schon erstaunlich, was die Nationalgalerie da alles im Depot hat.“

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Auch Birte Kreft, die selbst in der Kunstbranche arbeitet, hat sich über das „Wiedersehen mit den alten Bekannten“ gefreut. Damit meint sie Werke der Ausstellung „Die Kunst der Gesellschaft“, von denen einige auch schon früher in der Nationalgalerie zu sehen waren. „Nur ein bisschen wenige Frauen“, sagt Kreft, und die seien auch oft geliehen. Künstlerinnen habe es viele gegeben, „sie wurden früher allerdings seltener gesammelt.“

Glas, Stahl und Hardcore-Fans

Noch mehr als die Exponate habe Kreft das neue Gebäude begeistert, sagt sie, während sie über die weite Granitterasse läuft. Auch vor der Sanierung sei sie sehr oft in der Neuen Nationalgalerie gewesen, doch die Veränderungen seien spürbar: „Oben kommt das Licht viel besser rein. Man merkt wirklich, das es heller ist. Und unten ist natürlich der Teppichboden schöner! Es ist einfach super, wieder da zu sein.“

Für einen jungen Studenten, der mit zwei Freunden gekommen und erst kürzlich nach Berlin-Mitte gezogen ist, ist es der erste Besuch in der Neuen Nationalgalerie. „Ich bin sehr sehr beeindruckt und vor allem wegen des Gebäudes hier. Ich bin großer Mies-van-der-Rohe-Fan. Ich war schon in Chicago, um seine Bauwerke zu sehen“, sagt er. Die Eingangshalle sei sehr typisch für den Deutsch-Amerikaner, einem der bedeutendsten Architekten der Moderne. Die Ausstellungen seien ebenfalls sehenswert gewesen, sagt der Student, allerdings müsste man Zeit mitbringen: „Es ist wirklich viel Kunst.“

Neben „Die Kunst der Gesellschaft“ sind derzeit noch zwei weitere Ausstellungen in der Neuen Nationalgalerie zu sehen. In der großen, gläsernen Haupthalle sind bis zum 13. Februar Werke des US-amerikanischen Bildhauers Alexander Calder (1898-1976) zu betrachten. Im Untergeschoss lässt sich außerdem die Installation „Rosa Barba. In a Perpetual Now“ durchschreiten. Dort eröffnen Filmausschnitte und Lichtspiele einen ganz eigenen Blick auf das Museum.

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