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Das Geisterrad für den ersten tödlichen Fahrradunfall im Jahr 2021 Foto: Jörn Hasselmann
© Jörn Hasselmann

Unter 31 Verkehrstoten waren neun Radler Fahrradverband fordert Tempo 30 in Berlin

In diesem Jahr wurden bereits neun Radfahrer bei Unfällen getötet. Der Verein „Changing Cities“ wirft dem Senat Tatenlosigkeit vor und fordert Tempo 30.

Neun Radfahrer sind in den ersten neun Monaten und drei Tagen des Jahres 2021 in Berlin gestorben. Am Sonntag hielten ADFC und Changing Cities gleich zwei Mahnwachen ab und stellten zwei Geisterräder auf. Im Pankower Ortsteil Buch war ein 86-Jähriger am 29. September ohne Einwirkung anderer gestürzt und gestorben. Am 1. Oktober wurde eine 29-Jährige in Wedding von einem nach rechts abbiegenden Lastwagen überfahren und getötet.

Fünf der neun Unfälle wurden von Lastwagenfahrern verschuldet, in vier Fällen bogen sie nach rechts ab. Im letzten Polizeibericht wurde der Abbiegevorgang als „unvermittelt“ beschrieben.

Doch auch der andere Unfall ist typisch. Ein 86-Jähriger stürzt, offenbar einfach so. Liegt es daran, dass Radfahrer älter werden? Drei der neun Getöteten waren „Senioren“, wie sie die Polizei nennt, also über 65. Unter den drei Alleinunfällen der Statistik waren zwei Senioren.

Wenn man die Statistik auswertet, sieht man: Es gab auch drei Alleinunfälle, zwei von ihnen waren Senioren. Bei dem 86-Jährigen steht noch eine Obduktion aus, möglicherweise hatte er gesundheitliche Probleme. Die Statistik zählt nur Verkehrstote, wer zuvor zum Beispiel einen Herzinfarkt hatte, wird aus der amtlichen Statistik wieder gestrichen.

Zuvor war ein 77-Jähriger bei einem Sturz tödlich verletzt worden, der auf dem Gehweg einen Poller rammte. Hier hatte ihm eine Baustelle den Weg versperrt. Ein 52-Jähriger kam auf dem Radweg entlang der A113 mit seinem E-Bike vom Weg ab und rammte eine Sitzbank.  

Protestbrief an die Politik

Der Verein Changing Cities hat nach dem Unfall in Wedding einen Protestbrief an die Politik geschrieben. „Liebe Bundestagsabgeordnete, liebe Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses, seitdem Sie vor sechs Tagen gewählt wurden, sind zwei Radfahrende auf den Straßen Berlins zu Tode gekommen“, heißt es darin. Der Verein forderte die Abgeordneten auf, sich für ein Tempolimit einzusetzen. „Machen Sie die Straßen mit Tempo 30 sicherer für alle“, heißt es in dem Schreiben. Denn es starben in diesem Jahr auch acht Fußgänger.

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Insgesamt zählte die Polizei 31 Tote im Verkehr, fünf Motorradfahrer, fünf Autofahrer und drei in anderen Fahrzeugen. Auffallend ist, dass in diesem Jahr der Anteil der sogenannten „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer (Rad und Fuß) mit 54 Prozent deutlich geringer ist als in den Vorjahren. 2020 waren es noch 72 Prozent.

Das Mobilitätsgesetz verpflichtet den Senat, die Örtlichkeiten aller tödlichen Unfälle zu prüfen. So bestätigte die Unfallkommission mittlerweile, was Polizisten bereits am Ort des ersten tödlichen Fahrradunfalls in diesem Jahr festgestellt hatten: dass die Beschilderung für Radler dort falsch und lückenhaft ist. Mittlerweile wurden zum Beispiel zusätzliche Verkehrsschilder aufgestellt.

Neue StVO sieht 70 Euro und einen Punkt vor, wenn Lkw nicht abbremsen

Mit der eigentlichen Ursache beschäftigte sich die Kommission nicht: Abbiegeassistenten sind weiterhin nicht vorgeschrieben. Dass Lkw beim Abbiegen auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen müssen, ist weitgehend unbekannt – und die Nichteinhaltung wird nach der derzeitigen Straßenverkehrsordnung (StVO) auch nicht sanktioniert.

Voraussichtlich soll die neue StVO am 8. Oktober den Bundesrat passieren. Viel zu spät, wie der ADAC am Montag kritisierte. Eigentlich sollte die Verschärfung schon im Frühjahr 2020 gelten, sie scheiterte an Fehlern des CSU-geführten Verkehrsministeriums. Die neue Fassung sieht 70 Euro und einen Punkt vor, wenn Lkw-Fahrer nicht abbremsen – wenn die Polizei es sieht.

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