Teilnehmer der Demo haben sich auch nahe dem Alexanderplatz zu einer Menschenkette aufgestellt. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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„Unteilbar“-Demo in Berlin Polizei zufrieden – „Hygienekonzept ist vollends aufgegangen“

Tausende haben am Sonntag in Berlin mit einer Menschenkette gegen Rassismus demonstriert. Auch Politiker und Geistliche nahmen teil.

Tausende Menschen standen an diesem Sonntag auf Berlins Straßen, verbunden durch grüne, blaue und orangene Plastikbänder. Die ungefähr neun Kilometer lange Menschenkette symbolisierte ein „Band der Solidarität“. Sie führte quer durch die Stadt vom Brandenburger Tor bis nach Neukölln.

Demonstriert wurde unter anderem für eine solidarische Gesellschaft - gegen Rassismus, Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit. Mitglieder des eigenen Angaben zufolge aus mehr als 130 Organisationen bestehenden „Unteilbar“-Bündnisses hatten zu der Demo aufgerufen (im Newsblog können Sie den Demo-Sonntag nachlesen).

Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmenden auf 20.000. Die Polizei kam bei ihrer Schätzung am Nachmittag auf etwa 8000 Menschen, gab aber an, dass danach noch weitere Menschen dazugekommen seien, und verwies auf die Zahlen des Versammlungsleiters.

Angemeldet waren 5000 Teilnehmer, Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte aber schon im Vorfeld angekündigt, man sei auf bis zu 20.000 Menschen vorbereitet. Am Nachmittag erweiterten die Veranstalter die Strecke vom Hermannplatz in Neukölln bis auf die Karl-Marx-Straße.

Auch Berliner Politikerinnen und Politiker beteiligten sich. Bündnis 90/Die Grünen, SPD und die Linke hatten jeweils eigene Straßenabschnitte. Dort demonstrierten etwa Franziska Giffey und Raed Saleh gemeinsam, die beiden designierten SPD-Landesvorsitzenden. Auch der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert war dabei.

Auch Helin Evrim Sommer, parlamentarische Geschäftsführerin der Linken im Bundestag, und Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner teilten auf Twitter Fotos vom Protest.

Raed Saleh (l, SPD), Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, und Kevin Kühnert (SPD), Bundesvorsitzender der Jusos, nehmen an der Demonstration gegen soziale Ungerechtigkeiten und Rassismus teil und haben sich einer Menschenkette angeschlossen. Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Raed Saleh (l, SPD), Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, und Kevin Kühnert (SPD), Bundesvorsitzender der Jusos, nehmen an der Demonstration gegen soziale Ungerechtigkeiten und Rassismus teil und haben sich einer Menschenkette angeschlossen. © Jörg Carstensen/dpa
Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin, und Raed Saleh (SPD), Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, machten ebenfalls mit. Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin, und Raed Saleh (SPD), Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, machten ebenfalls mit. © Jörg Carstensen/dpa

Ein Priester, ein Rabbiner und ein Imam des interreligiösen „House of One“ nahmen gemeinsam teil und luden zu einem stillen Gedenken für den bei einem Polizeieinsatz in den USA getöteten George Floyd ein.

Die „Unteilbar“-Demo im Überblick:

  • Tausende demonstrierten mit einer Menschenkette in Berlin gegen Rassismus und Diskriminierung
  • Aufgerufen hatte das aus 130 Initiativen bestehende „Unteilbar“-Bündnis
  • Die Menschenkette führte vom Brandenburger Tor bis nach Neukölln zur Karl-Marx-Straße
  • Die Polizei sprach am Nachmittag zunächst von etwa 8000 Menschen, gab aber an, dass danach noch weitere Menschen dazugekommen seien
  • Die Veranstalter sprachen von 20.000 Teilnehmenden
  • Die Polizei zeigte sich mit der Umsetzung zufrieden: „Es war durchweg positiv, das Hygienekonzept ist vollends aufgegangen“

Am Brandenburger Tor begann die Menschenkette einreihig, später spaltete sich das Band in bis zu vier parallel verlaufene Reihen. So konnten mehr Menschen unter Beachtung der Abstandsregeln teilnehmen, erklärt eine Polizistin.

Auch die Nebenstraßen hätten genutzt werden können, wären noch mehr Menschen gekommen. Dies sei jedoch nicht nötig gewesen.

Bis auf sehr wenige Einzelfälle seien die Corona-Regeln eingehalten worden. Fast alle Demonstrierende trugen einen Mund-Nasen-Schutz und hielten die drei Meter Abstand zueinander ein.

„Ich bin heute hier, weil ich mir die ganze Zeit eine unteilbare Welt der Vielfalt vorstelle, die eine Bereicherung für alle ist“, erzählt Udo Marr, der zusammen mit Frank Mehlhorn in der Menschenkette steht und eine Regenbogenfahne hält.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Zuerst waren sie am Brandenburger Tor, sagt Marr. Dann seien sie ein bisschen weiter Richtung Alexanderplatz gelaufen und hätten hier einen Lücke in der Kette gefunden. „Die mussten wir einfach füllen, damit das gemeinschaftliche Band in Berlin nicht unterbrochen ist. Hoffentlich zieht sich bald eins durch die ganze Welt“, sagt Marr.

Alle 50 Meter stehen Ordnerinnen und Ordner in neongelben Westen, die auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten.

Eine von ihnen ist Aino, die bei „Unteilbar“ aktiv ist und sich auf einen Aufruf gemeldet hat. „Es ist wirklich bewegend zu sehen, wie viele Menschen gekommen sind“, sagt sie. „Alles klappt wirklich super und die Menschen halten sich an die Regeln, ich bin wirklich beeindruckt.“

„Viele verschiedene inhaltliche Forderungen wurden sichtbar“

Zahlreiche Initiativen und Gruppen wollten mit der Aktion ein Zeichen für eine antirassistische, soziale und klimagerechte Gesellschaft setzen. Manche der Teilnehmenden hatten Schilder mitgebracht, die sie in die Höhe hielten oder sich um den Hals hängten.

Eine Teilnehmerin trägt ein Plakat mit der Aufschrift "Racism Kills! #Blacklivesmatter". Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Eine Teilnehmerin trägt ein Plakat mit der Aufschrift "Racism Kills! #Blacklivesmatter". © Jörg Carstensen/dpa

„Rassismus tötet“, „Black Lives Matter“, „Stoppt den Klimawandel, 100 Prozent erneuerbare Energien“ oder „Mehr Geld für Bildung“ war darauf zum Beispiel zu lesen.

„Viele verschiedene inhaltliche Forderungen wurden sichtbar, für eine klimagerechte, soziale, antirassistische und geschlechtergerechte Gesellschaft“, zog ein Sprecher des Bündnisses Bilanz.

Die Veranstalter hatten entlang der Strecke zahlreiche Lautsprecher aufgestellt, über die Reden zu hören waren. Zudem erinnerten sie die Teilnehmenden daran, Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Der Gesichtsschutz und genügend Abstand zueinander waren Bedingungen dafür, dass die Versammlung stattfinden konnte. Etwa 170 Ordner achteten nach Angaben der Veranstalter zusätzlich auf die Einhaltung.

Organisatoren „hochgradig zufrieden“

Unmittelbar nach dem Ende der Demonstration haben sich die Organisatoren „hochgradig zufrieden“ mit dem Verlauf der Aktion gezeigt.

„Wir haben es geschafft, sehr viele verschiedene Menschen und Themen auf die Straße zu bringen“, erklärte Felix Müller, einer der Sprecher des „Unteilbar“-Bündnisses, dem Tagesspiegel.

Seinen Angaben zufolge hätten sich mehr als 20.000 Menschen an der Demonstration beteiligt und dabei vorbildlich an die Abstandsregeln sowie die per Auflage verfügte Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gehalten.

Teilnehmer der "Unteilbar"-Demo stehen mit Mundschutz und einer Regenbogenfahne nahe dem Brandenburger Tor. Foto: Kay Nietfeld/dpa Vergrößern
Teilnehmer der "Unteilbar"-Demo stehen mit Mundschutz und einer Regenbogenfahne nahe dem Brandenburger Tor. © Kay Nietfeld/dpa

Müller erklärte weiter, dass die Länge der Menschenkette am Ende sogar über den geplanten neun Kilometern gelegen habe, weil Veranstalter und Polizei entschieden hatten, diese im Bezirk Neukölln zu verlängern.

Statt wie geplant am Hermannplatz endete die Menschenkette in der angrenzenden Karl-Marx-Straße. In anderen Abschnitten, unter anderem vor der Museumsinsel, standen die Teilnehmenden in mehreren Reihen und knüpften mit extra dafür verteilten Bändern ihr „Band der Solidarität“.

Polizei zeigte sich mit der Umsetzung der Demo zufrieden

Zuvor hatten verschiedene Politiker, darunter Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), daran appelliert, das in der Corona-Eindämmung Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen.

Die Polizei zeigte sich mit der Umsetzung sehr zufrieden: „Es war durchweg positiv, das Hygienekonzept ist vollends aufgegangen. Die Menschen haben ihre Mund-Nase-Bedeckung getragen und haben auf Abstände geachtet. Es war vorbildlich“, sagte Pressesprecher Thilo Calbitz.

Wegen der langen Aufzugsstrecke seien etwa 1200 seiner Kollegen im Einsatz gewesen, auch um die Straßen für den Verkehr zu sperren.

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Trotz der Disziplin kam an manchen Stellen bei schwülwarmem Wetter und lauter Musik auch Partystimmung auf. Am Hermannplatz etwa tanzten Menschen.

Bundesweit demonstrierten nach Angaben der Veranstalter am Sonntag in mehreren Städten Menschen für Solidarität.

Zusätzlich konnten die Veranstaltungen und Redebeiträge in einem Livestream verfolgt werden. (mit dpa)

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