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Ein Mitarbeiter des Lebensmittel-Lieferdienstes Gorillas. Im Winter sollen die Rider bessere Kleidung bekommen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
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Umstrittener Lieferdienst aus Berlin Gorillas erhöht Stundenlohn auf zwölf Euro

Der Lieferdienst kommt dem im Koalitionsvertrag geregelten Mindestlohn zuvor. Der größte Konkurrent "Flink" hat den Schritt bereits Anfang Dezember vollzogen.

Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas will den Stundenlohn für seine Fahrerinnen und Fahrer von derzeit 10,50 Euro ab Januar auf zwölf Euro anheben. Das teilte das umstrittene Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit.

Gorillas kommt damit der gesetzlichen Regelung zuvor. Die neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hat sich im Koalitionsvertrag auf eine Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro für alle Branchen geeinigt. Der Lieferdienst Flink, in Deutschland der stärkste Konkurrent von Gorillas, zahlt seinen Fahrer:innen nach Tagesspiegel-Informationen bereits seit Anfang Dezember zwölf Euro. 

Alexander Brunst, der Deutschlandchef von Gorillas, kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur auch an, einen Bonus zu erhöhen, den die sogenannten Rider pro Lieferung erhalten. Der soll dann von vier auf fünf Euro steigen. 

Allerdings würden die neuen Regelungen nur für die Fahrerinnen und Fahrer und nicht für andere Beschäftigte etwa in den Lagern gelten. Dort gälten andere Vergütungsmodelle, wie Brunst mitteilte. Unklar ist, wie viele Rider diesen Bonus tatsächlich erhalten. Beschäftigte teilten dem Tagesspiegel mit, davon würde nur ein kleiner Teil der Belegschaft profitieren. 

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Gorillas verspricht darüber hinaus eine bessere Ausstattung für den Winter. Die Rider können demnach neue Winterjacken, Handschuhe, Powerbanks, Sicherheitsbrillen und Nackenwärmer bestellen. „Wir setzen damit ein klares Zeichen in der Lieferindustrie und schaffen einen neuen Branchenstandard“, sagte Brunst. „Das ist vor allem eine Wertschätzung für unsere Rider, die maßgeblich für den Erfolg unserer Firma verantwortlich sind.“

Im Sommer hatten Beschäftigte des Unternehmens über Monate immer wieder gestreikt und Warenhäuser blockiert. Eine der zentralen Forderungen war sichere Arbeitskleidung. Das Unternehmen hatte auf die Streiks mit Massenentlassungen reagiert und danach erfolglos versucht, die Wahl eines Betriebsrats vor Gericht zu stoppen.

Am vergangenen Samstag fand die Wahl statt. Sie kann jedoch juristisch angefochten werden. Brunst sagte nun: Gorillas prüfe derzeit, ob sein Unternehmen weitere Schritte einleiten werde. 

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