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Für und von Menschen mit und ohne Behinderung: Das Theater Thikva.  Foto: Peter van Heesen
© Peter van Heesen

Theaterfestival "Berlin is not am Ring" Richard Wagners Nibelungen-Saga im Fleischwolf

Auf dem Gelände der ehemaligen DDR-Fahrbereitschaft beschäftigt sich das drei-tägige, antikapitalistische Kunstfestival "Berlin is not am Ring" mit der Frage nach Gier im Kunstbetrieb.

„Berlin is not am Ring“: Gemeint ist mit dem Titel des „antikapitalistischen Festivals“ in Lichtenberg nicht die Ringbahn, die in Berlin auch weiterhin Bestand hat, wenn die Lokführer*innen mal streiken. Gemeint ist der „Ring der Nibelungen“ des Antisemiten Richard Wagner. 

Die wohl bekannteste Oper Deutschlands wird vom 20. bis 22. August auf dem Gelände der ehemaligen SED-Fahrbereitschaft in der Herzbergstraße 40-43 neu interpretiert, zerrissen, zerfleischt und zerlegt. Jeweils von 19 bis 23 Uhr brettern parallel auf drei Bühnen, die auf dem großen Areal verteilt aufgebaut sind, das inklusive Theater „Thikwa“, der Rapper Black Cracker, die Musiktheater-Kombo glanz&krawall, die Bigband Omniversal Earkestra und die Rock’n’Roll-Wrestler:innen von „Project Nova: Wrestling + Weinhardt“ über das Wagner-Werk hinüber.

Dass auf dem Gelände überhaupt wieder Veranstaltungen stattfinden können, ist den neuesten Entwicklungen in der Politik zu verdanken. Denn lange waren Ausstellungen und Events dort verboten. Der Kunstsammler Axel Haubrok kaufte 2013 das Gelände und erschuf einen Ort für Kunst, Handwerk und Kultur – doch der Bezirk hatte eine Zeitlang unter Strafe verboten, öffentliche Veranstaltungen durchzuführen. 

Nachdem diese wieder erlaubt waren, kam die Corona-Pandemie. Nun soll es, unter Beachtung aller Corona-Auflagen wie Maske, Abstand und Test, wieder richtig losgehen: „Berlin is not am Ring“ ist ein dreitägiges Kulturfestival mit Vorglühen und Afterhour, Bands und DJanes von und mit Menschen mit und ohne Behinderung.


Die Musiktheater-Kombo "glanz&krawall" ist auch mit dabei.  Foto: Peter van Heesen Vergrößern
Die Musiktheater-Kombo "glanz&krawall" ist auch mit dabei.  © Peter van Heesen

„Anti-Kapitalistisch“ meint dabei nicht umsonst, sondern: Zahl’ was du kannst. Für Menschen mit Behinderung wird der Eintrittspreis von 7 Euro festgelegt, dann wird empfohlen, sich am eigenen Einkommen zu orientieren: Bei einem Netto-Gehalt von 1000 bis 2000 Euro ist der empfohlene Ticketpreis beispielsweise 15 bis 20 Euro.

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„Um unsere Kosten zu decken, benötigen wir je verkauftes Ticket im Durchschnitt 16 Euro“, schreiben die Veranstalter:innen. „Wer viel hat, zahlt bitte auch viel.“ Trotzdem sehen alle das Gleiche. Die Veranstalter:innen wollen damit dem Prinzip der Exklusivität in der Kulturbranche entgegenwirken. 

Bei Konzerten, Festivals und im Theater bekämen Reiche sonst privilegierte Plätze mit Kaviar und Sekt in der ersten Reihe. Bei „Berlin ist not am Ring“ sollen die Reichen den Armen den Zugang mit finanzieren und alle nebeneinander sitzen, lachen, trinken, feiern.

Doch wie viel Kapitalismus steckt in Wagners Opernzyklus? Wie ist es um Kunst im 21. Jahrhundert bestellt? Welchen Mechanismen von Macht, Ausbeutung und dem Zu-Markte-Tragen von Kunst sind wir ausgeliefert – und welche radikalen Ideen der Befreiung lassen sich aus Wagners Opern-Tetralogie über die große Gier gewinnen? Diesen Fragen gehen die Künstler:innen in ihrer Neuinterpretation nach. Neben Theater gibt es Workshops, Lesungen, Musik, Essen und vieles mehr. Hier geht es zum Programm.

Die Akteur:innen des Festivals "Berlin is not am Ring" auf dem Gelände der Fahrbereitschaft in Berlin-Lichtenberg. Foto: Peter van Heesen Vergrößern
Bereit für Wagner: Die Akteur:innen des Festivals auf dem Gelände der Fahrbereitschaft.  © Peter van Heesen

Theater Thikwa ist vielleicht Deutschlands berühmtestes Theater, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Theater spielen. Auf jeden Fall ist das Ensemble seit 28 Jahren ein Pionier der Diversität. 2018 wurde Theater Thikwa mit 44 Mitgliedern für die „herausragende Ensemble-Leistung eines Theaters im deutschsprachigen Raum“ mit dem Martin-Linzer-Theaterpreis der Zeitschrift Theater der Zeit ausgezeichnet, 2019 mit dem Theaterpreis des Bundes für "die in der Theaterszene herausragende Beschwörung von gesellschaftlicher Diversität bei gleichzeitiger Lust an künstlerischer Radikalität." 

Für "Berlin is not am Ring" nimmt sich das inklusive Ensemble gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Cora Frost die Siegfried-Geschichte aus den Ring-Teilen 3 und 4, Siegfried und Götterdämmerung, vor. Sodann:  Vollendet das ewige Werk! 

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