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Auf einem Parkplatz neben dem RAW-Gelände soll ein neues Kulturareal entstehen. Gefeiert wird schon jetzt. Foto: Max Vorreiter
© Max Vorreiter

Tamara-Danz-Höfe in Berlin-Friedrichshain Neben dem RAW-Gelände soll ein Gewerbehof für Musikunternehmen entstehen

Matthias Ubl

Auf einem Parkplatz in Friedrichshain sollen die Tamara-Danz-Höfe entstehen. Technopartys und Workshops finden bereits statt.

Eigentlich ist das Gelände unweit der Warschauer Straße in Friedrichshain nur ein Parkplatz. Doch seit diesem Sommer sieht es hier, an der Rudolfstraße, zwischen Bahngleisen und Gewerbehallen, aus wie auf einem kleinen Festival: Eine Bühne wurde errichtet, an einer Bar gibt es Mate, Bier, Sekt und Softdrinks, außerdem stehen überall frisch gezimmerte Holzbänke herum.

Darauf, dass hier einmal Großes entstehen soll, verweist schon der alte Tresen aus der legendären Bar25. Den hat Cura hier aufgestellt, eine vom Senat geförderte Kulturinitiative, die das Gelände derzeit nutzt. In Zukunft sollen hier „Musik, Kunst und Kultur wachsen“, wie es von der Initiative heißt.

Auch der Eigentümer des Parkplatzes, Amir Abadayev, ist ganz von dieser Idee überzeugt. Seit einigen Wochen veranstaltet Cura hier Techno-Konzerte, Podiumsdiskussionen und Theaterperformances – legal und mit Hygienekonzept. In den nächsten Jahren soll aber dem Eigentümer zufolge auch ein großer Gewerbehofkomplex entstehen, der ganz der Musik gewidmet ist.

„Unser Gelände liegt geografisch inmitten von Musikkultur. Nebenan ist das RAW-Gelände, die Mediaspree und in Richtung Ostkreuz sind Underground-Clubs, wie das About Blank“, sagt Abadayev. 

Ihm und seinen Geschwistern, die gemeinsam das Immobilienunternehmen Atrium Development Group leiten, gehören nicht nur der Parkplatz, sondern außerdem zwei anliegende Gewerbehallen, die derzeit von Zalando und einem Maschinenbauunternehmen gemietet werden.

Musikfirmen, Studios, ein Club – und „soziokulturelle“ Angebote

„In den nächsten Jahren sollen hier die Tamara-Danz-Höfe entstehen“, sagt Abadayev. Benannt sind diese nach der Frontfrau der DDR-Band Silly, deren Name sich bereits in der nah gelegenen Straße vor der Eastgate-Mall wiederfindet. In den Höfen sollen musiknahe Unternehmen, Studios, Proberäume und ein Club Platz finden. Zehn Prozent des Gebäudes sollen dabei Abadayev zufolge „soziokulturell“ zur Verfügung gestellt werden.

Dort soll etwa die Kulturraum Berlin GmbH zur gemeinwohlorientierten Kostenmiete einziehen. Das Unternehmen wird vom Land Berlin unterstützt und soll Arbeits-, Probe- und Produktionsräume für Künstler:innen und Kulturschaffende finden und zur Verfügung stellen.

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Schon vor Corona wollte Abadayev eine Konzertreihe auf seinem Gelände veranstalten, doch die Pandemie machte seine Pläne zunichte. Durch die städtische Initiative Draußenstadt ist dann Cura auf sein Gelände gekommen. 

Draußenstadt fördert insgesamt zwölf Orte in Berlin, an denen während der Coronapandemie legal Freiluftpartys stattfinden können. Die Initiative des Senats arbeitet wiederum eng mit der Berliner Clubcommision zusammen, die Freiflächen für Veranstaltungen gesucht hat und dabei Abadayev fand.

Je mehr Wachstum, desto unwichtiger die Grenzen

Bei einem Wettbewerb von Draußenstadt konnten sich Künstler:innenkollektive mit ihren Ideen für das Gelände bewerben – und Cura gewann. „Cura wird von verschiedenen Kollektiven getragen“ erklärt Cecilia Thorausch von SEV Berlin, einer Initiative zur Förderung von Techno-Künstler:innen. 

Neben SEV ist an Cura unter anderem Roh-Art beteiligt. „Roh-Art kommt aus dem Design, hat aber einen engen Draht zur Musik. Durch sie soll die Kunst auf die Flächen kommen“, sagt Thorausch. Umso mehr das Projekt wachse, umso bedeutungsloser würden jedoch die Grenzen zwischen den Kollektiven.

Cecilia Thorausch arbeitet ehrenamtlich für Cura. Foto: Max Vorreiter Vergrößern
Cecilia Thorausch arbeitet ehrenamtlich für Cura. © Max Vorreiter

Thorausch arbeitet ehrenamtlich, da das Kollektiv die Finanzhilfe von Draußenstadt vor allem in die Veranstaltungen investieren, die keinen Eintritt kosten. Darüber hinaus wird der Ort an private Veranstalter vermietet. Außerdem hat Cura eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die Bebauung der Fläche voranzutreiben. Thorausch hofft, dass das Projekt so weiter wächst. Gerade wirkt vieles auf den zukünftigen Tamara-Danz-Höfen noch provisorisch.

Die Initiative „Unseal the City“ hat einen Teil des Betonbodens symbolisch entsiegelt und möchte so auf die Problematik der Flächenversiegelung aufmerksam machen. Auch Cura möchte den Parkplatz „revitalisieren, um den Austausch von Kultur, Mensch und Natur zu fördern“. 

Auf nachhaltige Baustoffe, reichhaltige Begrünung und Biotopflächen will auch Abadayev beim Bau der Tamara-Danz-Höfe setzen. „Wir streben die allerhöchste Nachhaltigkeitsstufe an“, sagt der Unternehmer. Auch Cura soll dann einen langfristigen Platz auf dem Gelände einnehmen. Wie das genau aussehen wird, ist jedoch noch nicht klar. 
Alle Infos zum aktuellen Projekt unter curaberlin.de

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