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Planungskonferenz. Tagesspiegel-Herausgeber Erik Reger (rechts) und Theaterkritiker und Mitherausgeber Walther Karsch (Mitte) 1949 im Ullstein-Haus bei der Besprechung der nächsten Ausgabe.1949. Foto: Ursula Schlewski-Oppermann
© Ursula Schlewski-Oppermann

Tagesspiegel-Gründung am 27. September 1945 „Dass wir unsere Freiheit einmal uns selber verdanken“

Zunächst erlaubten die Sowjets 1945 keine deutsche Publikation. Dann versuchten sie, publizistisch Fakten zu schaffen – bis die Amerikaner kamen.

Im Pressebereich gab es in Berlin tatsächlich eine „Stunde Null“. Als sich am 2. Mai 1945 die letzten Wehrmachtverbände ergaben und die Rote Armee die Macht übernahm, wusste keiner wirklich, was außerhalb des eigenen Blickfelds passierte. Der erste sowjetische Stadtkommandant Nikolaj Bersarin verbot jede Art deutscher Publikation. Über zwei Wochen erschienen in Berlin keine Zeitungen, ein Novum in über 300 Jahre Pressegeschichte.

Am 15. Mai gab die Sowjetische Militäradministration mit der „Tägliche Rundschau“ die erste Nachkriegszeitung Berlins heraus, eine „Frontzeitung für die deutsche Bevölkerung“, sechs Tage später erschien bereits die „Berliner Zeitung“ unter der Regie von Moskau-Rückkehrer Rudolf Herrnstadt, der innerhalb weniger Jahre zum Chefpropagandisten der DDR aufsteigen sollte. In der Trümmerwüste Berlin legten zunächst die Sowjets, dann die Amerikaner, Engländer und Franzosen die Grundlagen für eine neue Presselandschaft, die von Anfang an im Zeichen des Ost-West-Konflikts stand.

Wer als Deutscher eine neue Zeitung gründen wollte, musste eine Lizenz von einer alliierten Besatzungsmacht erwerben. Die Zulassung hing davon ab, ob die inhaltliche Ausrichtung der neuen Publikation den jeweiligen alliierten Entnazifizierungsvorstellungen entsprach.

Auch der Tagesspiegel entstand im Spätsommer 1945 als Teil des amerikanischen Reeducation-Programms für Deutschland. Er war Vermittler des westlichen Demokratieverständnisses und in den Hochzeiten des Kalten Kriegs pressepolitischer Ausdruck des Überlebenswillens von West-Berlin gegenüber der SBZ (Sowjetischen Besatzungszone) bzw. der DDR: die erste freie Zeitung in Berlin nach dem Krieg.

Bereits die Gründung des Tagesspiegel ist als strategische Abwehrmaßnahme gegenüber dem sich damals schon abzeichnenden sowjetischen Hegemonialanspruch in Berlin zu verstehen. Denn während ihrer fast dreimonatigen Alleinherrschaft hatten die Sowjets nicht nur wichtige politische Weichenstellungen vorgenommen, sondern sich auch im publizistischen Bereich unter dem Schlagwort „antifaschistisch-demokratische Umwälzung“ eine breite kommunistische Meinungsführerschaft gesichert.

Die Sowjets wollten bis zur Ankunft der Westalliierten so viele irreversible Fakten wie möglich schaffen, gerade in den pressepolitischen Planungen zeigten sich deutlich die weltanschaulichen Differenzen der so ungleichen beiden Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition. War für Sowjetunion die Presse nach einem Lenin-Wort „kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator“ und damit vor allem ein bewusst parteiliches Mittel zum kommunistischen Zweck, wollten die USA ein Zeitungswesen aufbauen, das auf Individualismus und Wettbewerb setzte und so ausdrücklich parteipolitische Unabhängigkeit und innerbetrieblichen Pluralismus („Demokratie in der Zeitung“) anstrebte.

Nikolai Bersarin verlässt im Mai 1945 die sowjetische Kommandantur. Er verbot nach der Kapitulation jede deutsche Publikation. Foto: imago/ITAR-TASS Vergrößern
Nikolai Bersarin verlässt im Mai 1945 die sowjetische Kommandantur. Er verbot nach der Kapitulation jede deutsche Publikation. © imago/ITAR-TASS

Vor Eintreffen der Westalliierten wurden Rotationsmaschinen abgebaut

Als am 5. Juni 1945 mit der offiziellen Bekanntmachung des Vier-Mächte-Status Berlins das Ende des sowjetische Machtmonopols unwiederbringlich näher rückte, versuchte die sowjetische Militäradministration noch hastig, den eigenen Pressevorsprung auszubauen. Sie ließ noch möglichst viele Druckerpressen oder Rotationsmaschinen in Westbezirken abmontieren und rüberschaffen. Gleichzeitig erlaubte sie die Herausgabe von sechs Zeitungen mit einer Gesamtauflage von fast einer Million Exemplaren – alle auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten und unter strenger Vorzensur stehend.

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Mit dem Einzug der Westalliierten in den ersten Julitagen in die ihnen vertraglich zugewiesenen Sektoren im westlichen Teil Berlins nahm auch die US-Informationskontrollabteilung im Zehlendorfer Quartier in der Milinowskistraße ihren Dienst auf. Offiziell stand das Gebot der Einheit der Alliierten gegenüber den besiegten Deutschen noch über allem. Anfang August berieten die alliierten Vertreter der jeweiligen Informationskontrollabteilungen über die Herausgabe einer gemeinsamen Zeitung als Stimme der Alliierten Kommandantur. Da allerdings keine Seite bereit war, auf eigene Publikationsorgane zu verzichten, scheiterte dieser Plan schnell – ohne dass es eine Partei wirklich bedauert hätte.

Ideologisches Gegengewicht zur sowjetisch kontrollierten Presse

Bereits unmittelbar nach der Konstituierung der Berliner Informationskontrolle hatten die Amerikaner die Vorbereitungen zur Herausgabe genuin westlich orientierter Zeitungen begonnen, um ein ideologisches Gegengewicht zu schaffen. Zuständiger Presseoffizier war Peter de Mendelssohn, der beste Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbrachte. Der damals gerade einmal 37-jährige Journalist und Essayist aus München mit englischer Staatsbürgerschaft hatte in den Zwanziger Jahren viele Jahre in der Redaktion des bürgerlich-liberalen „Berliner Tageblatt“ gearbeitet und sich Anfang Juli vor Ort durch mehrere Redaktionsbesuche ein Bild der Lage gemacht.

In einem Memorandum vom 17. Juli schlug er intern Alarm und bemängelte die „unzureichende Qualität der bestehenden Zeitungen. Sie alle sind, wenn auch in unterschiedlichem Maß, politisch und kulturell nach der Sowjetunion orientiert. Das Bild, welches sie von der Welt als Ganzes bieten, ist daher notwendig einseitig und unvollständig.

Sie würden darüber hinaus den alliierten Zielen einer politischen Neuorientierung der deutschen öffentlichen Meinung dienen, wenn es Ihnen durch eine andere, stärker nach Westen orientierte Haltung gelänge, das Vertrauen einer zutiefst (…) misstrauischen Öffentlichkeit zu erwerben. Wenn im US-Sektor eine Zeitung ins Leben gerufen werden soll, dann muß sie eine deutsche, von einem deutschen Verleger und einer deutschen Redaktion herausgegebenen Tageszeitung sein. Nur eine solche Gruppe von Menschen kann wirkungsvoll arbeiten und zugleich der Sache der westlichen Demokratien einen echten Dienst erweisen.“

Gesucht: Personen mit weltbürgerlichem Blickfeld

Die skizzierte Aufgabe könne allein „eine Tageszeitung von höchstem Anspruch und höchstmöglichen Niveau“ erfüllen. Die für die Zeitung verantwortlichen Chefredakteure müssen sorgfältig ausgewählt und verschiedene Kriterien erfüllen. Sie sollten nicht nur parteipolitisch unabhängig sein und alle „konstruktiven Weltanschauungen“ repräsentieren, sondern auch Persönlichkeiten mit weltbürgerlichem Blickfeld sein, die in der deutschen Leserschaft „Achtung und Autorität“ genießen. Um die Glaubwürdigkeit des demokratischen Anspruchs der Zeitung bei der Berliner Bevölkerung zu erhöhen, sei die Kontrolle einer solchen Zeitung auf ein absolutes Mindestmaß zu reduzieren.

Schon einen Tag später kamen hochrangige Mitarbeiter aus der Bad Homburger US-Nachrichtenzentrale nach Berlin, um das weitere Vorgehen zu entscheiden. Dabei war die Skepsis gegenüber dem Vorhaben Mendelssohns groß. Zu abgehoben wäre das Konzept. Eine zu anspruchsvolle Zeitung würde nicht genug Leser finden. Die meisten favorisierten eine populär gemachte Zeitung, um eine größtmögliche Massenwirkung zu erzielen.

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Doch Abteilungschef General Robert A. McClure entschied anders und gab Mendelssohn freie Hand. McClure wollte mit einer solchen ambitionierten deutschen Lizenzzeitung in Berlin wohl eine Vorzeigezeitung für die gesamte US-amerikanische Zone schaffen, zudem galt es lokal mit dem Bürgertum die klassische gesellschaftliche Elite als Bündnispartner gegen den Kommunismus zu stärken.

Bis geeignete Führungskräfte für die neue deutsche Zeitung gefunden sind, sollte eine offiziöse US-Armeezeitung als Interimslösung die liberale Lücke auf dem Berliner Pressemarkt schließen. Zu diesem Zweck wurde kurzerhand der gebürtige Berliner Hans Wallenberg, langjähriger Redakteur der „Vossischen Zeitung“ und seit 1944 als US-Soldat Mitarbeiter der anglo-amerikanischen Spezialeinheit zur psychischen Kriegsführung, in seine Heimatstadt beordert.

Peter Boehnisch und Egon Bahr begannen bei der "Allgemeinen Zeitung"

In Windeseile stellte der spätere Chefredakteur der Münchner „Neuen Zeitung“ im ehemaligen Ullsteinschen Druckhaus in Tempelhof eine Redaktion auf, die vor allem aus jungen deutschen Mitarbeitern bestand. Viele bekannte Journalisten wie Peter Boenisch, aber auch spätere Redakteure des Tagesspiegel wie Egon Bahr oder auch Friedrich Luft wurden hier als Volontäre ausgebildet.

Die erste Ausgabe. Walther Karsch (links) und Generalmajor Frank A. Keating, der spätere US-Stadtkommandant, begutachten die Nummer 1 Foto: Archiv Foto: Archiv TSP Vergrößern
Die erste Ausgabe. Walther Karsch (links) und Generalmajor Frank A. Keating, der spätere US-Stadtkommandant, begutachten die Nummer 1 Foto: Archiv © Archiv TSP


Mit ihrer klaren Trennung von Nachricht und Meinung war die am 8. August erstmals erschienene „Allgemeine Zeitung“ als Vorbild einer demokratischen Presse konzipiert. Sie war aufgrund ihrer sachlichen Berichtserstattung in der Bevölkerung sehr beliebt, weswegen die Auflage schnell erhöht wurde.

Die Erleichterung über den positiven Zuspruch war groß. Denn die Suche nach geeigneten Verantwortlichen für die deutsche Lizenzzeitung gestaltete sich schwieriger als gedacht, und das nicht nur wegen der schwerfälligen administrativen Abstimmungsprozesse. Das Ansinnen hatte schnell in der Stadt die Runde gemacht und zahllose Interessenten in die Milinowskistraße getrieben, unter ihnen auch viele Mitarbeiter aus den sowjetisch lizenzierten Zeitungen, die sich mehr redaktionelle Freiheiten wünschten.

Qualität statt Boulevard

Mendelssohn favorisierte anfangs einen illustren Bewerberkreis um Heinz Ullstein. Der Enkel von Ludwig Ullstein war als einziges Familienmitglied nach der „Arisierung“ des traditionsreichen Presse- und Verlagshauses in Berlin geblieben, wo er in den letzten Kriegsjahren Zwangsarbeit leisten musste. Doch die Aspiranten fielen in Ungnade, als deutlich wurde, dass sie eigentlich eine boulevardeskere Richtung einschlagen wollten.

Der Frust war schnell verflogen, als Mendelssohn das Memorandum auf seinem Schreibtisch las, das ihm einige Tag vorher von dem Papiergroßhändler Heinrich von Schweinichen überbracht worden war. Nach der Lektüre wusste Mendelssohn nach eigenen Angaben sofort, dass er den Spiritus rector für ein zeitgemäßes neues „Berliner Tageblatt“ gefunden hatte.

Der Autor hieß Erik Reger, der nur wenige Kilometer von Berlin in Mahlow das Kriegsende erlebt hatte und voller Tatendrang war, endlich wieder durch Schreiben politisch zu wirken. Der linksliberale, eigenwillige Publizist hatte sich als scharfzüngiger Kritiker von jeder Form von Ideologie und Funktionärsherrschaft („Union der festen Hand“) in der Weimarer Republik einen Namen gemacht und war während der Nazizeit in die innere Emigration gegangen.

Der Gründer des Tagesspiegels Erik Reger und Helga Brockhoff am 22. November 1947 in Frankfurt. Foto: DENA Vergrößern
Der Gründer des Tagesspiegels Erik Reger und Helga Brockhoff am 22. November 1947 in Frankfurt. © DENA

Erik Reger begriff die Katastrophe des Nationalsozialismus als Ergebnis einer tiefen geistigen Desorientierung der Deutschen, deren Wurzeln in der Abkoppelung Deutschlands von der demokratischen Entwicklung im Westen seit dem 19. Jahrhundert liegen würden. Eine zeitgenössische deutsche Zeitung müsse den Deutschen die westliche Kultur wieder nahebringen und so einen zentralen Beitrag zur Ausgestaltung neuen gesitteten Staatswesens leisten. „Ethisch-pädagogische Motive stehen nun an erster Stelle. In dieser Hinsicht könnte man die Presse eine Fortsetzung der Schule mit anderen Mitteln nennen“.

Die Zeitung muss „Spiegel und Chronik ihrer Zeit“ sein und neben klarer Nachrichtenüberschau, umfassenden Analysen der gegenwärtigen Situation durch regelmäße Exkurse in die Geschichte auch Wissen vermitteln und Richtung vorgeben. Durch Rückbesinnung auf die besten Traditionen des deutschen Geisteslebens sollte der Aufbau einer liberalen Demokratie national-ideell unterfüttert werden.

Reger war der ideale Mann, um die amerikanische Reeducation mit der notwendigen Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit publizistisch zu begleiten. Da die Amerikaner Zeitungslizenzen an einzelne demokratisch gesonnene Verleger und Redakteure unterschiedlicher politischer Orientierung vergaben, wurden Reger formal gleichberechtigt drei andere Herausgeber beigestellt: der linksintellektuelle Theaterkritiker, frühere „Weltwoche“-Redakteur und kurzzeitiges KP-Mitglied Walter Karsch, der kulturkonservative Kunsthistoriker Erwin Redslob und der Papiergroßhändler Heinrich von Schweinichen, der allerdings Mitte 1946 wohl auch aus politischen Gründen entlassen wurde.

Am 27. September 1945 erschien die erste Ausgabe

Am 14. September 1945 genehmigte die US-Behörden den Lizenzantrag und am 27. September wurde die erste Ausgabe der neuen Zeitung gedruckt, die auf Wunsch von Erik Reger den Namen „Der Tagesspiegel“ erhielt. Als Sprecher der Lizenzträger war Reger unumstrittener politischer Kopf der Redaktion.

In seinem ersten, in einem bildungsgesättigten Duktus gehaltenen Leitartikel rief er die Deutschen leidenschaftlich zur demokratischen Selbstreinigung auf: „Nahezu die Hälfte des einst voreilig gepriesenen zwanzigsten Jahrhunderts liegt hinter uns. Was immer die andere Hälfte bringen mag, wird Folge dessen sein, was zwischen 1914 und heute geschah. Die für die ganze Welt entscheidende Frage lautet, ob der Beitrag des deutschen Volkes zur zweiten Jahrhunderthälfte ebenso rühmlich sein wird, wie sein Anteil an der Gestaltung der ersten unrühmlich war. (…)

Da stehen wir nun – oder richtiger: wir liegen am Boden. Nach dem ‚totalen Krieg' der totale Zusammenbruch: ein Naturgesetz. Es ist menschlich, wenn wir das Naturgesetz als Katastrophe empfinden, aber es ist nicht politisch. (…) Wenn nun aber unser Volk Hunger und Elend in wahrer Schafsgeduld über sich ergehen ließ, um Hitlers Krieg zu ermöglichen und ,durchzuhalten’, dann sollte es heute zu seiner Gewissensentlastung gestehen: jetzt haben wir etwas, um das zu hungern sich lohnt. Zum ersten Male in unserer Geschichte ist reiner Tisch gemacht worden. (…)

Niemals ist, so betrachtet, die Situation für jeden einzelnen Deutschen so günstig gewesen –: er steht wie Gottvater am Anbeginn der Schöpfung, die Erde ist für ihn wüst und leer, aber sein Geist darf sich unbeschwert entfalten, um den schon von Goethe schmerzlich empfundenen Widerspruch aufzuheben, dass Deutschland nichts ist, obwohl der einzelne Deutsche viel ist.

Es muß möglich sein, die achtbaren Individuen zu einer achtbaren Nation zu summieren. In der Weltordnung ist stets das Gestern im Heute, aber auch im Heute das Morgen enthalten. Deutschland ist in vieler Beziehung merkwürdig und absonderlich, aber dass es nicht genug Männer hätte, eine demokratische Republik Deutschland demokratisch zu regieren und getarnte Feinde ebenso unfähige Freunde zu überwinden, ist ein Irrtum.

Heute ist niemand, der an dem guten Verhältnis zwischen Besatzung und Bevölkerung Anstoß nimmt. Liegt, wenngleich oft nur im Unterbewusstsein, die Erkenntnis darin, daß auf der Seite dieser fremden Soldaten Recht und Wahrheit sind. Daher sehen wir sie gern. Und wenn wir alles tun wollen, die Zeit der Besetzung abzukürzen, so nicht, um diese Soldaten loszuwerden, sondern in dem brennenden Wunsch, endlich dahin zu gelangen, dass wir unsere Freiheit einmal uns selber verdanken und ihrer nach eigenen Verdiensten würdig sind.“

Der gleichzeitig illusionslose wie selbstbewusste Ton ließ viele Berliner aufhorchen. In den folgenden Jahren wurde Reger zu einer unverwechselbaren, politisch verhassten wie verehrten Stimme in der ideologisch und politisch umkämpften Viermächtestadt. Schneller als von allen gedacht gewann der Tagesspiegel die Gunst großer Teile der Bevölkerung. Am 11. November 1945 stellten die Amerikaner die „Allgemeine Zeitung“ planmäßig ein, um ihr Papierkontigent dem Tagesspiegel zur Verfügung zu stellen und damit sechs Ausgaben pro Woche zu ermöglichen.

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